6. August 2012, 14:55 Uhr

Judoka bringt "Fan" zur Strecke

Sprint-Olympiasieger Usain Bolt ist kurz vor dem Start zum olympischen 100-Meter-Finale mit einer Flasche beworfen worden. Der Täter wurde festgenommen - dank einer Judo-Kämpferin.

Olympia, Olympia 2012, London, 100 Meter, Sprint, Usain Bolt, Flasche, Werfer, Judoka

100-Meter-Finale, das Stadion ist mucksmäuschenstill, die Starter warten auf das Kommando: In diesem Augenblick landet auf der Tartanbahn zwischen Blake (2.v.l.) und Gatlin (2.v.r.) ein Flasche.©

So etwas nennt man "ausgleichende Gerechtigkeit", meint jedenfalls Olympia-Cheforganisator Sebastian Coe: Ein Zuschauer hat Sekunden vor dem Start des 100-Meter-Finale am Sonntagabend eine Plastikflasche in die Arena geworfen. Dass eine Judoka hinter ihm saß, damit rechnete er wohl nicht. Die 32 Jahre alte Niederländerin Edith Bosch schlug ihm nach eigenen Angaben kräftig auf den Rücken, bevor er von Sicherheitsleuten hinausgebracht wurde. Am Montag wurde der 34 Jahre alte Mann aus Leeds angeklagt, noch am Nachmittag sollte er vor Gericht erscheinen, erklärte Scotland Yard.

Wurf blieb ohne Folge

"Ich bin nicht für Selbstjustiz, aber das war ehrlich gesagt ausgleichende Gerechtigkeit, ausgerechnet bei einer Judoka zu sitzen", sagte Coe. Mit Blick auf solche Störungen verfolge man eine "Nulltoleranz-Politik". "Eine Flasche auf das Spielfeld zu werfen ist nicht nur bei den Olympischen Spielen nicht akzeptabel, das gilt auch für jeden anderen Sportwettkampf."

Die Plastikflasche war am Sonntagabend nur wenige Meter hinter den Startblöcken gelandet, in denen die Läufer um Superstar Usain Bolt bereits warteten. Der mutmaßliche Werfer habe auch Beleidigungen gerufen, erklärte ein Polizeisprecher. Es sei niemand verletzt und das Rennen nicht gestört worden.

Schlag auf den Rücken

Bosch, Judo-Medaillengewinnerin bei Olympia in Athen und Peking, erklärte dem niederländischen Fernsehsender NOS, sie habe hinter dem Flaschenwerfer gesessen und sei so wütend gewesen, dass sie den Mann mit der flachen Hand auf den Rücken geschlagen habe. "Wegen ihm habe ich das Finale verpasst, darüber bin ich sehr traurig."

Beim beim Internetdienst Twitter schrieb sie: "Ein betrunkener Zuschauer hat eine Flasche auf die Strecke geworfen. Ich habe ihn geschlagen... unglaublich." Medien berichteten am Montag, der Mann sei Vater von zwei Kindern und Mitglied seines örtlichen Fußballvereins.

Bolt bekommt nichts mit

Die Athleten selbst ließen sich von dem Zwischenfall nicht stören. "Ich habe nur davon gehört, gesehen habe ich es nicht", sagte Goldmedaillen-Gewinner Bolt. "Ich bin gegen Gewalt, insofern tut mir die Sache Leid." US-Sprinter Justin Gatlin erklärte: "Es war ein bisschen Ablenkung und ich wusste nicht, was da los war. Aber wenn man in diesen Blocks steht und das ganze Stadion ist still, würde man auch eine Nadel hinfallen hören."

swd/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Olympia 2012: 100-Meter-Lauf der Herren Witz-Bolt sprintet zu Gold

Usain Bolt ist und bleibt der schnellste Mann der Welt. Im 100-Meter-Sprint hängte er die versammelte Weltspitze ab. Vor und nach dem Rennen spielte er mit Witz und Charme den Showman.

 
Olympia 2012 im Liveticker

Alle Events, alle Sieger - verfolgen Sie die Olympischen Sommerspiele in London im Liveticker von stern.de mehr...

 
 
 
Busemann's Corner

Der ehemalige Zehnkampf-Silbermedaillengewinner Frank Busemann kommentiert die Olympischen Spiele in London exklusiv für stern.de. mehr...

 
 
 
Wissenstest Sind Sie fit für Olympia?

Wer ist der erfolgreichste Olympionike der Geschichte und welcher Weltfußballer wurde auch Olympiasieger? Testen Sie Ihr Wissen! mehr...

 
 
 
Olympia-Grafik Alle deutschen Sommer-Helden

Willi Holdorf, Michael Groß oder Birgit Fischer: stern.de zeigt die deutschen Olympia-Legenden im grafischen Zeitstrahl. mehr...