Medizin im Winter

17. November 2003, 16:55 Uhr

Jetzt geht es wieder los: Kribbeln in der Nase, Kratzen im Hals, und manchen haut sogar die Grippe um. Hier finden Sie alles, was Sie wissen müssen, um die Erkältungszeit bestmöglich zu überstehen.

So ist es richtig: ein dicker Schal und heißer Tee©

1.Immunabwehr

Wie funktioniert unser Immunsystem?
Ohne Immunsystem wäre jeder harmlose Keim ein lebensbedrohlicher Feind des menschlichen Organismus. Bakterien, Viren oder Pilze würden sich über ihn hermachen, in sein Gewebe eindringen und sich dort vermehren. Dank eines komplizierten Abwehrsystems schafft es der gesunde Mensch, die meisten dieser potenziellen Krankmacher zu verprellen. Zunächst wehrt sich die unspezifische Immunabwehr: Leukozyten, im Knochenmark gebildete weiße Blutkörperchen, gehen als so genannte Fresszellen gegen die körperfremden Eindringlinge vor und zerstören sie. Sie regen zudem die Produktion weiterer Abwehrstoffe an - etwa des Enzyms Lysozym, des Proteins Interferon und des aus etwa 20 verschiedenen Plasmaproteinen bestehenden so genannten Komplementsystems.

Die spezifische Abwehr unterstützt die Kämpfer des unspezifischen Immunsystems: B-Lymphozyten produzieren so genannte Antikörper, die an die Erreger (Antigene) andocken und sie so für Fresszellen erkennbar machen. Die T-Lymphozyten setzen Botenstoffe frei, die die Fresszelle dazu anregen, das aufgenommene Material zu zerstören.

Wie wird die Funktion des Immunsystems gemessen?
Im Blut und im Liquor (Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit) lassen sich die einzelnen Faktoren des Immunsystems messen und der Immunstatus beurteilen. Bei den meisten Erkrankungen gibt die Leukozytenzahl zumindest einen Hinweis auf Art und Stadium der Infektion. Eine Leukozytenerhöhung, die so genannte Leukozytose, weist auf eine akute Entzündung hin. Ist die Zahl der weißen Blutkörperchen dagegen vermindert, spricht das meist für einen chronischen Entzündungsprozess oder eine gestörte Leukozytenproduktion im Knochenmark.

Was sind die häufigsten Gründe für eine Immunschwäche?
Wir arbeiten viel, schlafen zu wenig, essen ungesund, trinken zu viel Alkohol, nehmen Medikamente und übertreiben es beim Sport und Sonnenbaden. Alles stresst und schadet, vor allem miteinander kombiniert, nachhaltig unser Immunsystem.

Auch bei Alten, chronisch Kranken und Patienten mit Stoffwechselerkrankungen oder nach Operationen und Strahlentherapie funktioniert die Abwehr häufig nicht mehr richtig. So leiden nach Angaben des Deutschen Diabetes-Forschungsinstituts mindestens fünf Millionen Diabetiker in Deutschland unter Infektionen der Atemwege, der Haut und des Urogenitaltraktes. Bei Tumorpatienten, die Medikamente gegen die Teilung der Krebszellen (so genannte Zytostatika) nehmen oder die bestrahlt werden, sind teilweise auch gesunde körpereigene Zellen in Mitleidenschaft gezogen, die Immunabwehr ist infolgedessen geschwächt. Patienten, die langfristig Cortison einnehmen, sind ebenso anfälliger für Infektionen.

Wie funktioniert das Immungedächtnis?
Nicht immer gelingt es dem unspezifischen Immunsystem, fremde Viren gleich abzuwehren, sodass die Keime sich im Körper vermehren und ausbreiten können: Man fühlt sich schlapp und angeschlagen, der Hals kratzt, die Nase schwillt an. Erst viel später wird das spezifische Immunsystem aktiv, um die Erreger unschädlich zu machen - die Symptome bessern sich, und die Infektion heilt wieder ab. Greifen dieselben Viren den Organismus ein zweites Mal an, setzt die Antikörperproduktion schlagartig ein, die Viren werden sofort eliminiert, und der Betroffene erkrankt nicht noch einmal - er ist nun immun gegen das Virus. Dennoch kommt es immer wieder zu ähnlich verlaufenden Infekten, die durch bisher unbekannte oder durch Genmutation veränderte Viren verursacht werden. Diese wandeln sich dabei so in ihrer Struktur, dass die Antikörper sie nicht wiedererkennen und eine Infektion nicht sofort verhindern können.

