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Borgward-Austellung: Der Mann der Isabella

Carl F.C. Borgward bescherte der jungen Republik 1954 ein echtes Kultmobil, die Isabella. In einem mysteriösen Konkurs verlor der geniale Konstrukteur 1961 sein Lebenswerk. Nun errinnert die Autostadt Wolfsburg an "50 Jahre Isabella".

Noch bis zum 28. Februar läuft im ZeitHaus der Wolfsburger Autostadt die Sonderausstellung "50 Jahre Isabella". Die Schau zeigt die erfolgreichsten Modelle aus Bremen. Vom "Leukoplast-Bomber" Lloyd 400 bis zur Pullmann-Limousine Hansa 2400. Carl F.C. Borgward war ein genialer Konstrukteur, ein mutiger Geschäftsmann und ein Einzelgänger, der schon in den zwanziger Jahren die Grundlage für seine Automobilfabriken legte. Angefangen hatte er mit einem Kleinbetrieb, der Bohnenschneidmaschinen hergestellt hatte. Seinen ersten Wagen, den so genannten "Blitzkarren", ließ er sich patentieren, und 1927 verließ der tausendste das Werk. Danach wurde der Goliath entwickelt. Nachdem Borgward die Bremer Automobilfabrik Hansa-Lloyd 1929 gekauft hatte, begann der Siegszug der Hansa-Modelle. Bei ihnen handelte es sich schon um "richtige" Wagen. In der Kriegszeit wurde die Produktion auf Kettenfahrzeuge - darunter befand sich auch der Sprengpanzer "Goliath" - und Zugmaschinen umgestellt. Nach 1945 lagen die Werke in Trümmern und Borgward wurde die Leitung seiner Werke wegen seiner Rolle als "Wehrwirtschaftsführer" kurzzeitig entzogen.

Mit dem Elan des Außenseiters

Aber dennoch schuf er mit dem 1500 Hansa die erste deutsche Nachkriegskonstruktion, zugleich die erste deutsche Limousine mit der in die Zukunft weisenden Pontonkarosserie. Während die etablierte Konkurrenz von Opel und Ford noch Vorkriegsmodelle vom Band laufen ließ, trumpfte der Auto-Pionier auf. Der "New Look aus Bremen" griff die Formsprache der US-Modelle auf, schrumpfte die Karossen aber auf bundesrepublikanisches Niveau ein. 48 PS hatte der Wagen immerhin unter der Haube. 10 PS mehr als der Mercedes 170V. Borgward hatte den Angriffsgeist des Pioniers, frech baute er Autos für die Bedürfnisse der Zeit. Seine Wagen repräsentierten den Fortschritt, sie boten technische Neuerungen und überzeugende Leistungen zu volkstümlichen Preisen.

1954 wurde dann die Isabella präsentiert, ein wunderschönes Auto mit legendärem Kultcharakter. Mit Chrom und Weißwandreifen zeigte sich in ihr die Sehnsucht nach einem vom Muff der Restaurationsära befreiten Lebensgefühl. Die Isabella kann als erste Sportlimousine gelten. Trotz ihres unbestreibaren Erfolges ging der Bremer Autobauer 1961 in Konkurs. "Diese lumpigen zehn Millionen! Die zahle ich doch im Frühjahr mit links zurück", soll Borgward vor dem Ende geschrien haben. Kurz zuvor wurde ihm vom Bremer Senat die Bürgschaft für den letzten von drei bereits garantierten Krediten verweigert. Fünf Tage später durfte Borgward seine ehemaligen Werke nicht einmal mehr betreten. Im September 1961 wurden die Werke liquidiert, in denen fast 20.000 Menschen beschäftigt und in denen über 1,2 Millionen Fahrzeuge produziert worden waren. Aus heutiger Sicht hatte Borgward zwar kaufmännische Fehler gemacht, dennoch war der Konkurs unnötig, eine Überschuldung nicht vorhanden. Nach Befriedigung sämtlicher Gläubiger blieben 4,5 Millionen Mark übrig. Bereits am 28. Juli 1963 starb der Auto-Pionier.

Kra

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