VG-Wort Pixel

Fahrzeugmängel Elektroautos schneiden beim TÜV nur durchwachsen ab – Tesla-Modell besonders anfällig

Ein KFZ-Mechaniker wartet in einer KFZ-Werkstatt ein Elektroauto
Ein KFZ-Mechaniker wartet ein Elektroauto in einer Autowerkstatt. Elektroautos fallen beim TÜV nicht selten mit Mängeln auf. (Symbolfoto)
© Marijan Murat / Picture Alliance
Wie schlagen sich Elektroautos eigentlich beim TÜV? Darüber gibt es bisher kaum Informationen. Doch erste Ergebnisse zeigen: Elektroautos schneiden beim TÜV nur durchwachsen ab. Und ausgerechnet das Model S des Vorreiters Tesla ist besonders anfällig.

Statt einen Verbrenner soll bald praktisch jeder ein Elektroauto fahren. Dennoch lässt sich bislang kaum etwas über mögliche TÜV-Mängel sagen – nicht nur, weil die Fahrzeuge eine ganz andere Mechanik aufweisen, sondern auch, weil sie schlichtweg noch nicht so lange auf den Straßen unterwegs sind. Ihre Zulassungen in Deutschland haben erst in den vergangenen Jahren eine nennenswerte Menge erreicht.

Doch erste Untersuchungsergebnisse von Elektroautos lassen sich vermelden. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands sagt gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Erstmals sind ausreichend viele Elektroautos bei den TÜV-Prüfstellen vorgefahren, um eine vorläufige Bewertung der technischen Sicherheit der Fahrzeuge vornehmen zu können."

Smart ist Spitzenreiter, Tesla auf letztem Platz

Konkret gibt es erste Informationen zu den Modellen BMW i3, Renault Zoe, Smart Fortwo Electric Drive und Teslas Model S. Das Smart-Modell erzielte das beste Ergebnis mit einer Mängelquote von 3,5. Im TÜV-Report stünde das Modell damit im vorderen Drittel.

Danach folgt der BMW i3 mit einer 4,7-prozentigen Durchfallquote. Das erste eingeführte Elektroautomodell bei BMW mit Markteinfuhr im Jahr 2013 fällt durch defekte Abblendlichter sowie defekte Bremsscheiben negativ auf. Es würde damit ebenfalls im Mittelfeld landen.

Defekte Bremsen sind bei Elektroautos allerdings nicht ungewöhnlich. Bühler erklärt: "Probleme mit den Bremskomponenten sind typisch für E-Fahrzeuge, da sie im Vergleich zu Verbrennern deutlich seltener benutzt werden und deshalb häufiger korrodieren." Schließlich bremst ein Autos mit Elektromotor durch die Rekuperation, bei der es Bremsenergie zurückgewinnt, automatisch ab, wenn der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nimmt. Die Betätigung des Bremspedals zum Bremsen ist damit nicht immer zwingend nötig – anders sieht das bei einer Vollbremsung aus. Brühler rät: "Besitzer von E-Autos sollten die Bremsen möglichst bei jeder Fahrt betätigen und diese regelmäßig warten."

Nachdem der Renault Zoe bereits beim NCAP-Crashtest 2021 durchfiel, hat das beliebte Modell auch beim TÜV vergleichsweise schlecht abgeschnitten. Mit einem Mängelschnitt von 5,7 Prozent reichte es bloß für einen Platz im letzten Drittel. Grund für das Scheitern bei der Hauptuntersuchung sind neben defekten oder schlecht eingestellten Scheinwerfern vor allem Mängel an den Achsaufhängungen. Letzteres lässt das im Jahr 2013 auf den Markt gekommenen Modell überdurchschnittlich oft durchfallen.

Die schlechtesten Werte der vier Elektromodelle weist allerdings das Tesla Model S auf. Auch hier häufen sich Mängel am Nebellicht sowie Abblendlicht. Die Querlenker des Fahrzeugs liefern eine Durchfallquote von 10,7 Prozent. Damit landet die Limousine auf dem drittletzten Platz unter allen aufgeführten Verbrennern des Reports. Dahinter kommen nur noch die Dacia-Modelle Duster und Logan.

TÜV-Report 2022: Fast jedes fünfte Auto durchgefallen

Der jährliche erscheinende TÜV-Report stellt das Ergebnis aller Hauptuntersuchungsergebnisse in Deutschland dar und berichtet über den technischen Zustand von 222 verschiedenen Fahrzeugmodellen. Wie aus dem TÜV-Report 2022 hervorgeht, sind 17,9 Prozent aller Fahrzeuge bei der Hauptuntersuchung (HU) mit "erheblichen" oder "gefährlichen Mängeln" durchgefallen. Der Anteil der Pkw mit geringen Mängeln sank um 0,5 Punkte auf 9,1 Prozent. Rund 100.000 Fahrzeuge hätten mit "gefährlichen Mängeln" wie zerschlissenen Bremsscheiben, stark beschädigten Reifen oder einem Komplettausfall der Bremslichter sofort in die Werkstatt gemusst. Besonders häufige Mängel werden an der Fahrzeugbeleuchtung festgestellt. Darüber hinaus fallen mangelhafte Bremsen und Ölverlust häufig auf.

Sieger des Reports ist der Mercedes GLC. Die Quote der erheblichen Mängel des SUVs liege bei den zwei bis drei Jahre alten Fahrzeugen bei nur 1,5 Prozent. Die Mercedes B-Klasse und der Volkswagen T-Roc belegen den zweiten bzw. dritten Platz. Bei der Unterteilung in Fahrzeugklassen steht der Opel Karl an der Spitze der Mini-Klasse, der Audi A1 bei den Kleinwagen, die Mercedes A-Klasse bei der Kompaktklasse, die C-Klasse bei der Mittelklasse und die Mercedes B-Klasse bei den Vans.

Außerdem zeigt sich im Report: "Je älter die Autos werden, desto höher sind die Mängelquoten." Mit der zunehmenden Menge an Elektroautos dürfte es in ein paar Jahren also mehr TÜV-Daten zu den Fahrzeugen geben.

Quellen: BildTÜV-Report

nk

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker