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Alfa Brera: Romeos böser Blick

Alfa lockt mit einem neuen Romeo. Das Sportcoupé Brera zeigt, dass die Italiener immer noch schöne Autos bauen können. Aber auch, dass sie nur wenig von der Designer-Formel "form follows function" halten.

Von Frank Wald

Ein Auto wie aus dem italienischen Designer-Bilderbuch: die Front schaut grimmig wie ein Raubvogel, zwei Sehschlitze mit jeweils drei nebeneinander liegenden Rundleuchten flankieren die markant gefeilte Motorhaube, deren Linien wie eine Hakennase in den schildförmigen Marken-Kühlergrill, Scudetto auslaufen.

Derselbe böse Blick aus schmalen Rundleuchten trifft den Hintermann, wenn er sich dem muskulös gezeichneten Heck mit den ausladenden Hüften, der spitz zulaufender Heckscheibe und den vier Auspuffrohren nähert. Dazwischen duckt sich eine 4,41 Meter lange, 1,83 Meter breite und 1,37 Meter niedrige Karosserie keilförmig mit flacher Frontscheibe, runder Dachlinie und breiter C-Säule. Star-Blechschneider Giugiaro hat ein neues Meisterstück abgeliefert.

Eins zu eins-Übernahme des Alfa 159

Dass es sich bei dem zweitürigen Coupé technisch gesehen um eine Version des Alfa 159 handelt, mit dem der Brera 55 Prozent der Teile gemeinsam hat, ist im Innenraum deutlich zu sehen. Das zum Fahrer geneigte Cockpit scheint eins zu eins aus der Limousine übernommen. Wenn auch sportlich getrimmt mit zusätzlichen Rundinstrumenten und reichlich Alu-Blendwerk auf der wuchtigen Mittelkonsole, im Mitteltunnel, im Dreispeichen-Lenkrad sowie im Armaturenbrett und an den Türen. Auf den Leib geschnitten sind die neuen Sitze, die mit ihren dicken Seitenpolstern bei der Kurvenhatz einen guten Halt geben. Andererseits liegen die wegen des abgesenkten Scheitelpunkts so tief, dass die ohnehin durch Schießscharten-Scheiben und breite C-Säule beschränkte Rundumsicht, zusätzlich erschwert wird. Immerhin, Parksensoren hinten sind serienmäßig an Bord, sonst gäbe es schon beim Rangieren auf dem Händlerhof die erste Beule.

Auch im Innenraum kehrten die Designer die "form follows function"-Formel ins Gegenteil. Die beiden Rücksitze haben reine Alibi-Funktion. Sollte es überhaupt gelingen, sie zu erklettern, ist die Beinfreiheit gleich null. Besser man klappt die Lehnen gleich nach vorn, um den Kofferraum von 300 auf 610 Liter Volumen zu vergrößern. Wobei auch der durch die extrem hohe Ladekante und kleine Luke nur schwer zu füllen ist. Für Licht im eng geschnittenen Innenraum sorgt ein großes Panorama-Glasdach, das wiederum nur in der Version Brera Sky View (1300 bis 1600 Euro Aufpreis) mit elektrischem Rollo ausgerüstet ist. Beiden Ausstattungslinien gemein ist das umfangreiche Sicherheitspaket zu dem ESP, ABS, Bremsassistent, Front-, Seiten- und Kopfairbags sowie ein weiterer Luftsack für Fahrers Knie gehören, letzterer gegen Aufpreis auch für den Beifahrer. Zweizonen-Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber, CD-Radio sowie Leichtmetallfelgen sind ebenfalls ab der Einstiegsversion (ab 32.200 Euro) an Bord.

Hörbar sportlicher Sound

Nichts zu meckern gibt's bei Motoren und Antrieb. Im Gegenteil. Hier wird der Alfa Brera seiner rasanten Erscheinung gerecht. Schon das Einstiegsmodell 2.2 JTS 16V stemmt kräftige 185 PS (136 kW) auf die Kurbelwelle. Mit 230 Nm maximalem Drehmoment und hörbar sportlichem Sound treibt der Benzindirekteinspritzer den Wagen in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht seine Spitze bei 222 km/h. Den Normverbrauch gibt Alfa mit 9,4 Liter an. Wer den Wagen jedoch seiner Bestimmung gemäß fährt, wird damit keine 100 Kilometer weit kommen.

Einen kräftigeren Schluck aus der Pulle mit 11,5 Liter Supersprit nimmt der 3,2-Liter-Sechszylinder mit 260 PS (191 kW), den Alfa als zweites Triebwerk anbietet. Der ebenfalls direkt einspritzende V6-Benziner (ab 39 800 Euro) bietet dafür aber nicht nur die höheren Fahrleistungen (6,8 von.0 auf 100 km/h, 240 km/h Spitze), sondern auch die bessere Traktion dank seines serienmäßigen Allradantriebs.

Wer nicht weniger sportlich unterwegs sein will, ohne dabei ständig nach einer Tankstelle Ausschau halten zu müssen, muss sich noch bis April gedulden. Dann rüstet Alfa den Brera mit einem 2,4-Liter-Fünfzylinderdiesel mit 200 PS (147 kW) inklusive Russpartikelfilter aus, der rund 36.000 Euro kosten soll.

Fazit

Mit dem Brera rollt Alfa einen schön unpraktischen und herrlich unvernünftigen Ableger des 159 ins Autohaus - in dem es bald eng werden könnte: Ein ähnliches Modell steht da schon mit dem Alfa GT, noch auf Basis des alten Alfa 156, der weiter verkauft werden soll. Und im Sommer gesellt sich ein neues Spider-Cabrio sowie der 159-Kombi Sportwagon hinzu.

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