. .
Mensch - Hintergründe und Wissen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
2. April 2010, 12:51 Uhr

"Dies könnte wirklich das Grabtuch Jesu sein"

Erstmals nach jahrelangen Konservierungsarbeiten wird nach Ostern das Turiner Grabtuch ausgestellt. stern.de sprach mit dem Direktor des Forschungszentrum über die Legende aus Leinen.

Bruno Barberis von der Universität Turin ist Direktor des Internationalen Zentrums für Sindonologie, das vor rund 80 Jahren von der Bruderschaft des Grabtuches gegründet wurde, um die religiöse Verehrung des Grabtuches von Turin und seine wissenschaftliche Erforschung zu trennen. Barberis promovierte 1975 in Mathematik und beschäftigt sich an seiner Hochschule mit kosmologischen Modellen. Für den 57-jährigen überzeugten Katholiken steht das nicht im Widerspruch zu seinem Glauben und auch nicht zur Arbeit am Grabtuch. Als Direktor des Forschungszentrums koordiniert Barberis alle Untersuchungen und berät daneben den jeweiligen Turiner Erzbischof, der als Vertreter des Papstes das Amt eines Kustos des berühmten Tuches inne hat.

Herr Professor Barberis, was wissen wir heute mit Sicherheit über dieses geheimnisvolle Tuch?

Zunächst einmal, dass wir auf diesem Leinen das Bildnis eines Leichnams sehen und auch Spuren von Blut finden konnten. Beide müssen unterschiedlichen Ursprungs sein. Denn das Bild des Mannes ist ein Negativ, die Blutspuren aber sind positiv, um in der Fotosprache zu bleiben. Ferner sind auf dem Bild der Leiche eine Vielzahl von Elementen zu entdecken, die ganz und gar zu einem Menschen passen, der schwere Verletzungen verschiedener Art davongetragen hat. Außerdem passen diese Verwundungen perfekt zu dem, was in den Evangelien über die Folterungen und die Kreuzigung berichtet wird, die Jesus von Nazareth erlitten hat.

Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Nun, ich halte es aus rein historischer Sicht für gut möglich, dass dieses Tuch wirklich jenes Tuch ist, in das Jesus nach seiner Hinrichtung gelegt wurde.

Und dass es demnach sein Blut ist, das wir heute noch darauf sehen können?

Jedenfalls wissen wir, dass diese Spuren von echtem Blut stammen, von menschlichem Blut auch. Sogar die Blutgruppe kennen wir seit den 1980er Jahren: AB. Wir können auch beobachten, dass das Blut durch alle Fasern gedrungen und darum nun auch auf der Rückseite des Tuches zu sehen ist. Nicht so das Bildnis des Mannes, das nur auf einer Seite und da auch nur auf der Oberfläche der Leinenfasern zu sehen ist.

Wie tief reicht das Bild?

Nur einige Zehntel Mikrometer. Wir wissen bis heute nicht, wie es entstanden ist, obwohl es viele Experimente gibt und auch viele Theorien. Doch keinem ist es bislang gelungen, das Bild auf diesem Stoff mit allen physikalischen und chemischen Details, die wir kennen, zu reproduzieren. Alle Versuche sind gescheitert, weil irgendeine Eigenschaft fehlte oder aber falsch wiedergegeben wurde.

Nun hat vor einigen Monaten Chemie-Professor Luigi Garlaschelli aus Pavia behauptet, er habe eine perfekte Kopie des Tuches mit den Mitteln des Mittelalters geschaffen. Wie schätzen Sie das ein?

Garlaschelli hat Eisenoxid für die Rotfärbung verwendet. Auf dem Tuch aber finden wir kein Eisenoxid. Außer da, wo das Blut ist und damit auch der rote Blutfarbstoff.

Könnte es nicht abgewaschen worden sein?

Nein, nein! Denn dann würden wir es ja auch nicht mehr in den Blutflecken finden. Da aber finden wir das Eisen aus dem Hämoglobin.

Aber könnte es nicht so gewesen sein, dass ein Fälscher erst das Bild aufmalt, dann das Eisenoxid abwäscht, so dass nur noch schwache Spuren bleiben, wie wir sie heute noch sehen. Und dann nimmt der das Tuch und trägt an den zur Bibel passenden Stellen menschliches Blut auf. Ist das denkbar?

Nein, denn wir kennen die zeitliche Reihenfolge der Spuren. Erst war das Blut da, dann kam das Bild auf das Tuch.

Seite 1: "Dies könnte wirklich das Grabtuch Jesu sein"
Seite 2: Woher wissen Sie das?
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch