4. Januar 2011, 13:14 Uhr

St. Pauli reagiert geschockt auf Schnitzler-Beichte

Der frühere St.-Pauli-Profi René Schnitzler hat nach Informationen des stern 100.000 Euro kassiert, um fünf Fußballspiele zu manipulieren. Der spielsüchtige Stürmer will aber niemanden betrogen haben. Schnitzlers Ex-Club reagierte geschockt.

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Auf dem Rasen gab er schon mal die Richtung vor, im wirklichen Leben war er oft ein Verlierer: René Schnitzler©

Im Fußball-Wettskandal hat sich ein weiterer Profi offenbart. Der frühere St.-Pauli-Stürmer René Schnitzler gibt im aktuellen stern zu, 100.000 Euro von einem Wett-Paten namens "Paul" kassiert zu haben. Er bestreitet aber eine Manipulation von Spielen im Jahr 2008. Das berichtet der stern in seiner am Mittwoch erscheinenden Ausgabe.

Schnitzler gab im Gespräch mit dem stern auch darüber Auskunft, spielsüchtig zu sein. "Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe", so der Angreifer, der zuletzt beim NRW-Ligisten FC Wegberg-Beeck in der fünften Liga die Fußballschnuhe schnürte.

"Das hat uns sehr geschockt, auch wenn hier anscheinend keine Manipulation vorliegt. Wenn sich ein Spieler mit der Wettmafia einlässt, dann wird der Sport eindeutig mit Füßen getreten. Das verurteilen wir aufs Schärfste", betonte St. Paulis Pressechef Christian Bönig in einer ersten Stellungnahme des Vereins am Dienstag. In diesem Fall habe es den Anschein, dass Schnitzler einen Betrüger betrogen habe, so Bönig.

Wettpate soll ein Niederländer sein

"Zum damaligen Zeitpunkt haben wir keine Auffälligkeiten in den Spielen bemerkt. Denn wenn wir etwas gemerkt hätten, dann hätten wir es umgehend gemeldet. Leider können Vereine nicht bis ins Detail die Freizeitgestaltung ihrer Spieler kontrollieren oder steuern", ergänzte Bönig.

Die Staatsanwaltschaft Bochum, die im Zuge des großen Wettskandals die Ermittlungen leitet, habe bereits vor Tagen Kontakt mit dem Klub aufgenommen. "Alles, was wir wissen, teilen wir der Staatsanwaltschaft mit", sagte Bönig. Schnitzler sei ein Mensch, von dem er glaube, dass er eine "gewisse Suchtstruktur in sich getragen hat. Er hat eine Lebensbeichte abgelegt."

Zwischen 2007 und 2009 hatte es René Schnitzler auf 33 Einsätze (7 Tore) für den FC St. Pauli gebracht. Bei den fraglichen Partien, die Schnitzler hätte manipulieren sollen, soll es sich um Auswärtsspiele der Hanseaten bei Mainz 05 (Saison 2007/2008), bei Hansa Rostock, beim FC Augsburg, beim MSV Duisburg und erneut bei Mainz 05 (jeweils 2008/2009) handeln.

Laut stern handelt es sich bei dem Wettpaten um einen Niederländer namens Paul Rooij - und dabei mutmaßlich um eine zentrale Figur im Bundesliga-Wettskandal. Die dem Magazin vorliegenden Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft sollen zeigen, dass dieser engen Kontakt mit vielen der im Prozess Beschuldigten hatte. Er war "Boss und Lenker", so der stern. Die Unterlagen sollen nahelegen, dass der Niederländer für zahlreiche mutmaßliche Spielmanipulatoren hohe Wetten in Asien platzierte, die von deutschen Wettanbietern nicht gehalten worden wären.

DPA/kbe

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