Massenarbeitslosigkeit hat Europa fest im Griff

22. Februar 2013, 12:35 Uhr

In Griechenland und Spanien sind fast ein Drittel der Menschen ohne Arbeit. Das ist nicht die einzige schlechte Nachricht aus der Konjunkturprognose der EU-Kommission. Deutschland geht es besser.

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Arbeitslose vor einem Arbeitsamt in Madrid. Die Erwerbslosigkeit in de, Land entwickelt sich zur Dauerkrise.©

Noch kommt die Konjunktur nicht richtig in Schwung auf unserem Kontinent. Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone steigt in diesem Jahr nach einer Prognose der EU-Kommission auf mehr als zwölf Prozent und somit auf ein Rekordhoch. Die Quote werde im laufenden Jahr bei durchschnittlich 12,2 Prozent liegen, berechnete die Kommission im Rahmen ihrer am Freitag in Brüssel veröffentlichten Wirtschaftsprognose. Für das Jahr 2014 erwartet Brüssel eine Arbeitslosenquote von 12,1 Prozent in den 17 Euro-Ländern.

In ihrem im Herbst veröffentlichten Wirtschaftsausblick waren die EU-Experten noch davon ausgegangen, dass die Quote der Arbeitslosen in diesem und dem kommenden Jahr in der Eurozone knapp unter der Zwölf-Prozent-Marke bleibt. Schlechter fallen auch die Erwartungen für die Krisenländer der Eurozone wie Griechenland und Spanien aus. Für Griechenland wird ein Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 27,0 Prozent in diesem Jahr erwartet, bevor die Quote im Jahr 2014 auf 25,7 Prozent sinken soll. In Spanien ist demnach mit einem Anstieg der Quote auf 26,9 Prozent im laufenden Jahr zu rechnen; im Folgejahr soll sie leicht auf 26,6 Prozent heruntergehen.

Deutschland gehört den Berechnungen aus Brüssel zufolge mit einer Quote von 5,7 beziehungsweise 5,6 Prozent zu der Ländergruppe mit der durchschnittlich niedrigsten Arbeitslosigkeit.

Frankreich und Spanien werden in dieser Prognose zudem höhere Staatsdefizite vorausgesagt. Frankreich werde weder in diesem noch im kommenden Jahr die EU-Obergrenze einhalten, sondern ein Defizit von 3,7 im laufenden Jahr beziehungsweise von 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2014 verzeichnen. Für Spanien erwartet die EU-Kommission ein Defizit von 6,7 Prozent in diesem und von 7,2 Prozent im kommenden Jahr. Auch diese Daten sind schlechter als die EU-Kommission in ihrer jüngsten Prognose vom Herbst erwartet hatte.

Die französische Regierung hatte jüngst bereits eingestanden, dass sie ihr Ziel nicht erreichen wird, die EU-Defizitgrenze von 3,0 Prozent in diesem Jahr wieder einzuhalten.

Für das Krisenland Spanien enthalten die Zahlen aus Brüssel ebenfalls eine weitere schlechte Nachricht: Die EU-Kommission erwartet, dass sich Spaniens Defizit im vergangenen Jahr auf 10,2 Prozent beläuft. Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy hatte am Mittwoch in einer Rede zur Lage der Nation im Parlament in Madrid noch gesagt, die Staatsverschuldung des Landes sei im vergangenen Jahr auf "weniger als sieben Prozent" im vergangenen Jahr zurückgegangen. Diese These ist zumindest verglichen mit den Brüsseler Daten nicht haltbar.

Vor allem die Wirtschaft Südeuropas wird noch immer von den Folgen der Finanzkrise gebremst. Dort mussten einige große Banken mit Steuermilliarden gestützt werden. Die Staaten sparen gegen die Misere an, viele Menschen verloren ihre Jobs und haben wenig Geld für den Konsum – was die Lage der heimischen Industrie weiter verschlimmert.

Deutschland kann sich von der Krise zu einem großen Teil abkoppeln. In der hiesigen Wirtschaft wächst daher auch wieder der Optimismus. Das zeigt der Ifo-Geschäftsklimaindex, der im Februar zum vierten Mal in Folge stieg. Demnach erreichte der Index ein kräftiges Plus von 3,1 Punkten gegenüber dem Januar und liegt nun bei 107,4 Punkten. Solch einen starken Anstieg binnen eines Monats gab es zuletzt im Juli 2010. "Die deutsche Wirtschaft nimmt Fahrt auf", kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die befragten 7000 Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage spürbar besser - und die Aussichten für das kommende halbe Jahr.

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