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Audi A1: Du kleines Großmaul

Von vorn sieht er aus wie ein Großer, dafür sorgen der mächtige Grill und die ausdruckstarken Scheinwerfer. In Audis Kleinwagen kann man es sich so gemütlich machen, wie in einer Businesslimousine, wenn nur die Extrakosten nicht wären.

Von vorn sehen alle Audis gleich aus, wird gemostert. Fein, davon kann der Kleinste nur profitieren. Die Frontoptik ist allerdings nur dann imposant, wenn sie mit der LED-Girlande versehen wurden. Dass der A1 der kleinste Audi ist, fällt dann im Rückspiegel gar nicht weiter auf. Und – was dann doch noch wichtiger ist - auf den vorderen Sitzen auch nicht. Entsprechend ausgestattet umgarnt der Wagen seine Passagiere mit dem unaufdringlichen Charme gehobener Lebensart. Verarbeitung und Zubehör wie Soundanlage und Navigation entsprechen hohem, wenn nicht gar höchstem Niveau. Ein Unterschied zu einem Wagen der gehobenen Mittelklasse kann man nur auf sehr langen Strecken spüren. Nur sehr große oder sehr dicke Piloten dürften den Platz etwas schmal geschnitten empfinden.

Was geht nicht

Natürlich ist der A1 kein A6 und er wird auch nicht zum Konkurrenten zum betagten A3 Sportback. Zumindest dann, wenn man den Raum hinter der B-Säule nutzen möchte. Die Plätzchen in der zweiten Reihe sind nicht der Rede wert. Der A1 ist kein vier Meter lang und ein Zweisitzer – auf Kurzstrecken können hinten zur Not zwei Personen einsteigen. Die Beifahrer sollten geschmeidig und gelenkig sein. Auch der Kofferraum ist schon im Alltagseinsatz überfordert. Mag sein, dass ein Audi-Ingenieur dort akkurat Getränkekisten unterbringen kann, der Tester hat die Rücklehne umgeklappt. Schlimm ist das nicht, beim Mini ist es auch nicht anders und als Familienwagen hat Audi den A1 nicht angepriesen. Zu zweit passt eine Menge hinein – eben mit umgeklappter Rückbank.

Ein derart kompaktes Auto ist nicht für endlose Kilometer auf der Autobahn geschaffen. Was die Straßenlage angeht, kann man dem A1 jedoch auch lange Reisen zumuten. In keinem Moment fühlt man sich im Audi schlecht aufgehoben. Neben dem edlen Innenraumdekor trägt die sehr gute Geräuschdämmung maßgeblich zum Premiumgefühl bei. Weder knarzt etwas an Bord, noch schüttelt oder rüttelt es. Es wurde kritisiert, dass die Lenkung des A1 nicht diese besondere, messerscharfe Präzision erreicht. Der Alltag konnte das nicht bestätigen. Der kleine Audi fühlt sich größer, komfortabler und souveräner an, als man vermutet. An eine Rallyerakete erinnerte allerdings nichts.

Zwei Zielgruppen

Für wen wurde der kleine Audi nun geschaffen? Der kleine Audi kann ein Wagen für echte Premium- oder Audi-Einsteiger sein. Von einem Wagen wie dem Testfahrzeug sollten Einsteiger allerdings die Finger lassen, wenn sie sich dieselben nicht an einem Listenpreis von fast 35.000 Euro verbrennen wollen.

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Der Einstieger muss bei der Einstiegsvariante bleiben, eventuell zu einer Tageszulassung mit einem der typischen Händlerpakete greifen. Und selbst der kleine 1.2 TFSI Motor bewegt den Wagen frisch (ab 15.800 Euro), mit dem größere 1,4-Liter-Motor (ab 18.200 Euro) mit Direkteinspritzung und Turboaufladung unter der Haube hat man während des Testzeitraums nie das Gefühl gehabt, untermotorisiert zu sein. Dies gilt natürlich nur, wenn man nicht fürs automobilen Kräftemessen teilnehmen will. 122 PS reichen auch beim Audi nicht für Verfolgungsorgien auf der Autobahn. Sanft bewegt bekommt man den Motor nahe an die offiziellen Verbrauchsangaben. Etwas über sechs Liter sind möglich, aber wenn er getreten wird, will der Motor auch mal acht Liter konsumieren.

Ein idealer Kunde wäre jedoch derjenige, der sich sehr wohl einen Q5 oder A6 leisten könnte, aber partout ein luxuriöses Stadtfahrzeug sucht. Wenn man die Endpreise nicht kleingeistig mit Skoda und Co vergleicht, kann man in den Extras schwelgen und sich freuen, dass der A1 immer noch viel günstiger als Q5 ist.

Wer mit den bescheidenen Ausmaßen leben kann, ist mit dem kleinen Audi gut bedient. Der Lifestylefaktor ist ebenso hoch wie der Wohlfühlfaktor. Ein Problem besteht aber immer: Die in den Fahrberichten vielbesungenen Extras aus dem Oberhaus treiben den Preis des Miniwagens gewaltig nach oben. Disziplin ist also gefragt. Damit der A1 ein wenig nach Premium schmeckt, sollte man mindestens 4000 Extra-Euros für eine halbwegs passable Grundausstattung einplanen.

Gernot Kramper
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