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BMW 3er: Der Himmelsstürmer

Schneller, besser, schöner - und nicht teurer. BMW lässt den neuen 3er von der Leine. Eine Sportlimousine, die die Konkurrenz fürchten sollte, und die mehr Rennsport-Feeling als jemals zuvor auf die Straße bringt.

Fast das Ende einer Dienstfahrt

Fast das Ende einer Dienstfahrt

Feucht und kühl kriecht der Morgennebel Pablo und Francesco unter den klammen Stoff der grünen Uniform. Die erste Runde in ihrem Revier in der Reserva Nacional de Muela des Cortes hatten sie hinter sich. Nichts Ungewöhnliches war passiert, wie immer. Heute war kein Markttag, kein Kirchgang, es würde auch nichts weiter geschehen. Abgesehen von einem mageren, alten Hund am Straßenrand. Ein Streuner, ausgesetzt schon vor Jahren. Das war seine letzte kalte und hungrige Nacht. Pablo und Francesco hatten ihn gesehen und vorhin am Steuer ihres überhitzten Geländewagens beschlossen, den Kadaver später mit einem Müllsack einzusammeln. Jetzt sitzen sie beim Frühstück, der Milchkaffee schwappt behaglich in der Tasse. Plötzlich ein Röhren. Ein nagelneuer BMW schießt durch das Dorf. "Bueno", gähnt Pablo anerkennend und wärmt beide Hände mit der dampfenden Tasse. "Roooar" noch ein BMW knallt vorbei, der Kaffee bebt, dann gleich wieder einer. In ihrem Dorf! Weit jenseits der erlaubten 20 km/h! Pablo und Francesco erheben sich. Heute passiert doch etwas.

Sind Sie im Herzen ein 3er-Pilot?

Szenenwechsel: Eine staubige Hochebene, schnurgerade zieht sich die Strasse dahin. Der Motor des BMW 330i dreht auf 7000 Umdrehungen hoch. Der Wagen nimmt die Straßenkuppen, satt kleben die Pneus nach den Erhebungen auf der Fahrbahn, dann fällt die Strecke in wilden Serpentinen in das Tal hinab, das sich der Fluss in den Sandstein gefräst hat. Bremspunkt finden, Einlenken und wieder Beschleunigen. Unglaubliche Kraft versprüht der Wagen, Agilität und Spritzigkeit. Der Morgen ist ein Fest. Ein kleines Dorf. Der Fuß geht widerwillig vom Gas. Und dann, der Herzinfarkt eines Autoredakteurs, die Kelle der Guardia Civil am Straßenrand. Dort stehen sie aufgereiht auf dem Marktplatz, die nagelneuen Dreier. In jedem ein Paar Autotester, alle zerknirscht. Auf den Beifahrersitzen dankt man dem Schicksal, dass man nicht selbst am Steuer saß. Streng mustern die Polizisten Fahrzeugflotte und Piloten. Ein Test in ihrem Dorf. Von BMW aus München. Der neue Dreier. "Si", beide nicken ernst. Richten das Käppi, strecken sich, verkörpern jetzt ganz die Staatsgewalt. Eine Gewalt die heute verzeiht, ein Winken und die knappe Ermahnung. "Ruhig und verantwortungsbewusst" möge man fahren in der Reserva Nacional. Deutlich verhaltener geht es weiter in die Serpentinen-Landschaft. Die Sonne vertreibt den letzten Raureif am Straßenrand. In einer Kurve liegt ein magerer Hund. Traurig schauen seine blicklosen Augen dem neuen 3er hinterher.

Große Tradition

Das war die Auto-Poesie, nun kommen die Fakten. Selten gab es so bange Erwartung und so große Erleichterung beim Anblick eines neuen Fahrzeugs wie beim neuen 3er. Und niemand, dem das Schicksal von BMW am Herzen liegt, kann enttäuscht sein: Der 3er ist eine Sportlimousine an der optisch alles stimmt und an der nichts zuviel ist. Keine Tränensäcke an den Scheinwerfern, keine Wickelauflage am Heck, dafür ein selten strammes Stück Stahl. Der Start dieses Dreiers wird nicht von Gemäkel am Design begleitet werden. Für Experimente ist der 3er auch BMW zu wichtig. "Der 3er macht 40 Prozent unseres Volumens aus. Daran kann man erkennen, welche immense Bedeutung er für uns hat", sagte BMW-Entwicklungsvorstand Burkhard Göschel bei der Präsentation. Eine richtige Entscheidung, auf kaufhemmende Experimentierlust am Zeichentisch zu verzichten. Der 3er schwelgt weder im Blechbarock noch im Zeigestolz des Besitzenden, sein Signal lautet schlicht und stolz: Schaut her, ich bin das das sportlichste Auto meiner Klasse.

