12. Januar 2010, 15:47 Uhr

Südafrikas WM-Planer sauer auf DFL-Chef

Der Terroranschlag beim Afrika Cup in Angola hat weltweit eine Sicherheitsdebatte für die WM in Südafrika entfacht. Zum Leidwesen der Gastgeber. Deren Zorn entlädt sich vor allem auf den deutschen Ligapräsidenten Reinhard Rauball.

Togo, Angola, Ghana, Afrika-Cup, Fußball

Die WM in Südafrika wird "effizient, professionell und sicher" über die Bühne gehen, versichert Cheforganisator Danny Jordaan©

Die Südafrikaner sind zornig. Den Versuch, einen Zusammenhang zwischen dem Terroranschlag in Angola und der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika herzustellen, wiesen die WM-Organisatoren am Dienstag erneut zurück. Mit scharfen Worten kritisierte Chefplaner Danny Jordaan in Johannesburg insbesondere den deutschen Ligapräsidenten Reinhard Rauball und nannte dessen skeptische Äußerungen vom Vortag "unlogisch und uninformiert".

Rauball hatte nach dem Anschlag auf die Nationalmannschaft Togos beim Afrika-Cup besorgt über die Sicherheitslage für die Fußball-WM geäußert und Konsequenzen gefordert. "Wir können es nicht bei dem Satz bewenden lassen: Südafrika ist etwas anderes als Angola", so der 63-Jährige. "Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir Sicherheitsfragen in den Griff bekommen."

"Rauball misst mit zweierlei Maß"

"Ich bin überrascht von seinen Kommentaren", sagte Jordaan, "er hätte mich anrufen können, um die Fakten zu bekommen." Rauball messe mit "zweierlei Maß", wenn er Angola mit Südafrika vergleiche. "Als im Kosovo Bomben fielen, hat niemand Deutschlands Fähigkeit, die WM auszurichten, infrage gestellt", sagte Jordaan.

Südafrika müsse an seiner eigenen Geschichte gemessen werden, forderte Jordaan. Seit 1994 habe es hier mehr als 100 Sport-Großveranstaltungen ohne jede Gewalt oder andere ernste Zwischenfälle gegeben. Das Weltturnier vom 11. Juni bis 11. Juli in Südafrika werde "effizient, professionell und sicher" über die Bühne laufen, versicherte der Cheforganisator. Angebliche Terrorismusgefahren in Südafrika seien Ausdruck wilder Fantasie und hätten nichts mit der Realität zu tun.

190.000 Polizisten sollen für Sicherheit sorgen

"Wir sind mehr als bereit in Südafrika und wir vertrauen unseren Sicherheitskräften", sagte auch der Sprecher der Regierungspartei ANC, Jackson Mthembu. Während der WM sollen mehr als 190.000 Polizisten für die Sicherheit sorgen, zudem wurden neue Überwachungssysteme sowie Hubschrauber angeschafft.

Südafrikas Medien kritisierten einhellig Angolas Führung, das die unruhige Exklave als Austragungsstätte von Spielen des Afrika Cups gewählt und dann für zu wenig Sicherheit gesorgt hätte. Als "unverantwortlich" bezeichnete es der Politologe Johan Burger vom Institut für Sicherheitsstudien (Pretoria), dass der Mannschaftsbus Togos bei der Einreise in Angola nicht ausreichend von Sicherheitskräften geschützt worden sei. Das gehöre bei solchen sportlichen Großveranstaltungen zu den Routineplänen der Polizei in aller Welt, selbst in sehr viel friedlicheren Regionen als Cabinda. "Die Menschen müssen begreifen, dass die Lage in Südafrika völlig anders ist als in Angola", betonte Burger.

DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Mercedesfan (13.01.2010, 11:42 Uhr)
Jordaan hat recht
Ich habe das Gefühl, dass diejenigen, die jetzt in den Internetforen gegen Südafrika poltern wahrscheinlich nicht besonders weit in der Welt herumgekommen sind, geschweige denn jemals einen Fuß auf den Kontinent und insbesondere Südafrika gesetzt haben. Dazu kommt für meinen Geschmack ein leicht rassistischer Unterton. Merke: Je weniger informiert und erfahren die Kritiker Südafrikas sind, desto plakativer und stammtischmäßiger fällt das Urteil aus. Keine Ahnung und davon jede Menge.
Ach ja, ich lebe seit Jahren in Südafrika und war über Jahrzehnte hinweg dienstlich in der Mehrzahl der afrikanischen Staaten unterwegs.
Also ein bißchen mehr Fairness und vor allem fundiertes Wissen würden helfen, die Diskussion um die Sicherheitslage in vielen afrikanischen Staaten zu versachlich und zu differenzieren
watisiti (13.01.2010, 11:32 Uhr)
Anders
Suedafrika ist durchaus etwas anderes als Angola. Das merkt man aber nur, wenn man dort wohnt und nicht nur Geschichten ueber die Gangkultur in Johannesburg hoert. Vergitterte Haeuser und Flammenwerfer unter dem Auto gibt es durchaus, aber auch wunderschoene offene Farmen und tolle Restaurants und viele Menschen die jahrelang dort wohnen und nie Probleme hatten. Man muss aber wie ueberall den gesunden Menschenverstand einschalten wenn man unterwegs ist. Ziemlich nervig, dass SA immer nur auf Gewalt reduziert wird und die tausend guten Seiten nie zur Sprache kommen.
atticus (12.01.2010, 16:49 Uhr)
Ja genau...
Die Sicherheitslage in SA ist suuuuper. Deshalb bauen die Leute sich auch Flammenwerfer unter die Autos und Einkaufszentren werden mit Maschinenpistolen bewacht genauso wie die Communities der Reichen. Alles TipTop da... Aber wir werden es in 6 Monaten sehen, spätestens wenn der erste Fan wegen zehn Dollar abgestochen wird.
MEHR ZUM ARTIKEL
Anschlag in Angola Keine Angst vor Südafrika

Angola und Südafrika trennen mehr als 2500 Kilometer. Nach dem Anschlag auf die togoische Nationalmannschaft nun die Sicherheitsfrage im WM-Land zu stellen, macht die Südafrikaner zu Recht wütend.

Terror beim Afrika-Cup Zwanziger sorgt sich um Sicherheit bei WM

DFB und DFL haben sich schockiert über den Terroranschlag auf die Nationalmannschaft von Togo beim Afrika-Cup gezeigt. Mit Blick auf die WM in Südafrika forderten die Fußball-Chefs Zwanziger und Rauball Konsequenzen, um die Sicherheit zu garantieren.

Afrika-Cup Togo trauert, Südafrika teilt aus

Kein halbes Jahr vor Beginn der Fußball-WM hat der Terroranschlag auf Togos Nationalmannschaft Afrikas Fußball bis ins Mark getroffen. Während in Togo Staatstrauer herrscht, ist die Diskussion um die Sicherheit neu entflammt. Die Südafrikaner halten die Aufregung für übertrieben.

WM in Südafrika DFB-Spieler fürchten um ihre Familien

Ist die WM in Südafrika wirklich sicher? Nach dem tödlichen Anschlag auf die Busse der Fußball-Nationalmannschaft von Togo kommen auch einigen Spielern des deutschen Teams Zweifel. Nicht nur Nationaltorwart René Adler bangt um die Sicherheit seiner Angehörigen.

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?