Erstmals nach jahrelangen Konservierungsarbeiten wird nach Ostern das Turiner Grabtuch ausgestellt. stern.de sprach mit dem Direktor des Forschungszentrum über die Legende aus Leinen.
Zunächst einmal, dass wir auf diesem Leinen das Bildnis eines Leichnams sehen und auch Spuren von Blut finden konnten. Beide müssen unterschiedlichen Ursprungs sein. Denn das Bild des Mannes ist ein Negativ, die Blutspuren aber sind positiv, um in der Fotosprache zu bleiben. Ferner sind auf dem Bild der Leiche eine Vielzahl von Elementen zu entdecken, die ganz und gar zu einem Menschen passen, der schwere Verletzungen verschiedener Art davongetragen hat. Außerdem passen diese Verwundungen perfekt zu dem, was in den Evangelien über die Folterungen und die Kreuzigung berichtet wird, die Jesus von Nazareth erlitten hat.
Nun, ich halte es aus rein historischer Sicht für gut möglich, dass dieses Tuch wirklich jenes Tuch ist, in das Jesus nach seiner Hinrichtung gelegt wurde.
Jedenfalls wissen wir, dass diese Spuren von echtem Blut stammen, von menschlichem Blut auch. Sogar die Blutgruppe kennen wir seit den 1980er Jahren: AB. Wir können auch beobachten, dass das Blut durch alle Fasern gedrungen und darum nun auch auf der Rückseite des Tuches zu sehen ist. Nicht so das Bildnis des Mannes, das nur auf einer Seite und da auch nur auf der Oberfläche der Leinenfasern zu sehen ist.
Nur einige Zehntel Mikrometer. Wir wissen bis heute nicht, wie es entstanden ist, obwohl es viele Experimente gibt und auch viele Theorien. Doch keinem ist es bislang gelungen, das Bild auf diesem Stoff mit allen physikalischen und chemischen Details, die wir kennen, zu reproduzieren. Alle Versuche sind gescheitert, weil irgendeine Eigenschaft fehlte oder aber falsch wiedergegeben wurde.
Garlaschelli hat Eisenoxid für die Rotfärbung verwendet. Auf dem Tuch aber finden wir kein Eisenoxid. Außer da, wo das Blut ist und damit auch der rote Blutfarbstoff.
Nein, nein! Denn dann würden wir es ja auch nicht mehr in den Blutflecken finden. Da aber finden wir das Eisen aus dem Hämoglobin.
Nein, denn wir kennen die zeitliche Reihenfolge der Spuren. Erst war das Blut da, dann kam das Bild auf das Tuch.