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BMW 130i: Rasende Versuchung

Kurzfristig durften sich GTIs und OPCs als Hirsche auf der Autobahn fühlen, aber nun kommt der echte König der Kompakten. Wer an seinem Steuer Platz nimmt, wird verwandelt und verlässt den Fahrersitz wie neugeboren.

Zeit wurde es auch, an den Start ging der neue 1er mit einer Motorenpalette, die Freunde des Benziners frustrierte. Den 120i mit 150 PS und vier Zylindern mag man nicht "müde" nennen, er ist aber leider gar nicht spektakulär. Die Zeiten des ganz Normalen sind nun vorbei, der Münchner Sechszylinder mit 265 PS verbannt alle Konkurrenten auf die Standspur.

Kann der neue 130i Sie verführen?

Das ganze Fahrzeug wirkt, als wäre es für diesen Motor gebaut worden und hätte das erste Baujahr nur im Wartestand verbracht. In der Querschnittzeichnung schockiert das Triebwerk mit fast obszöner Größe angesichts des knapp bemessenen Blechkleides. Von außen gibt sich der Kraftprotz dabei nicht zu erkennen, ganz unspektakulär wird er 130i genannt, der Laie erkennt keinen Unterschied. Eine Wohltat. Der Kleine von BMW hast es nicht nötig, mit aufgeblasenen Backen, fetten Hutzen und wilden Spoilern Eindruck zu schinden, er überzeugt durch Fahrleistung und nicht durch Flammen auf der Haube.

Suchtgefahr

Der Dreiliter-Sechszylinder begeistert bereits im neuen 3er. In dem kleineren 1er raubt er die Sinne. Leistung ohne Ende, ein hammerharten Antritt und ein Sound, der süchtig macht. Dabei lässt sich der 1er durchaus auch gemächlich und ruhig bewegen. BMW ist das Kunststück gelungen, hier einen absolut alltagstauglichen Wagen mit Sportleistungen auf die Straße zu stellen. Im Alltag zeigt er vornehme Zurückhaltung und gehört nicht zu den Gesellen, die vor Kraft kaum noch laufen können und selbst in der verkehrsberuhigten Spielstrasse als Formel 1-Bolide auftreten wollen. Lässt man den BMW aber laufen, gibt es kaum ein Fahrzeug, das so schnell so glücklich machen kann. Lenkverhalten und Spurtreue machen süchtig.

Mustang-Fahrer blamiert sich bei Show-Einlage

Dass BMW der PS-Welt mit dem 1er eine unglaubliche Fahrspaßmaschine geschenkt hat, ahnte man bereist im letzten Jahr. Nur gab es keinen Motor, der das Potential des Fahrwerks erschlossen hätte. Hauptvorteil des 1er ist der Antrieb durch die Hinterachse. Zerren bei anderen Kompaktsportlern die Kräfte rasch an der Lenkung, gelang es hier, das Lenkverhalten vom Antrieb zu entkoppeln. Souverän springt der kleine BMW in 6,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Bei 250 km/h wurde leider abgeregelt. Dabei wird der Wagen auch jenseits der 220 km/h nicht nervös. Wegen der geringeren Länge liegt er nicht so ruhig wie ein 7er, aber doch so, dass der Pilot keinerlei Beunruhigung verspürt. Der hat auch anderes zu tun, nämlich den Rausch von Spurtvermögen und Geschwindigkeit genießen. Nach einigen Kilometern lässt der Fahrer die irdischen Nöte und Beengungen weit hinter sich.

Angesichts dieser Wellness-Maschine für die Piloten-Seele kann auch ein SuperPlus-Durst von 9,2 Litern nicht schocken, geht es beim Fahren dieses Wagens doch nicht um die Lösung eines Transportproblems, sondern um den Genus des Himmels auf Rädern. Wem diese Argumentation angesichts der Spritpreise nicht einleuchten will, dem droht auch keine Gefahr vom 130i. Er darf Benzin sparen, denn für ihn wurde dieser Wagen nicht gemacht.

Heiße Reifen, heiße Preise

GTIs und OPCs lässt der flotte 1er auch in Sachen Preisgestaltung hinter sich. 265 PS lässt sich BMW mit 32.500 Euro bezahlen. Für einen Wagen der "Einsteigerklasse in die BMW-Welt" bereits ganz ordentlich, aber andererseits nur ein "Einstiegs-Billet". Unbedingtes Muss ist das optionale M-Sportpaket (2100 Euro), damit erst macht Kleine richtig etwas her. Kommen dann noch Ledersitze, Navigation, Xenonlicht und/oder größere Felgen hinzu, durchbricht man die 40.000 Euro-Grenze genauso so schnell wie die 100km/h-Marke.

Für Hobby-Piloten

Selten war es leichter, unvernünftig zu sein. Vom Preis ist der schnelle 1er kein Einstiegswagen mehr, von den Fahrleistungen aber ein High-End-Fahrzeug. Der 130i ist der Idealfall eines Kompakten von BMW, bis in die letzte Schraube auf Fahrspaß und Leistung getrimmt. In der Rennversion fallen Ungereimtheiten des kleinen BMW wie das sparsame Platzangebot in der zweiten Reihe nicht negativ auf. Der Sportler stellt seine eigenen Gesetze auf. Wer ihnen gehorcht, wird ab dem nächsten Sommer im holländischen Zandvoort mit einer speziellen Rennserie für dieses Auto belohnt. Wer rechtzeitig bestellt, kann vorher schon üben.

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