Der Tiger nimmt die Jagd auf

29. Januar 2013, 12:04 Uhr

Golf-Profi Tiger Woods gelingt der 75. Turniersieg auf der amerikanischen PGA-Tour. Nun will der einstige Überflieger zurück an die Spitze, vorbei an Rory McIlroy, dem neuen Star der Branche. Von Maximilian Koch

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Bereit für ein großes Jahr: Golf-Star Tiger Woods©

Der amerikanische Golf-Profi Nick Watney sprach aus, was wohl die meisten dachten: "Ich weiß nicht, ob ihn diese Woche überhaupt jemand geschlagen hätte", sagte Watney und es war deutlich zu spüren, dass ihn der Auftritt seines Konkurrenten mächtig beeindruckt hatte. "Wenn er so spielt wie heute, musst du dein bestes Golf zeigen, um überhaupt eine Chance zu haben. Aber leider habe ich das nicht geschafft." Dass Watney am Ende den vierten Platz belegte beim Turnier in La Jolla (Kalifornien), war nur eine Randnotiz. Der Mann, über den Watney sprach, war das eigentliche Thema: Watney sprach über Tiger Woods. Der inzwischen 37 Jahre alte Superstar, einst der Überflieger einer ganzen Sportart, gewann am Montag sein 75. Turnier auf der amerikanischen PGA-Tour, nur noch sieben Titel fehlen ihm, um den Rekord von Sam Snead einzustellen.

Doch es waren nicht irgendwelche Zahlen, die Tiger Woods nach seinem Erfolg interessierten. Nicht die vier Schläge Vorsprung, die er mit ins Klubhaus brachte. Nicht der Blick in die Statistik, die für Woods zugegeben sehr verheißungsvoll klingt: Immer dann, wenn er zum Jahresauftakt auf der PGA-Tour gewann, folgten in den weiteren zwölf Monaten mindestens sechs Siege. Nein, es war seine Spielweise, die ihn interessierte. Weil sie an die Dominanz alter Tage erinnerte. "Ich habe großartig gespielt", stellte Woods fest – und mit dieser Einschätzung stand er nicht alleine da. Nach Jahren des Misserfolgs – sportlich, aber vor allem privat – ist Woods zurück. Schon in der vergangenen Saison gelangen ihm drei Turniersiege, in diesem Jahr soll diese Entwicklung weitergehen. Für einen wie Woods, der alles gewonnen hat, der mehr als eine Milliarde Dollar verdient hat, kann es dabei nur ein Ziel geben: wieder die Nummer eins werden.

McIlroy ist an Woods vorbeigezogen - nicht nur sportlich

Diesen Status hat der 14-malige Major-Sieger, der aktuell Platz zwei in der Weltrangliste einnimmt, verloren. In einer Phase, als die Konzentration Woods‘ eher seinen Scheidungsanwälten galt und weniger dem kleinen weißen Ball, durften sich andere Spieler an der Spitze des Golfsports ausprobieren, auch der Deutsche Martin Kaymer gehörte zu dieser Gruppe. Doch keiner füllte die Position mit der Ausstrahlung und Überlegenheit eines Tiger Woods aus, der die Weltrangliste zuvor insgesamt 623 Wochen dominiert hatte. Und keiner von ihnen hielt sich lange auf Platz eins – mit einer Ausnahme: Der Nordire Rory McIlroy, erst 23 Jahre alt, führt das Ranking inzwischen seit 25 Wochen an und in der Branche besteht kein Zweifel darüber, dass McIlroy am ehesten dazu befähigt ist, in die Fußstapfen von Woods zu treten.

Zwei Major-Siege hat McIlroy bereits erreicht, in der vergangenen Saison war er sowohl in Europa als auch in Amerika der überragende Akteur. Sein Spiel offenbart fast keine Schwächen, kaum ein anderer auf der Tour schlägt die Bälle so nah an die Fahne wie McIlroy. Das Potenzial des jungen Mannes, der mit der dänischen Tennisspielerin Caroline Wozniacki liiert ist, haben längst auch große Sponsoren erkannt. Der Sportartikelhersteller Nike stattete McIlroy erst kürzlich mit einem Zehn-Jahres-Vertrag aus, der ihm angeblich 250 Millionen Dollar einbringen soll. McIlroy ist damit das neue Aushängeschild von Nike – das alte hieß Tiger Woods.

Woods: "Du musst konstant Turniere gewinnen"

Dass Woods die Rolle als Nummer zwei nicht behagt, ist kein Geheimnis und auch keine Überraschung. Für ihn zählen nur noch Siege bei den großen Turnieren, bei den "Majors". Der Auftritt vom vergangenen Wochenende gibt ihm jedenfalls Hoffnung, dass es "sein" Jahr werden könnte. "Fühlt es sich gut an?", fragte er sich auf der Pressekonferenz, um dann selbst die Antwort zu geben: "Das tut es. Und gibt es mir Zuversicht? Absolut. Ich freue mich auf dieses Jahr."

Sein größter Konkurrent auf dem Weg zu neuen Rekorden wird McIlroy sein. Doch der Nordire, der bei Fans wegen seines freundlichen und bescheidenen Auftretens so beliebt ist, hat im Moment ganz andere Sorgen: die neuen Nike-Schläger. Beim Saisonauftakt in Abu Dhabi vor einer Woche schied er nach zwei Runden aus, Spieler und Material müssen sich offensichtlich noch aneinander gewöhnen. Dafür hat sich McIlroy eine vierwöchige Trainingspause genommen. Woods, der zu McIlroy trotz aller Rivalität ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, wird diese Nachricht nur weiter anstacheln. Der Tiger ist wieder da, und er ist bereit zum Angriff: "Du musst konstant Turniere gewinnen", sagt er, "nur so kommst du an die Spitze." Der Anfang ist gemacht.

 
 
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