Was passiert bei der Stärkung der Abwehrkraft im Körper?
Joggt etwa ein gesunder Mensch regelmäßig, führt das zu einer langsamen Zunahme der Leukozyten, die auch nach dem Training noch eine gewisse Zeit erhalten bleibt. Die vermehrten Leukozyten kurbeln die Ausschüttung von Histamin, Interleukinen und anderen Entzündungsmediatoren an. Dadurch werden die Gefäße durchlässiger, sodass Killerzellen leichter vom Blut ins Gewebe wandern können, um die Abwehr dort zu unterstützen. Zudem regt das Wachstum der unspezifischen Leukos die spezifische Abwehr an und umgekehrt. Am Ende entsteht eine durch vielerlei Faktoren gestärkte Immunantwort.

2. Erkältung

Was ist eine Erkältung und wie entsteht sie?
"Drei Tage kommt sie, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie." So wird im Volksmund der Verlauf der Erkältung beschrieben. Betroffen sind schätzungsweise drei bis fünf Millionen Bundesbürger jährlich, Erwachsene erkranken durchschnittlich zweimal, jedes Kind im Vorschulalter mindestens sechsmal jährlich an der häufigsten Krankheit überhaupt. Der Hals kratzt, man niest ständig, Husten, Schnupfen und Heiserkeit, die typischen Symptome, stören das Wohlbefinden.

Als Auslöser für grippale Infekte gelten etwa 100 verschiedene Erkältungskeime - hauptsächlich Rhino- und RS-Viren, aber auch Adeno- und andere Viren, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Sind Millionen von ihnen erst in den Nasen-Rachen-Raum vorgedrungen, besiedeln sie dort das Schleimhautepithel und bahnen sich den Weg in das darunter liegende Gewebe. Gerade die Schleimhautzellen in den Atemwegen sind solchen Virusangriffen besonders oft ausgesetzt, da sie nicht von einer schützenden Hautschicht bedeckt sind.

Hat der Körper den Störenfried registriert, versucht er sich mit Hilfe einer sofortigen "Entzündung" vor Ort zu wehren. Leukozyten werden dabei aktiviert und setzen weitere Stoffe im gesamten Organismus frei, um die Erreger zu zerstören und das Entzündungsgebiet einzugrenzen. In der Nasenschleimhaut sorgen so genannte Entzündungsmediatoren wie Histamin und Interleukin dafür, dass sich die Blutgefäße der Nasenschleimhaut erweitern - diese rötet sich und wird warm. Zudem werden die Gefäße durchlässiger, und mehr Sekret als sonst tritt aus. Das Gewebe schwillt an, "die Nase läuft". Im Kampf gegen die Eindringlinge gehen massenhaft Leukozyten zugrunde - Eiter kann entstehen.

Auch im Gehirn wirken Interleukine: Sie lösen Schlafreaktionen aus, die allgemeine Abgeschlagenheit und Müdigkeit mit sich bringen. Im Hypothalamus verstellen sie den Sollwert der Körpertemperatur nach oben, sodass Fieber einsetzt.

Warum gibt es im Winter mehr Erkältungen als zu anderen Jahreszeiten?
Die Erreger haben während der kalten Wintermonate ein besonders leichtes Spiel, die äußere Schleimhautbarriere des Nasen-Rachen-Raums zu durchdringen. Vor allem drei Mechanismen sind dafür verantwortlich:

» Während die Zellbotenstoffe bei Zimmertemperatur die angemessene Immunreaktion einstellen können, gerät ihr Zusammenspiel bei Minusgraden aus dem Gleichgewicht.

» Im Winter verhindern vollklimatisierte Räume und Heizungsluft die ausreichende Befeuchtung der Schleimhäute, sie werden anfälliger für Mikroorganismen.

» Die diffus im Organismus verteilten Abwehrzellen arbeiten besonders effektiv, wenn der Körper gut durchblutet ist. Hände und Füsse sind jedoch im Winter häufig nicht warm genug. Rainer Brenke, Leiter der Akut-Abteilung Naturheilverfahren an der Hufeland-Klinik Bad Ems, rät daher, vor allem für die Durchblutung der Hände zu sorgen. "Dann ist reflektorisch auch die Nasen-Rachen-Schleimhaut besser durchblutet."

