HOME

A-Klasse: Das Wohlfühl-Sternchen

Die neue Generation des kleinen Benz ist erwachsen geworden und ganz angekommen im Daimler-Reich. Die neue A-Klasse trägt den Stern zu Recht.

Da steht sie nun, die neue A-Klasse. Schon auf den ersten Blick ist die Fortsetzung optisch gelungen. Der Neue lässt sich als A-Klasse wieder erkennen, ohne ein langweiliger Neuaufguss zu sein. Im Innenraum geht es deutlich erwachsener zu als in der ersten Generation, auf jugendliche Experimente wurde dieses Mal verzichtet. Außen ist der ehemalige Baby-Benz um 232 mm in der Länge und 45 mm in der Breite gewachsen, bringt aber deutlich mehr Pepp in die bekannte "One-Box"-Form. Vorne wölbt sich die Motorhaube markant über dem Motor, die Scheinwerfer-Augen blicken fordernd in die Welt. Ausgestellte Kotflügel und markante Seitenlinien sorgen für dynamische Würze. Zum Start im Herbst steht außerdem eine günstigere Variante als Dreitürer zur Verfügung. Für den Single-Fahrer, der nicht regelmäßig Passagiere befördert, ist das die Möglichkeit 900 Euro einzusparen, obendrein sieht der Dreitürer sportlicher aus. Adrenalin setzt das Design der A-Klasse bei allen Neuerungen nicht frei. Sympathisch und dabei unauffällig aber eigenständig wäre die Bezeichnung für den Gesamteindruck. Die Preise beginnen für den 95 PS Benziner bei 17.632 Euro (Dreitürer) beziehungsweise 18.502 Euro (Fünftürer). Auch ohne übertriebene Sonderwünsche sollte zumindest der Preis für die Ausstattungs-Pakete der Linien "Elegance" und "Avantgarde" von 1.740 Euro hinzu addiert werden.

Viel Platz in kleinen Maßen

Im Innenraum will sich die A-Klasse mit einem besseren Raumangebot von der Konkurrenz und mit gediegenerem Interieur von der eigenen Vergangenheit absetzen. Die erste Überraschung: Man sitzt hoch, ohne jedoch die besondere Lieferwagen-Sitzhöhe eines echten Vans unterm Knie zu spüren. Grund ist das Sicherheitskonzept des kleinen Mercedes. Damit der Motor bei einem Frontcrash unter der Kabine wegtauchen kann, liegt der Boden relativ hoch. Der Nachteil: Die Füße kommen dem Beifahrer höher entgegen, als man er es erwartet hatte. Die zweite Überraschung: Gilt das kleine Sternchen nicht als bester Freund der Frauen? Doch wo sind die vielen kleinen Stauräumchen, die die Damenwelt so schätzt? Im Handschuhfach? Da hat es sich im Testwagen der nicht serienmäßige CD-Wechsel eingerichtet, Platz bleibt allenfalls für die CD-Hüllen. Ein Aschenbecher, ein Cupholder, das Halte-Netz am Mitteltunnel (Achtung: Aufpreis), und eine Lade unter dem Fahrersitz (Achtung: Aufpreis) - Das sind die vom Fahrer erreichbaren Stauräumchen. Nicht gerade viel um den rollenden Hausrat zu verstecken.

Ist die A-Klasse ein Fall für Sie?

Doch sonst herrscht Anlass zur Freude. Die Innenausstattung verzichtet darauf, das Thema "Mercedes goes Pop" zu interpretieren. Daher wissen die Insassen in der zweiten Generation nicht nur, dass sie in einem Mercedes sitzen, sie sehen und spüren es auch. Gediegene Materialen umgeben ein funktionales, sachliches Mercedes-Cockpit. Für einen Wagen von nur 384 mm Außenmaß sitzt es sich ausgesprochen üppig. Besonders in der zweiten Reihe werden opulente Maße geboten. Auch hinter einem Fahrer von 180 Zentimetern Körpergröße findet ein ebenso großer Mann bequem Platz. Der Abstand zwischen Knie und Fahrersitz liegt dann bei fast zehn Zentimeter. Damit ist Wagen für vier Personen uneingeschränkt reisetauglich. Das Kofferraumvolumen erreicht stattliche 435 Liter. Durch Umlegen der Rückbank wächst es auf knapp 1.500 Liter.

