Warum uns eine Stunde mehr müde macht

27. Oktober 2007, 16:28 Uhr

Es ist wieder soweit: Die Uhr wird zurückgestellt. Doch obwohl die Winterzeit eine Stunde mehr Schlaf bringt, fühlt sich jeder Fünfte nach der Zeitumstellung müde und schlapp. stern.de erklärt, woran das liegt und was gegen den Mini-Jetlag hilft. Von Marika Muster

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Zeitumstellung, Winterzeit, Sommerzeit, Innere Uhr, Atom-Uhr

In der Nacht zum Sonntag werden um drei Uhr nachts die Uhren um eine Stunde zurück auf Winterzeit gestellt©

Eigentlich sollte die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit ein Grund zur Freude sein - vor allem für Langschläfer. Sie dürfen sich über eine Extrastunde freuen, die sie im Bett verbringen können. Doch trotz der geschenkten 60 Minuten klagen viele Menschen beim Wechsel zur Winterzeit über Probleme, wie nun eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK gezeigt hat. So fühlen sich 17 Prozent der tausend Befragten durch die überschüssige Stunde gesundheitlich beeinträchtigt, 19 Prozent müde und schlapp.

Zeitumstellung bringt innere Uhr durcheinander

"Die Uhrenumstellung verursacht eine Art Mini-Jetlag", erklärt Prof. Jürgen Zulley (62) vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg. Im Vergleich zu einem Flug über mehrere Zeitzonen, findet aber keine reale Zeitverschiebung statt. Das Tageslicht, das uns normalerweise hilft, unsere innere Uhr zu stellen, gibt einen 24-Stunden-Rhythmus vor, die Uhren aber einen künstlichen 25-Stunden-Tag. Laut Umfrage braucht fast jeder Dritte ein bis zwei Tage, um sich an diese künstliche Rhythmusverschiebung zu gewöhnen, jeder Zehnte drei bis vier Tage, einige Menschen sogar wochenlang.

Schuld an dem Mini-Jetlag sind die Hormone. "Die Hormonproduktion hängt zum einen vom individuellen Biorhythmus ab, zum anderen von den Lichtverhältnissen", so Zulley. So wird bei bei Dunkelheit mehr Melatonin freigesetzt, das für den Schlaf zuständig ist. Da auch alle anderen Körperfunktionen wie die Verdauung und die Körpertemperatur von den Hormonen abhängen, reagieren viele Menschen mit Befindlichkeitsstörungen auf die künstliche Zeitverschiebung. Dabei leiden die Betroffenen laut Befragung überwiegend an Müdigkeit und Schlappheit (74 Prozent), Schlafstörungen (50 Prozent), Gereiztheit (30 Prozent) und Konzentrationsmangel (26 Prozent). Einige Menschen klagen auch über depressive Verstimmungen (7 Prozent) oder Appetitlosigkeit (3 Prozent).

Was gegen den Mini-Jetlag hilft

Im Alter sinkt die Melatoninproduktion ab und es kommt vermehrt zu Ein- und Durchschlafstörungen. Dennoch gaben mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen an, sie hätten durch die Umstellung auf die Winterzeit keinerlei Schwierigkeiten mit Gesundheit oder Schlafrhythmus. Dagegen fühlen sich Menschen im mittleren Alter (30-49 Jahre) viel häufiger beeinträchtigt. Prof. Zulley führt dies darauf zurück, dass viele Ältere morgens nicht zur Arbeit müssten und den Wechsel daher nicht so bewusst wahrnehmen würden wie Jüngere. Auch Menschen, die sehr wetterfühlig sind oder zu einer leichten Winterdepression neigen, hätten häufiger Schwierigkeiten mit der Zeitumstellung.# Diesen Menschen empfiehlt der Experte, den Rhythmus langsamer umzustellen: "Gehen Sie am Samstag eine halbe Stunde später ins Bett und machen das gleiche am Sonntag noch mal. Nehmen Sie auch Ihre Hauptmahlzeiten eine halbe Stunde später ein, denn die sind ein wichtiger Zeitgeber für die innere Uhr." Durch die Aufteilung in zwei Mal eine halbe Stunde sei die Umstellung für den Organismus leichter zu verarbeiten und es treten seltener Befindlichkeitsstörungen auf.

