18. Dezember 2002, 17:57 Uhr

Grünzeug gegen Gift

Toxische Metalle, radioaktive Stoffe und Chlorchemie verseuchen vielerorts den Boden. Statt teurer Großtechnik werden jetzt bescheidene Pflänzchen zur Sanierung eingesetzt.

Metallgieriger Müllschlucker: die Acker-Schmalwand (hier Keimlinge in einer Nährlösung)©

Genügsames Unkraut, dem ein zusätzliches genetisches Tuning verpasst wurde

Der Giftfresser ist ein Aschenbrödel unter den Blumen. Das Pflänzlein ist so mickrig, dass sich selbst Kaninchen zu ihm herunterbeugen müssen. Es hat schmächtige ovale Blättchen, eine schüttere Dolde weißer Mini-Blüten und winzige dürre Schoten. Es heißt Acker-Schmalwand - ein Name, der gut zu seiner verhungerten Erscheinung passt.

Das genügsame Unkraut, das an Wegrändern und auf Ödland sein Dasein fristet, ist im Kommen. Denn es gehört zu einer neuen Gruppe grüner Bodensanierer, die billig und umweltschonend chemische Altlasten aus der Erde holen. Das kümmerliche Kraut hat sogar eine Sonderstellung unter den Sauber-Pflanzen - es wird mit einem Gefahrstoff fertig, der die meisten Gewächse umbringt: Arsen, für Menschen ein Haut- und Krebsgift.

Amerikanische Forscher haben dem Schmalwand ein zusätzliches Tuning verpasst: zwei Bakteriengene wurden ihm eingepflanzt und so seine Fähigkeit verbessert, auf arsenverseuchtem Grund nicht nur zu überleben, sondern prächtig zu gedeihen und bis zu dreimal mehr Gift zu vertilgen als zuvor. Im Oktober veröffentlichten die Genetiker ihre Erfindung in der Fachzeitschrift »Nature Biotechnology«.

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