Welche Rolle spielt die Psyche bei der Erkältung?
Durch Stress schüttet die Nebennierenrinde vermehrt Cortison aus. Dadurch werden verschiedene Zellbotenstoffe (Zytokine), die unter Normalbedingungen positiv auf das Immunsystem wirken, gehemmt, und die Zahl der Leukozyten und immunstabilisierenden Interleukine sinkt. Auch andere Botenstoffe, die Neuropeptide, drücken im Fall von Stress und Schmerz die Immunkraft. "Diese Transmitterstoffe, auch Substanz P genannt, verschieben nachweislich - ähnlich wie bei Kälte - das Gleichgewicht bestimmter Zytokine, sodass immunsuppressive Boten überwiegen und der Organismus Erkältungskeime nicht mehr abwehren kann", sagt die Psychoneuroimmunologin Petra Arck von der Charité Berlin.

Lässt sich der Körper durch Saunabesuche oder Wechselduschen abhärten?
Ja. Durch den Wechsel von heiß und kalt wird der Stoffwechsel angekurbelt, und der Körper produziert vermehrt keim-killende Leukozyten, Antikörper und Interferon. Die Durchblutung wird besser reguliert, auch im Nasen-Rachen-Raum. Abwehrzellen strömen leichter durchs Gewebe und zerstören Eindringlinge. Nach Erkenntnissen von Anett Reißhauer, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation an der Charité, lässt sich die verbesserte Durchblutung an Händen und Füßen durch regelmäßige Wechselbäder sogar trainieren: Die Gefäße reagieren schneller, Warm-kalt-Geübte haben seltener klamme Füsse und leiden nicht mehr so häufig an Erkältungen.

Gibt es geeignete Medikamente oder Naturheilmittel/Hausmittel zur Vorbeugung von Erkältungen?
Es gibt für die akute Situation immunstabilisierende Präparate wie beispielsweise Sonnenhut (Echinacea). Experten warnen jedoch davor, sie über einen längeren Zeitraum zu nehmen. "Wird das Immunsystem ständig stimuliert, ist es irgendwann überfordert und kann nicht mehr adäquat reagieren", so der Bad Emser Facharzt Rainer Brenke.

Hilft Sport zur Vorbeugung?
"Alle Sportarten, die eine zyklische, rhythmische Bewegung haben, dienen der Ausdauer und wirken positiv auf das Immunsystem", so Klaus Völker, Direktor des Instituts für Sportmedizin der Universität Münster. Dazu gehören beispiels-weise Schwimmen, Radfahren, Langlauf, Inlineskaten und Joggen. Schon wer sich dreimal wöchentlich bis zu einer Dreiviertelstunde lang bewegt, verbessert seine Abwehrkraft gegenüber einem sportfreien Leben deutlich. Studien zeigen jedoch, dass eine zu große Intensität den positiven Einfluss auf die Abwehrzellen umkehren kann. Völker: "Übersteigt die Belastung ein bestimmtes Maß, sinkt deren Aktivität, fremde Zellen 'aufzufressen'."

Wie viel Abstand sollte man von einem Erkälteten halten, um sich nicht anzustecken?
Viren werden millionenfach in Form von Minitröpfchen beim Niesen und Husten zum Nachbarn geschleudert, laut Professor Bernhard R. Ruf von der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie etwa einen Meter. Sie sollten von Ihrem erkälteten Arbeitskollegen deshalb etwa so viel Abstand halten, wenn Sie nicht durch seine Niesattacken angesteckt werden wollen.

Was hilft, wenn sich eine Erkältung anbahnt?
Gegen Erkältungsviren gibt es noch keine Mittel. Man behandelt daher nur die Beschwerden und wartet, bis das Immunsystem die Erreger vernichtet hat. Gerade zu Beginn einer Entzündung lindert alles, was den Entzündungsbereich verstärkt durchblutet. So wirken ein heißer Grog, eine heiße Dusche, ein um den Hals geschlagener Schal, ein Kartoffel- oder Zwiebelwickel oder ein feuchtkalter Wickel ähnlich: Sie weiten die Blutgefäße, und die Erreger können durch vermehrt angeschwemmte Abwehrzellen besser bekämpft und abtransportiert werden. Ist die Erkältung gerade im Anzug und der Kreislauf noch nicht zu stark belastet, rät Experte Rainer Brenke zu einem heißen Vollbad.

