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"Verkauft alles!" Die apokalyptische Prognose der Royal Bank of Scotland

Mit einem drastischen Ratschlag hat Andrew Roberts, Chef-Analyst für Europa bei der Royal Bank of Scotland, Anleger in Aufruhr versetzt. Nun diskutiert die Finanzwelt: Übertreibt der Mann, oder hat er recht?

  Kommt es 2016 zum großen Knall an den Märkten?

Kommt es 2016 zum großen Knall an den Märkten?

Mit nur zwei Worten hat sich Andrew Roberts zum Weltuntergangspropheten der Finanz-Szene aufgeschwungen. Sie lauten "Verkauft alles", wobei mit "alles" nicht die olle DVD-Sammlung gemeint ist, sondern das Wertpapierdepot der Anleger. Und da Roberts als Chefanalyst Europa bei der Royal Bank of Scotland (RBS) arbeitet, ist er ein Apokalyptiker mit Gewicht.

Das Zitat wurde durch einen Artikel des "Telegraph" öffentlich, der über einen Anleger-Brief der RBS berichtet, in dem Roberts' Analystenteam seine Kunden vor einem "katastrophalen Jahr" warnt. "Verkauft alles außer hochwertigen Anleihen", lautete der vollständige Satz darin. Es gehe jetzt nicht mehr darum, für das eingesetzte Kapital irgendeinen Ertrag zu erhalten, sondern alleine darum, das Geld zu retten ("This is about return of capital, not return on capital"). "In einer überfüllten Halle sind die Notausgänge klein", warnt die RBS. Mit anderen Worten: Rette sich, wer kann.

An der Wall Street, in London und in Frankfurt wird nun diskutiert, ob Roberts recht hat. Ob man tatsächlich (fast) alles verkaufen sollte, weil der Börsen-Boom vorbei ist und die Märkte in diesem Jahr umso heftiger abstürzen werden. Wie also kommt der Mann zu seiner apokalyptischen Prognose?

Chinas Schwäche und die verheerenden Folgen

Roberts und sein Team gehen davon aus, dass die Finanzmärkte sich in einem ähnlich gefährlichen Zustand befinden, wie vor der Lehman-Krise 2008. Doch diesmal sind es nicht die USA, die das System kollabieren lassen könnten, sondern China, der ins Stottern gekommene Motor der Weltwirtschaft. "China hat eine gewaltige Korrektur angestoßen, die sich zum Schneeball entwickeln wird", prophezeit Roberts.

Die Folgen sind der Prognose zufolge verheerend: Roberts und sein Team gehen davon aus, dass die Aktien in Europa und an der Wall Street um 10 bis 20 Prozent fallen werden. Für besonders verwundbar halten die RBS-Leute Energie- und Rohstofffirmen.

Der Ölpreis werde weiter abstürzen bis auf einen Tiefstand von 16 Dollar, ein Level, was zuletzt in der Asienkrise 1999 erreicht wurde. Weil sonst nichts mehr sicher ist, retten sich die Leute in zehnjährige Bundesanleihen aus Deutschland, die daraufhin auf ein Allzeittief fallen - und im Zuge einer sich verfestigenden Deflation vielleicht sogar auf Null Rendite. Die Negativzinsen, die Banken bereits jetzt schon zahlen müssen, verstärken sich laut dem Szenario weiter - von derzeit minus 0,3 Prozent auf minus 0,7 Prozent.

Auch andere sind pessimistisch

So schwarz wie das RBS-Team hat bisher niemand die Aussichten für dieses Jahr gemalt. Allerdings hatten zuletzt auch andere Experten einen pessimistischen Ausblick auf 2016 gegeben. So befürchten sowohl Analysten der US-Großbank Morgan Stanley als auch von Goldman Sachs einen Fall des Ölpreises auf 20 Dollar. Und die Citibank warnte bereits vor einigen Monaten, die schwächelnde chinesische Wirtschaft reiße die Weltwirtschaft in eine Rezession.

Das Gute an solchen Prognosen ist, dass sie nicht zwingend wahr werden. Der bekannte australische Ökonom Stephen Koukoulas hat Andrew "sell everything" Roberts bereits öffentlich eine Wette über 10.000 Dollar angeboten, dass er mit seiner Empfehlung, alles zu verkaufen, falsch liegt. Er wettet, dass die Mehrheit von elf genannten Kategorien - wie "US-Aktien", "Japan-Aktien", "US-Hauspreise" - am 31. Dezember 2016 besser dastehen wird, als zu Beginn dieses Jahres. 

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