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dm-Gründer: Darum brauchen wir das bedingungslose Grundeinkommen

Götz Werner, Gründer der Drogeriekette dm, setzt sich seit Jahren für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. In einem Interview spricht er von einer notwendigen Wende - für die die Zeit gekommen sei.

Grundeinkommen: dm-Gründer Götz Werner ist Unterstützer

Grundeinkommen: dm-Gründer Götz Werner ist Unterstützer des Projekts.

Das bedingungslose Grundeinkommen spaltet: Die einen halten den fixen Betrag für jeden Einwohner für eine unfinanzierbare Utopie, die Wachstum ausbremst und Faulheit belohnt. Andere sagen, dass man Arbeit und Einkommen entkoppeln sollte - und dass diese Entwicklung auch der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft dient. Zu diesen Menschen zählt auch Götz Werner. Der Gründer der Drogeriekette dm setzt sich seit Jahren für ein Grundeinkommen in Deutschland ein. "Das manische Schauen auf Arbeit macht uns alle krank", sagte er schon 2006 dem stern.

Schweiz lehnt Grundeinkommen ab

Zehn Jahre später, nämlich Anfang Juni 2016, entschieden die Schweiz per Abstimmung über die Einführung eines Grundeinkommens und lehnten das Konstrukt ab. Für Werner ist die Volksabstimmung dennoch ein Erfolg, schließlich hätten immerhin 22 Prozent der für das Grundeinkommen gestimmt. "Die Sache ist ja nicht vom Tisch", sagt Götz Werner dem "Business Insider". "Die Schweizer haben drei Volksabstimmungen gebraucht, um das Wahlrecht für Frauen einzuführen. Ich hoffe, dass es beim Grundeinkommen nicht so lange dauert."

Grundeinkommen statt Sozialleistungen

Die Volksabstimmung in der Schweiz hat auch die Diskussion in Deutschland neu befeuert. Die Idee: Jeder Einwohner in Deutschland bekommt 1000 Euro im Monat, ohne dafür arbeiten zu müssen. Im Gegenzug sollen Hartz IV und weitere Sozialleistungen wegfallen oder angerechnet werden. Für Werner ein überfälliger Schritt, schon vor zehn Jahren. Menschen hätten Angst stigmatisiert zu werden. "Hartz IV ist offener Strafvollzug. Es ist die Beraubung von Freiheitsrechten", so Werner damals zum stern

"Sie können auch Bienenzüchter werden"

Das Grundeinkommen würde Kreativität und Wachstum freisetzen. "Sie könnten es sich leisten, einen Job, den sie gerne tun, auch für weniger Geld zu machen. Oder sie könnten es sich leisten, zu Hause bei ihrem Kind zu bleiben, sofern sie das möchten. Sie könnten es sich leisten, ihren pflegebedürftigen Partner zu versorgen. Sie könnten es sich leisten, endlich ihre Dissertation zu Ende zu bringen", sagt er im Gespräch mit dem "Business Insider"

"Sie könnten es sich aber auch leisten, Bienenzüchter zu werden, wenn sie ihren alten Job aus welchen Gründen auch immer nicht mehr machen wollen. Weil sie ein Grundeinkommen haben." Dass es genug Menschen geben würde, die allein mit 1000 Euro im Monat nicht glücklich werden könnten, sieht Werner nicht als Hinderungsgrund. "Das Grundeinkommen soll ja lediglich das in unserer Verfassung verbriefte menschenwürdige Leben garantieren. Darüber hinaus heißt es: Zeig, was du kannst", so Werner im Interview.

Grundeinkommen schafft Wertschätzung

Werners Argumente: Wer den Job ausübt, auf den er wirklich Lust hat, der arbeitet besser. Und es gehe um Wertschätzung von Berufen. "Die Krankenschwester wird in unserer Gesellschaft einfach zu wenig wertgeschätzt. Dasselbe gilt für die Kindergärtnerin. Wieso zahlen sie jemandem, der ihr Auto wartet, mehr, als jemandem, der ihr Kind betreut? Das ist doch völlig widersinnig. Wir müssen den Wert der Arbeit an der Maschine und der Arbeit am Menschen radikal neu denken", so Werner zum "Business Insider".

Geld und Güter

Schärfstes Argument der Kritiker ist die Finanzierbarkeit des Grundeinkommens. Doch Werner kontert im Interview, dass es in einer Volkswirtschaft nicht um Geld, sondern um Güter gehe. Und davon habe man mehr als man verbrauchen könne. "Der Kardinalfehler ist, dass man meint, Geld sei ein Wert an sich", so Werner. "Das ist es aber nicht, sondern nur eine Erfindung — wenn auch eine sehr kluge."

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