HOME

Audi RS5: Kurven-Knaller mit Proll-Geräuschen

Reiche Männer dürfen ab Juni ein neues Spielzeug kaufen. Für 77.700 Euro schickt Audi mit dem RS 5 nicht nur ein bildschönes Coupé auf die Straße, der V8-Bolide soll auch seinem Erzfeind BMW M3 in allen Belangen um die Ohren fahren.

Von Michael Specht

So richtig raus will Dieter Weidemann nicht damit. Ob denn nun der BMW M3 langsamer durch die Kurven geht als der Audi RS 5? Weidemann ist Audi-Mann und darf sich von Berufs wegen zur Konkurrenz nicht äußern. Nur so viel: "Gegen unseren neuen Quattro-Antrieb dürften es die Gegner sehr schwer haben." Weidemann hat entwickelt, was sich unterm Topmodell der A5-Baureihe dreht, spricht stolz von "selbstsperrendem Kronen-Mittendifferenzial", das "rein mechanisch und ohne jeglichen Zeitverzug anspricht" und zudem erstmals in Verbindung mit "radselektiver Momentensteuerung" arbeitet. Auf deutsch heißt dies: Der RS 5 geht ums Eck wie auf Schienen, er drängt bei zu viel Tempo nicht zum Kurvenaußenrand (untersteuert) und verteilt seine Kräfte so geschickt auf die Achsen, dass man als Fahrer das Gefühl von "Warum flieg ich hier eigentlich nicht gleich ab?" hat. Kein Zicken, kein Schwänzeln, sanft kündigt sich der Grenzbereich an, die Elektronik hat den Allrad-Audi fest im Griff.

Spaßtreiber: V8 und 7-Gang-DSG

So etwas verleitet natürlich zum leicht Rasen, zum Kurvenräubern, zu mitunter gefährlichen Überholmanövern, frei nach dam Markus-Motto: "Ich geb’ Gas, ich will Spaß". Denn neben dem Quattro-Antrieb stecken unter dem RS 5 auch ein fetter Achtzylinder mit 450 PS sowie ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Letzteres wechselt die Gänge im Wimpernschlag und stößt beim Hinaufschalten bei höherer Drehzahl einen dumpfen "Rülpser" aus, weil kurzzeitig die Zündung weggenommen wird. Audi nennt dies "Zylinderausblendung". Geht’s mit den Gängen abwärts, schickt die Elektronik ein ziemlich lautes Zwischengas durch die Auspuffklappen. Ein bisschen Proll-Sound scheinen finanzkräftige Männer zu mögen.

Blister im Blech

Dafür hält sich der RS 5 optisch angenehm zurück, verzichtet auf übliches Anabolika-Zubehör. Erst auf den zweiten Blick fallen die "Blister" ins Auge, jene kleinen waagerechten Kanten auf den Kotflügelverbreiterungen, die an den Ur-Quattro von 1980 erinnern sollen. Audi scheute weder Kosten noch Mühe, seinem sportlichsten Fünfer ans Blech zu gehen, kaufte dafür sogar neue Presswerkzeuge. Auch der Kofferraumdeckel mit dem integrierten, ausfahrbaren Spoiler ist neu, ebenso Front- und Heckschürze. Innen sollen Schalensitze, ein perforiertes Lederlenkrad, ein paar Carbon-Zierteile und Metallblenden auf Pedale und Fußstütze fürs nötige Pistenfeeling sorgen. Wie von Audi gewohnt, liegen Verarbeitung und die Qualität der Materialien auf Top-Niveau. Keiner in der Klasse hält hier mit. Und bei aller Sportlichkeit des RS 5 hat man nicht einmal den grauen Autoalltag vergessen. Beide Rückenlehnenteile der hinteren Bank lassen sich vom Gepäckabteil aus flach legen und geben so viel Raum frei, dass selbst ein Mountainbike liegend in das Audi-Coupé passt.

Verbrauch? Zwischen zehn und 23 Liter

Der RS 5 ist nach RS 4 und R8 V10 der dritte Audi mit dem so genannten Hochdrehzahlkonzept HDZ. Um den 4,2 Liter großen Achtzylinder-Direkteinspritzer FSI statt wie bislang mit 7000 nun bis zu 8500/min drehen zu lassen, mussten die Motoren-Techniker tief ans Eingemachte. Bewegliche Teile wie Kolben, Pleuel und Kurbelwelle wurden durch leichtere und reibungsoptimierte ersetzt. Zudem erhielt der V8 andere Lager, andere Kolbenringe, eine zweiflutige Ansauganlage und weniger Gegendruck im Abgassystem. Ergebnis der Leistungskur: Statt 350 PS wie im S 5 treiben den RS 5 nun 450 Pferde nach vorn. "Jedes PS muss nur 3,83 Kilo bewegen", sagt Projektleiter Matthias Nöthling, verspricht 4,6 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und gleichzeitig den "niedrigsten Verbrauch unter allen Wettbewerbern". Den EU-Normwert von 10,8 Litern pro 100 Kilometer können sich RS 5-Fahrer jedoch getrost in die Haare schmieren. Im Cruising-Schleich-Modus fährt kein Mensch solch einen Boliden und nach unserer ersten Testfahrt im Hochland Südspaniens zeigte der Bordcomputer 23,4 Liter an. Irgendwo dazwischen dürfte der Alltag liegen.

100.000 Euro sind kein Problem

Doch RS 5-Eigner gehören nicht zu jenen Menschen, die an der Tankstelle weinen. Täten sie es, säßen sie im falschen Auto. Schließlich verlangt Audi für das Topmodell der Baureihe ambitionierte 77.700 Euro. Und dabei bleibt es nicht. Ein gedämpftes "Suzuka"-Weiß kostet 2255 Euro Aufpreis, 20-Zoll-Räder verlangen nach 1700, die Dynamiklenkung nach 1000 Euro. Wer seinem Nachbarn mit Keramik-Bremsen und einem coolen Auspuffsound imponieren möchte, muss weitere 7000 Euro hinlegen. Für 2800 Euro umschließen Fahrer- und Beifahrer zwei Schalensitze, soll alles nach Leder duften, sind dafür 4300 Euro fällig. Und selbst eine kleine "Software-Manipulation" lässt sich Audi attraktiv bezahlen. Will der Kunde – und man kann sicher sein, dass jeder will – sich nicht von Hans und Franz in ihren halb so teueren Knallkisten verblasen lassen, schaltet Audi den RS 5 auch "frei", für 1500 Euro. Statt bei elektronisch gebremsten 250 km/h endet der Vorwärtsdrang dann bei 280 km/h.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.