EU erwägt Aus für die Zeitumstellung

Bis Ende des Jahres berät die Europäische Union, ob die Zeitumstellung überhaupt beibehalten wird. Ursprünglich sollte die Regelung dafür sorgen, dass Tageslicht besser genutzt und somit Energie gespart werden kann. Experten glauben inzwischen aber, dass die Uhrenumstellung keinerlei Energieersparnis bringt und daher völlig unsinnig ist. Fraglich ist nur, ob man dann die Sommer- oder die Winterzeit als Norm ansetzt. Wie Prof. Zulley befürchtet, würden bei einer Standardsommerzeit vor allem Schüler, die ohnehin schon früh aufstehen müssten, darunter leiden und plädiert daher für die Winterzeit als Normalzeit. Doch wie auch immer sich die Experten entscheiden, fest steht, dass Betroffene durch den Wegfall der Umstellung wieder schlafen schlafen könnten.

 
 
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KOMMENTARE (6 von 6)
 
tagora-sagittara (29.10.2007, 01:09 Uhr)
Wann wird dieser Schwachsinn...
ein für alle Male endlich abgeschafft??,... Nutzen = NULL. Es ist eher anzunehmen, daß die Zeitumstellung jedes Jahr Milliardenschäden verursacht, weil nicht alle die Umstellung gut verdauen und sich dann etliche Tage krank schreiben lassen, bis sich ihr Körper angepasst hat... Man kann halt nicht mal eben ein bischen am Lichtschalter drehen, ohne Auswirkungen zu erhalten.
risingsun (28.10.2007, 18:31 Uhr)
Ich mag die Zeitumstellung...
... tut mir leid, hier so gegen den Trend zu schreiben. Ich genieße die Umstellung. Ich liebe es im Herbst eine Stunde länger schlafen zu können und im Frühling macht mir das frühere Aufstehen auch viel Spaß. Ich liebe den frühen Morgen und liebe es auch im Herbst eine Stunde geschenkt zu bekommen. Denn mein Körper und Geist stellt sich um. Nach wenigen Tagen bin ich geistig in der "anderen" Zeit angekommen und nach zwei, drei Wochen ist auch mein Körper völlig umgestellt. Ich mag Abwechselung und Veränderung und die Zeitumstellung ist dies und gleichzeitig ein mir lieb gewordenes Ritual geworden, dass die Jahreszeitenwende markiert.
christof-m. (28.10.2007, 15:48 Uhr)
Sommerzeit abschaffen!
Abschaffen diesen Unsinn!
denn wenn mein Wecker um 5:00 „piepst“ ist tatsächlich 4:00, meine beste und tiefste Schlaffphase wird unterbrochen!
Meine innere Uhr lässt sich nicht umstellen, und auch für Kinder, die ja in Kindergarten und Schule sehr früh aufstehen müssen, ist das eine Katastrophe! Das hat durchaus gesundheitlichen folgen. Nutzen=0!
Christof-m.
4thmelvin (28.10.2007, 11:34 Uhr)
Technokratie
trifft auf das Innere des Menschen?
Wer wird gewinnen, die Technokraten, die den Menschen mit ihren rechtwinkligen Ideen kompatibel machen wollen oder das Innere des Menschen, das Ideen will, die ihm entsprechen?
RomanTicker (28.10.2007, 10:11 Uhr)
Dunkelheit
Die Sommerzeit gilt ja nicht nur im Hochsommer sondern endete ja erst jetzt. Wenn wir in den letzten Wochen bereits Winterzeit gehabt hätten, dann wäre es noch viel früher dunkel gewesen. Dann hätten die meisten Menschen bereits im Oktober direkt nach Feierabend Dunkelheit. Genauso ist es im Frühjahr. Da habe ich lieber morgens auf dem Weg zur Arbeit Dunkelheit als direkt nach Feierabend. Es spricht also durchaus etwas für die Sommerzeit. Allerdings ist die Winterzeit die eigentlich normale Zeit, da die Sonne zur Winterzeit um 12 Uhr ihren Höchststand erreicht.
oper1979 (28.10.2007, 09:41 Uhr)
Winterzeit
Ach, was wäre das schön, wenn diese Leidenszeit vorbei wäre. Den ganzen Sommer über habe ich das Gefühl, mir fehlt eine Stunde Schlaf - ja, ich weiß, es ist unsinnig. Aber warum bloß müssen jedes Jahr im Frühjahr ohne Not Mensch und Tier mit dieser Umstellung gequält werden. Was nützt es mir, wenn es im Sommer eine Stunde länger hell ist. Im Sommer ist es doch sowieso lange hell. Im Grunde gehen wir doch dann alle im Hellen Schlafen, weil wir ja doch relativ früh aufstehen müssen, jedenfalls die lernende und arbeitende Welt. - Im übrigen bin ich für die Winterzeit, das ist ja auch unsere "normale" Zeit. Also, liebe EU, tu mal was für uns "Leidende", dann gehe ich auch zur nächsten Wahl.
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