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25. September 2007, 12:17 Uhr

"Die Katholische Kirche zieht Pädophile an"

Obwohl er bereits zuvor wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde, soll sich im bayerischen Riekofen ein Geistlicher jahrelang an einem Ministranten vergangen haben. Ein Fall, der hätte vermieden werden können, wie der Psychoanalytiker Micha Hilgers jetzt behauptet.

In der Kirche von Riekofen arbeitete der Pfarrer, der jetzt verhaftet wurde, weil er einen Ministranten missbraucht haben soll© Armin Weigel/DPA

Der Psychoanalytiker Micha Hilgers hat es als "völlig verantwortungslos" bezeichnet, einem straffällig gewordenen pädophilen Priester wie in Riekofen noch einmal eine Kirchengemeinde zu übertragen. "Es ist geradezu bizarr, ihn wieder in die deliktnahe Situation hineinzubringen", sagte Hilgers, der seit vielen Jahren pädophile Straftäter betreut, der Deutschen Presse-Agentur. Abwegig sei es auch, wenn der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller davon spreche, der Priester sei nach einer Therapie als "geheilt" betrachtet worden: Pädophilie sei nicht "heilbar", sondern bestehe lebenslang, betonte Hilgers.

"Heilung ist nicht möglich"

"Therapie ist möglich, Heilung ist nicht möglich", erläuterte er. "Typisch für eine gescheiterte Behandlungssituation ist, dass sich der Therapeut und der Betroffene der Illusion hingeben, die Neigung sei überwunden. Es geht vielmehr darum, dass der Betroffene lernen muss, seine Neigung zu kontrollieren, sie nicht auszuleben.", sagte Hilgers.

Entscheidend dabei sei, dass der Pädophile von vornherein Situationen vermeide, die ihn in Versuchung führen könnten, zum Beispiel Kinderspielplätze, Schulen oder Jugendgruppen. Ein Priester, der einmal auffällig geworden sei, könne deshalb nie mehr in einer Gemeinde arbeiten, weil er dort zwangsläufig wieder mit Kindern zu tun habe. Denkbar sei hingegen eine Stelle in der Verwaltung.

Bischof und Bistum müssten sich auch der Tatsache bewusst sein, dass die katholische Kirche pädophile Menschen besonders anziehe, sagte Hilgers. Zum einen sei der Zölibat für Pädophile kein Verzicht, "da sie sich erwachsener Sexualität sowieso nicht gewachsen oder sich nicht davon angezogen fühlen". Zum anderen schaffe der Beruf des Seelsorgers Gelegenheiten für Übergriffe, zum Beispiel wenn ein Priester nach einer Andacht mit einem Messdiener allein sei: "Dann entsteht ein Intimitätsraum."

Bistümer müssen sich der Risiken bewusst sein

Die Wahrscheinlichkeit, auf Menschen mit pädophilen Neigungen zu stoßen, sei unter katholischen Priestern deshalb höher. "Der Bischof und das Bistum sind selbstverständlich gefordert, ein besonderes Augenmerk auf diese Dinge zu haben. Sie müssen sich dieses besonderen Risikos bewusst sein. Das wird sträflich vernachlässigt", kritisierte Hilgers.

Falsch sei die Vorstellung, der Zölibat - die Ehelosigkeit des Priesters - sei die Ursache für das Entstehen von Pädophilie. Niemand werde pädophil, weil er keinen Sex mit Erwachsenen haben dürfe, sagte Hilgers. "Es ist umgekehrt, der Zölibat zieht Menschen an, bei denen die Neigung schon vorhanden ist."

Christoph Driessen/DPA
 
 
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