Der 20-Sekunden-Wahnsinn von Watford

13. Mai 2013, 11:04 Uhr

Mit dem Elfmeter in der 96. Minute sah alles danach aus, als würde Leicester City im Finale um den Premier-League-Aufstieg stehen. Doch dann reichten drei Ballkontakte, um den Spieß umzudrehen.

Es war einer dieser Elfmeter, die man geben kann, aber nicht muss. Klar, Marco Cassetti vom FC Watford touchierte den im Strafraum davoneilenden Leicester-City-Flügelstürmer Anthony Knockaert an der Schulter. Und manchmal reicht eine kleine Berührung ja schon, um einen Spieler ins Taumeln zu bringen. Aber ein echtes Foul? Der Schiedsrichter befand: Ja und zeigte auf den Punkt im Strafraum. Die Szene im Relegationshalbfinale um den Aufstieg in die Premier League wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn sie a) nicht in der 96. Minute passiert wäre. Und b) nicht der Ausgangspunkt für einen wahnsinnigen 20-Sekunden-Schlussakt gewesen wäre, den es so nur im Fußball gibt.

Ausgangslage des Duells: Das Play-Off-Hinspiel hatte Leicester City zu Hause 1:0 gegen Watford gewonnen. Im Rückspiel lag nach Ende der regulären Spielzeit die Mannschaft 1:2 zurück. Die Addition der Ergebnisse ergab ein 2:2 - alles sah nach Verlängerung aus, zumal die eigentliche Nachspielzeit auch schon um zwei Minuten überzogen war. Als Schiri Michael Oliver dann seine sehr gnädige Strafstoß-Entscheidung fällte, schien der Finaleinzug für Leicester geritzt zu sein. Doch dann bewahrheitete sich mal wieder die Mär von dem Gefoulten, der besser nicht den Elfmeter schießen sollte.

Die Fans kannten kein Halten mehr

Knockaert trat also an und kickte den Ball relativ unmotiviert Richtung Tor – Watfords Schlussmann Manuel Alumnia hatte keine Schwierigkeiten, den schwachen Schuss zu parieren. Es folgte ein Nachschuss, doch Watfords Abwehr haute die Kugel stumpf raus. Und dann legte der FC los: Es brauchte gerade einmal drei Stationen und urplötzlich tauchte der Ball auf der anderen Seite des Spielfelds vor dem Leicester-Kasten auf. Während der erste Torschuss daneben ging, stürmte aus dem Hintergrund Troy Deeney heran und zimmerte das Spielgerät wuchtig ins Netz. Der fast sichere Verlierer FC Watford stand plötzlich als Sieger da. Und die Fans kannten kein Halten mehr und stürmten wie von Sinnen den Platz.

Als wenn das nicht alles schon verrückt genug gewesen wäre – fast identisch endete zwei Wochen zuvor bereits das letzte und entscheidene Saisonspiel zwischen FC Brentford und Doncaster Rover. Es ging um den Aufstieg in die Zweite Liga. Bis zur 94. Minute steht es 0:0, als es Elfmeter für Brentford gibt. Doch Marcello Trotta schießt den Ball gegen die Latte, der prallt auf Doncasters Billy Paynter ab, der über den Platz rennt und zu James Coppinger passt. Der braucht die Kugel nur noch über die Torlinie zu schieben. Der Schiedsrichter der Partie war übrigens ebenfalls Michael Oliver - der Mann hat offenbar einen Hang für späte Strafstöße.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Fussball Premier League Spielgerät Taumeln Zweite Liga
Sport
Sport-Liveticker
Fußball-Bundesliga - live Fußball-Bundesliga - <i>live</i> Die Jagd nach der Schale Zum Liveticker