Foxconn verdoppelt die Löhne

7. Juni 2010, 12:58 Uhr

Wird das die Selbstmordserie stoppen? Nachdem der Elektronikgigant Foxconn die Löhne seiner Mitarbeiter letzte Woche um 30 Prozent erhöht hat, sollen die Gehälter nun sogar verdoppelt werden. Ein Experte prophezeit bereits: "Die Ära der billigen Arbeit in China ist vorbei."

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"Wir arbeiten unablässig daran, die Arbeitsbedingungen den Bedürfnissen unserer Angestellten anzupassen": Foxconn-Gründer Terry Gou©

Nach der Selbstmordserie unter seinen Beschäftigten will der weltweit größte Elektronikhersteller Foxconn die Löhne nun verdoppeln. Die Bezahlung in der chinesischen Sonderwirtschaftszone Shenzhen steige ab 1. Oktober auf 2000 Yuan (244 Euro), teilte die taiwanische Firma am Montag in Taipeh mit. Damit geht die Lohnerhöhung weit über die 30 Prozent hinaus, die vergangene Woche mit sofortiger Wirkung verkündet worden waren.

Die Maßnahme sei Teil eines Sozialpakets, erklärte ein Unternehmenssprecher. Dazu gehöre auch eine Senkung der Zahl der Überstunden, die für viele Beschäftigte bislang notwendig gewesen seien. Ab Oktober seien Überstunden für viele "eine freiwillige Entscheidung". Außerdem werde es künftig tägliche Gespräche mit den Arbeitern geben und eine Telefonhotline für Beschäftigte, die Hilfe suchten.

Hoher Druck, schlechte Bezahlung und Isolation

In Shenzhen arbeiten rund 300.000 Menschen für Foxconn. Neue Beschäftigte in dem Werk erhalten für eine dreimonatige Probezeit zunächst nur die Hälfte des jetzt angekündigten Lohnniveaus. Höhere Bezüge werden auch für andere Foxconn-Betriebe in China erwogen und sollen am 1. Juli verkündet werden. Die Entlohnung in den anderen Werken werde anhand der örtlichen Preise und Sicherheitsbestimmungen ermittelt, hieß es.

In Shenzhen haben sich seit Beginn des Jahres zehn Foxconn-Beschäftigte das Leben genommen und drei weitere einen Selbstmord versucht. Arbeitsrechtsorganisationen machten den hohen Druck bei gleichzeitig schlechter Bezahlung dafür verantwortlich. Hinzu kommt, dass die oft noch jungen Arbeiter weit weg von ihren Familien leben. Die westlichen Kunden von Foxconn, zu denen unter anderem Apple, Nokia, Hewlett-Packard, Dell, Nintendo und Motorola gehören, hatten angesichts der Selbstmordserie eigene Untersuchungen der Arbeitsbedingungen in Shenzhen angekündigt.

"Die Ära der billigen Arbeit in China ist vorbei"

Foxconn-Gründer Terry Gou erklärte nun am Montag, die Lohnerhöhung solle die "Würde" der Angestellten sicherstellen. Als weltweit führender Elektronikhersteller erkenne das Unternehmen seine Verantwortung an und nehme diese ernst. "Wir arbeiten unablässig daran, die Arbeitsbedingungen und Entlohnung nicht nur den sich ständig ändernden Bedürfnissen unserer Angestellten anzupassen, sondern auch, dabei die Besten zu sein."

Ein Börsenexperte in Taipeh erklärte, die Lohnerhöhung bei Foxconn werde andere Firmen, die von den billigen Arbeitskräften in China profitierten, unter Druck setzen. "Die Ära der billigen Arbeit in China ist vorbei", prophezeite der Analyst Mars Hsu von Grand Cathay Securities. An der Börse von Taiwan fiel der Kurs der Aktie des Foxconn-Mutterkonzerns Hon Hai.

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