Für wen sich Riestern lohnt

Schlechte Noten hat die Riester-Rente zuletzt oft bekommen. Doch wegen der staatlichen Förderung kann sich Riestern durchaus lohnen. Für wen es sinnvoll ist. Von Peter Neitzsch

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Aller Kritik zum Trotz: Riester-Sparen kann sich wegen der Zulage durchaus lohnen©

Zu geringe Rendite, zu hohe und intransparente Kosten, unflexible Konditionen. So oder so ähnlich lautet unisono das Urteil, das Finanzexperten und Verbraucherschützer über die Riester-Rente fällen. "Riester-Sparer werden in vielen Fällen nur so viel Rendite erzielen, als hätten sie ihr Kapital im Sparstrumpf gesammelt", sagt Kornelia Hagen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Die Riester-Rente ist ein gutes Geschäft - aber nur für die Anbieter, nicht für die Verbraucher", schreibt die Zeitschrift "Ökotest".

Nur die Versicherungswirtschaft wirbt unverdrossen für ihren Goldesel: Für die allermeisten Bürger würde sich "keine Vorsorge so gut rechnen wie die Riester-Rente". Der Verzicht auf Riester würde einen Verzicht auf eine attraktive staatliche Förderung und auf ein zusätzliches Alterseinkommen bedeuten.

Wer hat nun recht? Lohnt sich Riestern oder nicht? Die Stiftung Warentest hat in der Zeitschrift "test" genauer hingeschaut. Sie kommt zu dem Schluss: "Für Menschen, die im Alter so wenig Geld haben, dass sie auf staatliche Sozialleistungen angewiesen sind, bringt ein Riester-Investment bisher gar nichts." Der Grund: Die Riester-Rente wird als Einkommen mit den Sozialleistungen verrechnet. Allerdings gibt es in der Politik derzeit Überlegungen, das zu ändern.

Riester lohnt sich bei mittlerem Einkommen

Anders sieht es jedoch bei Personen mit mittlerem Einkommen aus, sie können laut Stiftung Warentest "bereits während der Ansparphase viele tausend Euro sparen". Zwar würden die Riester-Auszahlungen im Rentenalter besteuert, doch sei dies auch bei konventionellen Vorsorgeprodukten wie Lebensversicherungen der Fall. Ein Single mit einem Jahreseinkommen von 52.500 Euro könne 2012 Steuern im Wert von 640 Euro sparen, bei einem Ehepaar mit zwei Einkommen wären es entsprechend 1280 Euro. Verteilt über ein Arbeitsleben kommt so ein ordentlicher Steuervorteil zusammen.

Die staatliche Förderung und die zusätzlich gewährten Steuervorteile sind der Grund, warum sich Riestern durchaus lohnen kann. Zwar ist die Rendite, die von den Versicherern für das Gesamtpaket aus privaten Einlagen und staatlichen Zulagen erzielt wird, meist sehr gering. Verbraucherschützer haben das in der Vergangenheit mehrfach angeprangert. Rechnet man die staatlichen Zulagen zur Rendite dazu, wie es die Versicherungswirtschaft tut, kann sich die Investition für den einzelnen Riestersparer aber rechnen.

Familien profitieren zusätzlich von der Kinderzulage

Die staatliche Zulage zur Riester-Rente beträgt mindestens 154 Euro, wenn wenigstens vier Prozent des jährlichen Einkommens zurückgelegt werden. Die Förderobergrenze liegt bei 2100 Euro im Jahr. Hinzu kommt eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind. Für Familien ist die staatlich geförderte Altersvorsorge also besonders rentabel.

Allerdings bekommt die Zulage nur, wer sie auch beantragt hat. Am besten man stellt gleich beim Abschluss des Riester-Vertrags einen Dauerzulagenantrag. Dabei beauftragt man den Versicherer, jährlich den Zulagenantrag bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen zu stellen. Das Verfahren läuft dann automatisch.

Auch wer vor dem Ende der Laufzeit aus seinem Vertrag aussteigt, verliert die staatliche Förderung. Besser als eine Kündigung sei es daher, den Riester-Vertrag beitragsfrei zu stellen, empfiehlt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Eine Frage der Alternativen

Ob sich Riester rechnet oder nicht, hängt vor allem von den Alternativen ab. Sparer sollten sich daher fragen: Rechtfertigen die Konditionen konventioneller Bausparverträge tatsächlich den Verzicht auf die staatliche Förderung beim Wohnriester? Wiegt die höhere Rendite, die mit anderen Geldanlagen erzielt werden kann, den Verlust von Steuervorteilen auf? Wenn Sie diese Fragen nicht selbst beantworten können, nehmen Sie die Unterlagen im Zweifel mit zu einer Verbraucherzentrale und lassen Sie sich dort beraten.

Die individuelle Altersvorsorge sollte vor allem auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sein. Im Zweifel hilft nur ein Wechsel des Produkts. "Auch der Wechsel von einer Riester-Versicherung zu einem geförderten Bank- oder Fondssparplan ist möglich", sagt Verbraucherschützer Scherfling. In diesem Fall blieben alle staatlichen Zulagen erhalten, die der Sparer bisher bekommen hat. Die verschiedenen Riesterprodukte können sie bei "test" vergleichen.

Mehr zum Thema Riester-Rente und zu Alternativen im stern.de-Ratgeber Altersvorsorge.

Von Peter Neitzsch
 
 
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