Welche Heil- und Hausmittel sind geeignet, um die Beschwerden zu lindern?
Grundsätzlich sollten Sie sich bei jeder Erkältung schonen und mehrere Liter Kräutertee oder Wasser trinken. Das unterstützt die Befeuchtung der Schleimhäute. Kaffee oder Schwarztee allerdings entziehen dem Körper zusätzlich Flüssigkeit. Inhalieren und Gurgeln mit isotonischer (0,9-prozentiger) Salzlösung hilft, den Schleim in den Atemwegen zu verflüssigen. "Bei einer Entzündung im Schlund, der akuten viralen Pharyngitis, reicht es meist, mit warmem Salzwasser und eventuell Emser Salz zu gurgeln", erklärt Brenke. Bei fiebrigen Infekten eignen sich als Schweißtreiber besonders Lindenblüten- und Holundertee.

Wie macht man eine Nasenspülung? Lösen Sie in etwas lauwarmem Wasser eine Messerspitze Salz (Meer- oder Emser Salz, wichtig ist vor allem die 0,9-prozentige Konzentration, sie entspricht der des Zellwassers). Mit einem spitz zulaufenden Gefäß mit einer kleinen Öffnung (z.B. einer Spritze) oder einer speziell geformten Nasendusche aus der Apotheke versuchen Sie nun, das Wasser von einem Nasenloch durch die Nasenhaupthöhle und dann durch das andere Loch wieder hinausfließen zu lassen. Der Kopf wird dabei etwas angeschrägt nach unten gehalten. Oder Sie ziehen das Salzwasser erst durch ein Nasenloch und später durch das andere sanft hinauf, bis es in den Rachenraum gelangt. Beide Varianten befeuchten die gesamte Nasenschleimhautfläche, sodass Fremdstoffe und Schmutz hinausgeschwemmt werden.

Was tun, wenn die Nase zugeschwollen ist? Wer die Nase mehrmals täglich mit isotonischer Salzlösung spült und für eine gute Durchblutung der Hände sorgt, kann ohne abschwellende Nasentropfen oder -sprays aus der Apotheke Abhilfe schaffen. Diese sollten nur kurzfristig verwendet werden, wenn die Nasenatmung stark behindert ist, denn die Tropfen und Sprays enthalten ein so genanntes Sympathomimetikum, das die Blutgefäße der Nasenschleimhaut verengt. Werden die Präparate über einen längeren Zeitraum benutzt, wird die Schleimhaut chronisch gereizt und verliert ihre normale Schwellkörperfunktion. Und bei Fieber? Der Körper wehrt sich gegen fremde Keime, indem er die Körperkerntemperatur erhöht. Das Fieber ist somit Ausdruck der körperlichen Abwehr. Erst wenn das Fieber beim Erwachsenen 39,5 Grad Celsius übersteigt, können fiebersenkende Mittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Metamizol eingenommen oder Wadenwickel gemacht werden. Kneippsche Wadenwickel - das Hausmittel schlechthin - senken die Körperkerntemperatur, indem sie das Blut in der Peripherie kühlen. Sie dürfen jedoch keinesfalls während des Fieberanstiegs angewendet werden, da das den ohnehin stark geschwächten Kreislauf zu sehr belastet.

Wie entsteht Schüttelfrost? Entzündungsmediatoren verstellen den Sollwert der Körperkerntemperatur im Hypothalamus, einem Hirnareal, das unter anderem die Temperatur reguliert. Wenn der Körper es nicht schafft, seine Temperatur entsprechend diesem neuen Sollwert zu erhöhen, versucht er, die Wärme über vermehrtes Muskelzittern zu erzeugen - Schüttelfrost. Beim Sinken des Fiebers gibt der Körper die Wärme wieder ab, indem die Haut stärker durchblutet wird, und man beginnt zu schwitzen.

Wann sollte man zu Hause bleiben, statt zu arbeiten? Vielleicht kennen Sie das: Der Hals kratzt, die Nase trieft, doch ein Termin jagt den anderen, die Arbeit scheint immer mehr zu werden. Jetzt bloß nicht noch krank werden! Wer die Signale des Körpers nicht hört oder nicht hören will und stattdessen weiterarbeitet, läuft Gefahr, den grippalen Infekt zu verschleppen. Der Körper ist dann zu schwach, um weitere Erreger abzuwehren. Eine bakterielle Infektion, beispielsweise eine Mittelohrentzündung oder Lungenentzündung, kann die Folge sein. Wenn sich die Erkältung nicht innerhalb einer Woche (etwa nach 4 bis 5 Tagen) zumindest bessert, müssen Sie damit rechnen, dass eine bakterielle Superinfektion hinzugekommen ist. Wie das individuelle Krankheitsgefühl ist, kann nur der Betroffene selbst einschätzen. Auch die Hartgesottenen sollten jedoch vermeiden, mit Fieber arbeiten zu gehen.