Innen drin sitzt es sich großzügig und licht. Die vorderen Fenstersäulen gerieten so rank und schlank, dass sie kaum den Blick verdecken. Die weit herunter gezogen Seitenscheiben verbessern die Sichtverhältnisse weiter. Auch als Kleintransporter verdient die A-Klasse eine Empfehlung. Mit wenigen, ganz einfachen Handgriffen lässt sich die Rückbank umlegen. Für alle alltäglichen Transportaufgaben dürfte der Wagen damit gerüstet sein. Genial, wie viele einfache Dinge, ist der höhenverstellbare Laderaumboden, so lässt sich viel mehr lästiger Kleinkram unter ihm in der Reserveradmode "verstecken".

Mit dem Easy-Vario-Plus Lade-System (350 Euro Aufpreis) lassen sich Rücksitze und Beifahrersitz komplett entfernen und die Lehne des Beifahrersitzes umklappen. Ob die Mehrausgabe sinnvoll ist, muss jeder selbst entscheiden, denn alle Intelligenz der Ingenieure verwandelt einen Wagen dieser Größe nicht in einen Ladegiganten. Und auch wenn sich das Gestühl bequem entfernen lässt, bleibt es für Nicht-Garagenbesitzer eine schweißtreibende und knifflige Angelegenheit, das ausgebaute Interieur zuerst in der Wohnung zu verstauen, um es dann nach dem Transport wieder einzubauen.

Komfort und Eleganz

Serienmäßig liefert die A-Klasse ein Weltnovum in dieser Fahrzeugklasse: Ein selektives Dämpfungssystem passt die Stoßdämpfer automatisch an die jeweilige Fahrsituation an. Eine weiche Dämpfung sorgt für Komfort bei der Geradeausfahrt, eine harte Abstimmung verhindert Schwabbeln in der Kurve.

Qual der Wahl

Die Motorenpalette ist bereits zum Start einrucksvoll komplett. Vier Benziner (95, 116, 136 und als Turbo mit 193 PS) und drei Diesel (82, 102 und 140 PS) stehen zu Wahl. Die Spitzenmotorisierung verwandelt den Benz in einen rasenden Einkaufswagen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt dann bei 227 km/h. Die A-Klasse ist ein an Status und Komfort orientierter Kompaktwagen, aber keine reine Fahrspaß-Maschine. Der Wagen lässt sich mit schwächeren Motorisierungen fahren, ohne dass permanent irgendein Mangel spürbar wäre. Fahrer, die den Wagen meist in der Stadt und nur gelegentlich auf Langstrecken benutzen, werden auch ohne unbändige Kraft unter der Haube glücklich. Unverständlich und kein Imageplus bleibt, dass der Partikelfilter für die Dieseltriebwerke nur "auf Wunsch" und gegen einen Aufpreis von 522 Euro erhältlich ist.

Nimm mich!

Im unüberschaubaren Meer der Kompaktwagen und kleinen Vans bietet Mercedes eine eigenständige Lösung, die auf Vernunft, Sicherheit und Komfort setzt. Die A-Klasse punktet mit einem ausgezeichneten Platzangebot und pfiffigen Lösungen zum Thema Variabilität im Innenraum, bei einem nach wie vor erstaunlich kleinen Fahrzeug. Hinzu kommt die wertige Anmutung, die endlich auch innen Mercedes-Standart erreicht. Nicht zuletzt gibt es den Nimbus der Premium-Marke mit dem Stern, dafür müssen etwa 1.000 Euro mehr als für einen ähnlich ausgestatteten Golf investiert werden.

Gernot Kramper

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.