12. April 2012, 22:16 Uhr

Keiner kennt die "Titanic" so gut wie er

Er lieferte für Camerons Blockbuster "Titanic" die Unterwasseraufnahmen. 80 Mal tauchte Jewgenij Tschernjajew zum Wrack - und entdeckte immer wieder Neues, wie er im Interview berichtet.

Er ist ein Perfektionist?

Ja, das machte die Arbeit aber auch sehr anstrengend. Die Welt unter Wasser hat so ihre Tücken: Strömungen, aufgewirbelter Meeresboden behindert die Sicht. Aber Cameron rückte nicht von seinen hohen Ansprüchen ab. Er war es gewohnt, Kamerafahrten zwei oder drei Mal zu machen. Manchmal dachte ich: "Gott sei dank! Geschafft!" Und dann stellte sich heraus, das er gar nicht gedreht hatte, sondern nur geprobt. Mein letzter Tauchgang mit ihm dauerte 18 Stunden, allein für Ab- und Aufstieg benötigten wir fünf Stunden.

Und das alles in dem kleinen, unbequemen U-Boot.

Für diese Arbeit braucht man sehr viel Begeisterung, ansonsten macht man so etwas nicht mit. Die Tauchgänge mussten ja auch vorbereitet werden. Zeit zum Schlafen blieb da nicht viel übrig.

Wie haben Sie sich auf die Fahrten vorbereitet?

Wir hatten ein Sechs-Meter-Modell der "Titanic" in einem schwarzen Zelt. Damit wurden vorher fast alle Kamerafahrten geprobt. Um das trübe Wasser zu simulieren, wurde Rauch in das Zelt geblasen. Der Schauspieler Lewis Abernathy, der in dem Lewis Bodine spielte, wurde unser Mitarbeiter. Er maß alle Abstände, wir übertrugen sie auf eine Skala und legten so die spätere Tauchroute fest.

Hat Ihnen das Produkt Ihrer Arbeit, der Film "Titanic", gefallen?

Es ist ein guter Film, natürlich keine Dokumentation. Aber James Cameron arbeitet sehr nah an der Realität, das gefällt mir. Ich habe sehr viele Filme über die "Titanic" gesehen, die meisten sind Kunstprodukte. Das Wrack unter Wasser strahlt einfach eine natürliche Schönheit aus, es nimmt einen sofort gefangen. Diesen tollen Anblick kann keine Technik, und sei sie auch noch so gut, simulieren.

Ihre letzte Fahrt zur "Titanic" ist schon ein paar Jahre her. Werden Sie noch einmal zum Wrack tauchen?

Pläne und Überlegungen gibt es immer, das ist klar. Aber im Moment steht nichts Konkretes fest. Die beiden Mir-U-Boote liegen in ihrem Hafen in Kaliningrad.

Interview: Diana Laarz
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