3. Grippe

Was ist eine "echte" Grippe?
Wenn zu den Erkältungssymptomen schlagartig hohes Fieber mit Schüttelfrost und Schweißausbruch kommt, Muskel- und Gelenkschmerzen am ganzen Körper unerträglich werden und sich der schwere Reizhusten und bohrende Kopfschmerz auch nach Tagen nicht bessern, deutet alles darauf hin, dass Influenzaviren am Werk sind. Die echte Grippe, die schon 1918/19 als "spanische Grippe" mehr als 20 Millionen Menschen weltweit dahinraffte, kann auch heute noch lebensgefährlich sein. So starben im vergangenen Winter nach Hochrechnungen der Arbeitsgruppe Influenza (AGI) zwischen 12 000 und 20 000 Menschen bundesweit an der Infektionskrankheit. Besonders gefährdet sind alte Menschen und chronisch Kranke sowie Menschen mit Immunschwäche wie beispielsweise HIV-Patienten.

Wie bekommt man Grippe? Verbreitet werden Influenzaviren hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion. Das Risiko, sich durch entsprechende Husten- und Niesattacken beim Nachbarn an- zustecken, ist vor allen an Orten mit viel Publikumsverkehr hoch. Wer sich an- gesteckt hat, kann die Grippeviren noch bis zu fünf Tagen unbemerkt mit sich herumschleppen und an andere weitergeben, bevor sich erste Beschwerden zeigen.

Wer sollte sich impfen lassen? Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts sowie die Arbeitsgruppe Influenza raten vor allem Menschen über 60 Jahren und bestimmten Risikogruppen - Patienten mit chronischen Lungen-, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten sowie Immungeschwächten -, sich jedes Jahr rechtzeitig impfen zu lassen. Auch medizinischem Personal und Bewohnern von Pflege- und Altenheimen sowie Personen in Einrichtungen mit hohem Publikumsverkehr wird die Impfung empfohlen.

"Der volle Impfschutz ist spätestens nach 14 Tagen aufgebaut", erklärt der Influenzaexperte Udo Buchholz vom Robert-Koch-Institut. "Wir empfehlen, sich im Oktober oder November impfen zu lassen, weil man dann mit einem Impfschutz, der mindestens sechs Monate anhält, auch noch im Februar/März geschützt ist."

Ist die Grippeimpfung ein hundertprozentiger Schutz? Keine Impfung schützt hundertprozentig. Auch bei der Schutzimpfung gegen Influenza können - insbesondere im Alter und bei schweren Grunderkrankungen - Infektionen nicht absolut vermieden werden. Studien belegen, dass die Impfungen bei etwa 70 bis 90 Prozent der gesunden Erwachsenen eine Infektion verhindern können.

Muss man mit einer Grippe zum Arzt gehen? Da auch der Arzt bei der Influenza in der Regel "nur" symptomatisch behandelt, ist es zunächst jedem selbst überlassen, ob er ärztliche Hilfe aufsucht. Bei schwerem Krankheitsverlauf mit Fieber über 40 Grad Celsius oder so genannten bakteriellen Superinfektionen sollten Sie jedoch auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Denn es können schwere Entzündungen an Lunge, Nasennebenhöhlen, Ohr, Herzmuskel, Gehirnhaut und des Nervensystems auftreten.

Wie funktionieren Grippemittel? Neben der Grippeimpfung sind in Deutschland Virustatika erhältlich, mit denen vorgebeugt und behandelt werden kann. Vor allem bei Risikopersonen, die die Impfung versäumt haben, können diese Mittel auch prophylaktisch sinnvoll sein, bis die nachgeholte Impfung wirksam geworden ist. In Deutschland sind zur Behandlung der echten Grippe Amantadin und die Neuraminidasehemmer zugelassen. Das seit den 60er Jahren bekannte Amantadin stört die Freisetzung des Virus in der infizierten Zelle. Da es aber nur gegen Influenza-Typ A wirkt, die Grippeviren außerdem schnell Resistenzen bilden und das Medikament starke Nebenwirkungen hat, werden die neueren Neuraminidasehemmer häufiger eingesetzt. Sie wirken auch gegen Typ B. Der Patient sollte es innerhalb von 48 Stunden nach Krankheitsbeginn nehmen. Das Medikament blockiert das virale Enzym Neuraminidase. Dadurch kann sich das Virus von der Wirtszelle nicht mehr lösen. Es bleibt an der zerstörten Zelle haften und wird von den Kämpfern des Immunsystems zusammen mit den Zellresten aufgefressen.

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