Studienkosten von der Steuer absetzbar

17. August 2011, 13:11 Uhr

Ausgaben für ein Erststudium oder eine Erstausbildung können bei der Steuer absetzbar sein. Das hat jetzt der Bundesfinanzhof entschieden. Wir erklären, was Studenten jetzt tun müssen. Von Tanja Vedder

Steuern, Studenten, Auszubildende, Verlustvortrag, Werbungskosten, Finanzamt, BFH

Kosten für ein Studium sind jetzt leichter absetzbar©

Der Bundesfinanzhof hat sein Urteil gefällt: Nach Ansicht der Richter dürfen Kosten, die für ein direkt nach dem Schulabschluss begonnenes Erststudium oder eine Erstausbildung anfallen, steuerlich abgesetzt werden. (Az: VI R 38/10 und VI R 7/10).

Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht für Studenten und Auszubildende. Denn bislang durften sie in ihrer Steuererklärung lediglich bis zu 4.000 Euro als Sonderausgaben geltend machen. Da viele der Betroffenen aber über kein oder nur über geringes Einkommen aus eigener Arbeit verfügen, hatte diese Regelung bislang nur wenig finanzielle Auswirkungen. Ganz anders, wenn sich tatsächlich durchsetzen sollte, was der BFH entschieden hat. Denn dann dürfen Studenten und Auszubildende ihre Ausgaben als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen. Der so entstehende Verlustvortrag würde mit dem ersten richtigen Einkommen als Berufstätiger später gegengerechnet.

Ein Beispiel: Ein Student kommt in Laufe seiner Uni-Ausbildung auf Kosten von 30.000 Euro. Die macht er steuerlich als Verlustvortrag geltend. In seinem ersten Berufsjahr bekommt er ein Bruttogehalt von 40.000 Euro. Dagegen kann er die Kosten aus seinem Studium setzen – und muss folglich nur noch 10.000 Euro versteuern. Liegt das Gehalt sogar niedriger, würde der Verlustvortrag auch in den Folgejahre noch angerechnet.

Weitere Klage anhängig

Bislang akzeptierten die Finanzämter lediglich die Kosten eines Zweitstudiums oder einer beruflichen Zusatzqualifikation als steuermindernd. Kosten für ein Erststudium oder eine Erstausbildung durften seit 2004 nicht mehr beim Finanzamt geltend gemacht werden. Darauf beriefen sich auch die Behörden, als sie den Klägern – ein Pilot und eine Medizinerin - die Absetzung ihrer Kosten verweigerten. Der BFH gab den beiden aber nun Recht und hob die Urteile der Vorinstanzen auf. Seiner Ansicht nach kann aus den derzeitigen Regelungen des Einkommenssteuergesetzes überhaupt kein generelles Abzugsverbot solcher Ausbildungskosten abgeleitet werden. Derzeit ist vor dem BFH noch eine ähnliche Klage einer BWL-Studentin anhängig, den der Steuerzahlerbund als Musterprozess führt. "Das Urteil gibt uns natürlich Schub", sagte Isabel Klocke vom der Steuerzahler im Gespräch mit stern.de. "Wir gehen davon aus, dass der BFH ähnlich entscheiden wird."

Haken und Ösen

Gleichwohl, es gibt in dieser Sache noch einige Wenns und Abers. Denn die Bundesrichter in München stellen sich mit ihrem Urteil klar gegen die Argumentation des Gesetzgebers. "Und bislang ist noch noch nicht klar, wie die Finanzverwaltung auf dieses Urteil reagiert, gibt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler in Berlin im Gespräch mit stern.de zu bedenken. Denn ein BFH-Urteil galt aus Sicht der Finanzverwaltung in der Vergangenheit immer nur für die betroffenen Parteien. Möglich ist auch, dass der Gesetzgeber das Gesetz umkrempeln könnte, wie er es schon einmal gemacht hat, um die Abzugsfähigkeit des Erststudiums zu verhindern.

Unklar ist auch, welche Kosten abgesetzt werden können. Defintiv berücksichtig würden Studiengebühren, aber auch für bestimmte Fachrichtungen anfallende Arbeitsmaterialien können angegeben werden – beispielsweise der Kittel für den Chemiker. Strittig ist dagegen noch, ob auch Mietkosten angerechnet werden.

Was aber können Studenten nun tun?

1. Belege sammeln: Also Studienbescheinigung mit Semestergebührenbeleg aufheben, aber auch Buchquittungen, Mietvertrag, Monatstickets für Bus und Bahn und alles andere, was als Kostennachweis vor dem Fiskus taugen könnte.

2. Steuererklärung einreichen: Der Verlustvortrag kann rückwirkend für maximal vier Jahre geltend gemacht werden. Das heißt, wer jetzt seine Steuererklärung einreicht, kann noch Kosten aus 2007 geltend machen – vorausgesetzt natürlich, die entsprechenden Belege sind noch vorhanden.

3. An der richtigen Stelle des Kreuzchen machen: Wichtig ist, dass deutlich gemacht wird, dass die Werbungskosten als Verlustvortrag geltend gemacht werden. Daher unbedingt das Kästchen Verlustvortrag ankreuzen

Was ist mit den Eltern?

Bleibt noch die Frage: Dürfen auch Eltern nun die Kosten für das Studium ihrer Kinder steuerlich geltend machen?

Nein, zwar finanzieren die meisten Väter und Mütter das Studium ihrer Kinder, doch als Verlustvortrag dürfen nur Studenten selbst die Kosten absetzen. Der Gesetzgeber hat dafür Kindergeld und Kinderfreibetrag vorgesehen und sieht damit die Aufwendungen der Eltern schon eingepreist. Neuerdings können Eltern aber immerhin die Krankenkassebeiträge ihrer Kinder steuermindernd veranlagen – sofern sie sie nachweislich auch selbst zahlen.

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