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Grüne Allzweckwaffe: Vom Suppengrün zum Superstar: Warum Sellerie nichts weiter als ein Modegemüse ist

Um kein Grünzeug gibt es derzeit einen größeren Hype. Sellerie ist der Star an der Gemüsetheke. Aber warum eigentlich? Die Stengel bestehen praktisch nur aus Wasser. Dennoch soll das Wurzelgemüse als Tee, Smoothie oder pur wahre Wunder bewirken. 

Sellerie - die Wurzel, die Wunder wirken soll

Ernährungswissenschaftler und Gemüsefans preisen den Sellerie über den grünen Klee. Dabei besteht er zu mehr als 90 Prozent aus Wasser. Ist der Hype um die Wurzel gerechtfertigt?

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Natürlich ist alles irgendwie Geschmacksache. Vor allem, wenn es um Grünzeug geht. Rosenkohl? Geht gar nicht, sagen die einen. Unfassbar lecker, jubeln die anderen. Spinat? Megagut und vor allem voll gesund, sagen die Fans der Popeye Droge. Wie kann man sowas essen?, fragen sich alle, die vom Blubb-Gemüse so gar nichts halten. Auf die ganz große Bühne der Generation Bio-Food haben es die kleinen Kohlröschen und das unscheinbare Blattgemüse bisher nicht geschafft. Und die Chancen, doch noch zum Gemüse-Superstar aufzusteigen, stehen schlecht. Denn ein grüner Stengel läuft derzeit zu großer Form auf und der Konkurrenz an der Gemüsetheke den Rang ab.

Die Wurzel, die Wunder wirkt

Sellerie ist würzig und geruchsintensiv - vor allem aber ist der neue Superstar am Gemüsehimmel. In den sozialen Netzwerken und einschlägigen Foren ist der Jubel über das Wurzelgemüse schier grenzenlos. Glaubt man den überschwänglichen Abhandlungen und Lobpreisungen, die im Internet kursieren, gibt es kaum ein Leiden, das die früher als langweiliges Suppengrün verschrienen Stengel nicht heilen, oder zumindest lindern können. Wegen ihres hohen Kaliumgehalts sind sie harntreibend, und damit hilfreich für Gicht- und Rheumapatienten, die ihren Körper regelmäßig entgiften müssen. Dazu soll Sellerie den Blutdruck senken, die Verdauung in geregelte Bahnen lenken, einen dehydrierten Sportler wieder zu Kräften bringen, den Cholesterinspiegel senken, den Körper kühlen, Entzündungen vorbeugen, die Magenschleimhaut pflegen und: Genau, Krebserkrankungen vorbeugen. Achja, der Potenz soll die grüne Allzweckwaffe ebenfalls auf die Sprünge helfen. Wissenschaftler auf der ganzen Welt haben sie schon in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt, sie zerquetscht, gepresst und unterm Mikroskop beäugt. Beinahe jede Woche präsentieren sie neue Superkräfte. Da wundert es kaum, dass die sozialen Netzwerke übersprudeln und Sellerie einer der Dauerbrenner in den Food-Foren der Netzwelt ist. 

Ein Glas Selleriesaft täglich - auf nüchternen Magen

Fast zwei Millionen Follower hat ein Mann namens Anthony William bei Instagram. Auf Facebook sind es sogar 3,3 Millionen. William ist verliebt. In Sellerie. Beinahe wie Jünger folgen die User dem umstrittenen Autor, der von sich behauptet, mit einem Geist sprechen zu können. Der hat dem Hobby-Esotheriker offenbar auch geflüstert, dass viele Fette und Proteine ungesund sind, insbesondere in weiterverarbeiteten Produkten. Williams aktueller Geheimtipp ist, da kommt ihr nie drauf: Selleriesaft. Zwei Bund Stangensellerie entsaften und morgens auf leeren Magen trinken. Schon klappt's mit der Gesundheit. So einfach geht das. Er habe eine globale Sellerie-Bewegung ins Leben gerufen, behauptet William. Nunja. Immerhin haben User unter dem Hashtag #celeryjuice schon mehr 100.000 Bilder von und mit dem Star-Gemüse gepostet. Dazu überbieten sie sich in Geschichten zu überwundenen Hautkrankheiten, verlorenen Pfunden und anderen Wunderdingen, die sie auf das populäre Wintergemüse zurückführen.

95 Prozent Wasser, viel mehr geht nicht

Betrachten wir es einmal ganz nüchtern. Sellerie, egal ob Knolle oder Stange, besteht im Wesentlichen aus Wasser, genauer gesagt zu etwa 95 Prozent. 100 Gramm des Staudengemüses bringen es auf mickrige 15 Kalorien. Vitamine enthält Sellerie dagegen reichlich. Dazu glänzt er mit Mineralstoffen wie Kalium, Kalzium, Natrium, Phosphor, Eisen und Magnesium. Ein beachtlicher Cocktail, der die sogenannte "Geilwurz" (ja, diesen Spitznamen gibt es wirklich) nicht nur bei Gemüsegroupies aktuell zu Weltruhm verhilft. Doch um nochmal zu seinen im Abseits stehenden Freunden Rosenkohl und Spinat zurückzukommen. Auch die sind durchaus reich an Vitaminen und müssen sich in Sachen Kalorien nicht verstecken. Warum sie gegen den Sellerie aktuell trotzdem nichts ausrichten können? Vielleicht weil sie keine Lobby haben. Denn am Aussehen liegt es sicher nicht. Oder finden Sie, dass der giftgrüne Saft des Selleries appetitlicher aussieht als knackiger Rosenkohl oder ein Schlag Rahmspinat?

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Quellen: "The Atlantic"; "Orange by Handelsblatt""Elle"; "Instagram medicalmedium"

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