Reus' Torgala gegen die Rot-Seuche

16. Februar 2013, 22:54 Uhr

Marco Reus Superstar: Der Nationalspieler glänzt beim Sieg gegen Frankfurt mit drei Toren - und profitiert dabei von der perfekten Kombinationsmaschine. Da stört sogar eine weitere rote Karte nicht. Von Tim Schulze

Dortmund, Klopp, Götze, Reus, Frankfurt, Schieber, rote Karte

Alle für einen, einer für alle: Marco Reus (m.) verschwindet fast im Jubelknäuel seiner Mitspieler.©

Der Mann des Abends hatte nur eines vor. Er wollte diesen Ball haben. Marco Reus schnappte sich nach dem Schlusspfiff das Spielgerät, das er in den 90 Minuten zuvor im Spiel gegen Eintracht Frankfurt höchst elegant drei Mal im Tor des Gegners versenkt hatte. Den Ball kann er jetzt im Eigenheim an einen exponierten Platz ausstellen und sich beim Anblick daran erfreuen. "Bei meinem ersten Dreierpack (im Herbst 2011 für Gladbach gegen Bremen) habe ich den Ball nicht mitgenommen, jetzt wollte ich ihn mitnehmen - das ist eine schöne Erinnerung."

Dass der Nationalspieler zukünftigen Gästen als erstes seine Trophäe präsentiert, ist jedoch unwahrscheinlich. Ein Angeber ist er nämlich nicht, sondern bescheiden - und professionell. Reus betonte, so gehört es sich für einen guten Teamplayer, wie bedeutend der Sieg für die ganze Mannschaft war: "Ich freue mich vielmehr, dass wir das Spiel gewonnen haben. Frankfurt ist eine richtig starke Mannschaft. Wir haben früh zwei Tore gemacht, das war wichtig", sagte er. Dennoch gab es für ihn ein Extra-Lob von Jürgen Klopp: "Die Tore waren nicht schlecht, das war klasse gemacht. Aber er hätte noch eins machen können."

Dortmund zeigt sich wiedererstarkt

Die Reus-Gala war dennoch keine One-Man-Show, deshalb war die Bescheidenheit des 23-Jährigen angebracht. Die gesamte Mannschaft von Jürgen Klopp zeigte sich in dem Spitzenspiel des Tabellenzweiten gegen den Tabellenvierten wiedererstarkt. Was vor allem den Trainer glücklich machte, war die Tatsache, dass Dortmund diesmal kein Gegentor kassierte. Die Defensive wackelte nicht so wie in den vergangenen beiden Spielen gegen den HSV und Schachtjor Donezk, sondern stand sicher. Mats Hummels zeigte eine fehlerlose Partie und war so sicher und selbstbewusst wie schon lange nicht mehr. Das lag sicherlich auch daran, dass sein lange vermisster Partner in der Innenverteidigung, Neven Subotic, nach überstandener Verletzungspause wieder ins Team zurückgekehrt war. Hummels bereitete sogar das 2:0 vor, nachdem er den Ball bei einem Frankfurter Vorstoß erobert, mit Tempo durchs Mittelfeld getrieben und zielsicher auf Reus gepasst hatte (10. Minute).

Die anderen kongenialen Reus-Unterstützer hießen Ilkay Gündogan und Mario Götze. Gündogan, der unter der Woche in der Champions League noch passen musste, gab dem Spiel der Dortmunder wieder mehr Struktur und Sicherheit. Götze zeigte die Schnelligkeit, Präzision und technische Versiertheit, die er in den letzten Wochen häufig vermissen ließ. Die Tore eins (8.) und drei (65.) liefen nach dem gleichen Schema ab. Gündogan leitete den Angriff mit einem Zuspiel auf Götze ein, der leitete den Ball weiter Reus, der traumwandlerisch verwandelte. Das war Kombinationsfußball der "Extraklasse" (BVB-Manager Michael Zorc). Jürgen Klopp war sichtlich erleichtert - und hochzufrieden: "Nach dem intensiven Spiel in Donezk so etwas abzurufen ist herausragend gut und macht uns auch stolz. Das war insgesamt eine ganz, ganz starke Leistung", sagte Klopp. Noch angenehmer dürfte für Klopp sein, dass die Kritik an seiner Mannschaft und der wackligen Defensive vorerst verstummen wird.

Rote Karte für den glücklosen Schieber

In der ersten Halbzeit sah sich Klopp allerdings einmal dazu genötigt, den vierten Offiziellen in heftige Diskussionen zu verwickeln, wie es seine Art ist. In der 31. Minute hatte Schiedsrichter Felix Brych Julian Schieber nach einem (nicht absichtlichen) Ellenbogen-Einsatz in einem Kopfballduell mit Bastian Oczipka mit der zweiten gelben Karte des Platzes verwiesen. Klopp tobte und war sich auch nach dem Spiel sicher: "Er erwischt ihn. Aber alles an dieser Aktion ist eine reine Sprung-und-Schwung-Bewegung - nichts davon ist gegen Oczipkas Nase. Ich glaube, dass man da ein bisschen entspannen draufblicken könnte."

Doch Oczipkas Nase blutete, Brych sah es nicht ganz so entspannt, und Klopps Ersatz-Stürmer trat den Gang in die Kabine an. In der vergangenen Woche war schon Robert Lewandowski mit Rot geflogen – Dortmund gehen gerade die Stürmer aus. Auch Frankfurts Takashi Innui flog 15. Minuten vor Schluss mit gelb-rot – das war die Partie allerdings längst gelaufen.

Dortmunds Stürmer-Mangel wird allerdings kaum Folgen haben, wenn die Dortmunder so weiter spielen wie gegen Frankfurt. Auch nach dem Platzverweis beherrschten sie weitestgehend das Spiel und zeigten dem erfolgreichen Aufsteiger seine Grenzen auf. Frankfurt vergab in der 64. Minute durch Srdjan Lakic die große Möglichkeit, auf 1:2 zu verkürzen. Aber danach war der kurze Höhenflug der Eintracht schnell beendet und Dortmund dominierte wieder. Der BVB hat jetzt den zweiten Tabellenplatz vor Leverkusen verteidigt - und das ist ja im Moment das Ziel in der Bundesliga.

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