AUTO Doppeläugiger Dauerbrenner


Als gutmütiger Lastesel gehört die E-Klasse von Mercedes zum Traum für jeden Taxifahrer. Die beliebte Limousine hat Tradition: über 50 Jahre.

Als gutmütiger Lastesel gehört die E-Klasse von Mercedes schon längst zum Traum für einen jeden Taxifahrer. Die überwiegende Mehrheit aller Taxiunternehmer vertraut inzwischen auf den Stuttgarter Beitrag zur oberen, automobilen Mittelklasse. Der Rest der Autowelt kennt die E-Klasse vor allem als gediegene Limousine, die vor allem bei der etwas gesetzteren Kundschaft viele Freunde hat.

Doppeläugiger Dauerbrenner

Größtenteils unbekannt ist jedoch, dass der doppeläugige Dauerbrenner auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Seit über 50 Jahren gehen Mercedes-Fahrzeuge mit dem E-Klassen-Format auf Kundenfang. Besitzer einer aktuellen E-Klasse können sich mit der Gewissheit in den bequemen Sitzpolstern räkeln, in einem direkten Nachkommen des legendären Mercedes »Ponton« oder des »Strich-Achters« zu sitzen.

Jedermann-Auto

Genau genommen, war die E-Klasse sogar Mercedes' Einstieg in die Nachkriegs-Autofertigung. 1947 rollte der erste Mercedes Typ 170 von den Produktionsbändern. Schon vor dem Weltkrieg hatte sich der 170er bewährt. Über 90 000 Exemplare des Jedermann-Autos fanden ab 1936 den Weg zu stolzen Mercedes-Käufern.

Revolutionäre Karosserie-Bauweise

Erst 1953 fand sich ein Nachfolger für den begehrten 170er. In neun Jahren Produktionsszeit verließen 486 000 Mercedes 180 und 190 die Werkshallen. So richtig bekannt wurde die Erfolgs-Baureihe unter dem Namen »Ponton«. Der Grund: Unter dem Blech hatte der 180er nichts - zumindest keinen Rahmen. Mercedes vertraute einer so genannten, mittragenden Pontonkarosserie. Die kam, bis auf eine tragende »Rahmenbodenplattform«, zur Gänze ohne platzfressende Rahmenteile aus.

Am Puls der Zeit

Ihm folgte 1961 ein nicht minder legendäre »Stern«: der »Heckflossen-Mercedes« 200 mit der internen Bezeichnung W110. Dem allgemeinen Trend der Zeit folgend, schleppt der W110 eine schicke Heckflosse mit sich herum. Viel wichtiger sind jedoch die Neuerungen im Innenraum: Erstmals wurde bei der »Heckflosse« der Insassenschutz bedacht. Harte und scharfe Betätigungselemente sind verschwunden. Statt dessen versenkte Türgriffe, die stoßnachgiebige Armaturenanlage, Fensterleisten, Fensterkurbeln, Armlehnen und Sonnenblenden gepolstert, das Lenkrad mit einer großflächigen Prallplatte ausgestattet. Bei heftiger Berührung löst sich der Innenspiegel aus seiner Halterung. Schon 1961 bekommt die »Heckflosse« serienmäßig Verankerungspunkte für Sicherheitsgurte. Beckengurte sind seit 1957 auf Wunsch lieferbar, die ersten Schrägschultergurte ab 1962.

Mehrere Karosserievarianten

Und noch ein Klassiker: 1968 kommt der »Strich-Acht« (nach seinem Erscheinungsjahr benannt), auf den Markt. 1 919 000 Exemplare fanden in acht Jahren Produktionszeit ihre Anhänger. Neu sind auch zwei weitere Karosserievarianten. Noch 1968 kommt eine Limousine mit langem Radstand sowie ein Coupé auf den Markt.

1976 reiht sich die neue Baureihe 200 (interne Bezeichnung W 123) in die lange Linie der E-Klasse-Urahnen. Mit ihr kommt auch erstmals ein Kombi, bei Mercedes T-Modell genannt, ins Programm. Erst 1985 kommt für den W123 das Produktionsende.

Neuer Name 1993

Ersetzt wird er durch den W124, der 1991 erst einen viersitzigen Cabrio-Bruder und bei der Modellpflege 1993 dann auch einen neuen Namen bekommt: Mercedes E-Klasse.

Die typische E-Klasse, wie man sie heute kennt (vier Glubschaugen, coupéartiges Heck) erblickt erst 1995 das Licht der Welt. Mit ihrem Großvater, dem Mercedes 170, hat die elegante Limousine bis auf den Stern auf der Motorhaube nur noch wenig gemein. Längst findet sich in der oberen Mittelklasse kein Jederman-Auto mehr und auch Mercedes ist längst im Windkanal glattgebügelt. Was bleibt ist einzig Gewissheit, im legitimen Nachfolger von gleich mehreren Kult-Autos zu sitzen.

Von Jochen Knecht


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