Dynamisch steigt die Front an, Kabine und Frontscheibe sind knapp nach hinten versetzt. Die gewölbte Frontpartie verkürzt den Überhang im Bug noch weiter. Scheinbar ist nach den Reifen bereits Schluss. Sehr elegant wirken die beiden Bänder auf der gepfeilten Haube. Die Doppelniere vorn wurde geteilt, ihr Augenaufschlag hat eine Spur zuviel Chrom bekommen. Die Seitensicke wird von einem schmeichelnden Auf und Ab von konkaven zu konvexen Formen gebildet, eine Form, die erst die Hand wirklich versteht. Atemberaubend der Po. Straff zieht sich der Abschluss über dem Heck zusammen, kräftige Linien über den Radkästen deuten die Muskeln an. Die dominanten Rückleuchten besorgen den markanten Abschluss. Optisch präsentiert sich der 3er aus der Schrägsicht am vorteilhaftesten, dann wird er zum straffen Kraftkeil. Die Form drängt nach vorn, die Radkästen signalisieren Power und Bodenhaftung. Der Neue ist auf 4,52 Meter gewachsen, sein Gewicht blieb aber gleich. Der Zuwachs im Vergleich zum Vorgänger beträgt 49 Millimeter in der Länge, 78 Millimeter in der Breite und zehn Millimeter in der Höhe. Mit der Rückbesinnung auf eine Form, die die Kernidee der Sportlimousine ohne Experimente schnörkellos umsetzt, startet dieser 3er mächtig in die Zukunft.

Wie der Wagen, so die Fahrer

Der Einstieg vorn, wie hinten verlangt von den Passagieren eine gewisse Sportlichkeit. Hinter dem Steuer sitzt man, wie zu erwarten, fürstlich, hinten zumindest bequem. Nur sehr große Personen bekommen Probleme mit der abfallenden Dachlinie. Der Innenraum glänzt im gewohnten neuen BMW-Erscheinungsbild, bietet daher keine wirklichen Überraschungen. Verarbeitung und Wertigkeit der Materialien überzeugen, das sollte bei dem Preisniveau aber auch eine Selbstverständlichkeit sein. Die optionalen Sportsitze bieten die aus dem M3 bekannte Breitenverstellbarkeit der Lehnen. Damit passt der Sitz jeder Figur wie angegossen. Ebenfalls erhältlich ist das I-Drive System. In der entschlackten Version lässt es sich, anders als der Ruf fürchten lässt, problemlos bedienen. Nur der Schlüssel ist nicht mehr, was er einst war. Der neue Dreier startet per Knopfdruck, mit dem optionalen "Comfort Access" kann der Schlüssel dabei in der Tasche bleiben.

BMW mit Schublade

Die sportliche Form lässt einen mit 460 Litern ausreichend großen Kofferraum. Eine empfehlenswerte Durchlademöglichkeit kostet natürlich extra. Fürs Heck gibt es eine praktische, optionale Schublade, damit der Kleinkram nicht im Laderaum umherrollt. Unter ihr lassen sich noch Getränkekisten verstauen, dennoch wirkt der verbleibende Frachtraum unter der Schiebe dunkel und schmal. Die gesamte Konstruktion ist patent und praxisgerecht, mutet - gemessen an der sonstigen Perfektion - aber ein wenig improvisiert an.

Fahren wie ein junger Gott

Form und Innenraum sind wichtig, entscheidend ist aber die Performance auf der Straße. Nicht nur optisch gelang die Weiterentwicklung einer großen Tradition. Schon beim ersten Kontakt mit dem Lenkrad spürt der Fahrer, dass das Fahrverhalten des 3er noch weiter verbessert worden ist. Der Wagen verspricht, sich in jeder Situation am Boden festzusaugen. Er signalisiert, unbegrenztes Zutrauen und direkten Kontakt zur Fahrbahn. Auch ohne Sportfahrwerk - mit ihm geht es 15 Millimeter tiefer - klebt der Wagen auf der Strecke. Bei schlechten Belägen und scharfer Fahrweise bleibt der Wagen dabei komfortabel und glättet Stöße und Rüttler angenehm ab. Das aktive Lenksystem passt den Lenkwinkel der Fahrgeschwindigkeit an. Diese variable Übersetzung versteht der Fahrer intuitiv, eine Eingewöhnung ist nicht nötig. Neben dem besseren Komfort führt das System dazu, dass ein "Umgreifen" bei extremen Lenkmanövern nicht nötig wird. In Notsituationen bekommt dieses schlichte Manöver kaum ein Fahrer richtig hin, meist kommt es zur gefährlichen X-Stellung der Unterarme. Aktive Lenkung führt daher nicht nur zu mehr Fahrspaß, sie erhöht auch die aktive Fahrsicherheit. Die Gewichtsverteilung ist mit je 50 % auf beiden Achsen perfekt gelöst. Der Radstand wuchs um 35 Millimeter, die Spur um 29 Millimeter.

Das Sporttriebwerk

Die Sechsgang-Handschaltung arbeitet schnell und präzise. Alle Modelle besitzen serienmäßig - einmal kein Extra bei BMW - ein Sechsganggetriebe entweder als Handschalter oder als Sechsgang Automatik. Mit dem 3 Liter-Motor und seinen 258 PS und 300 Nm beweist der 3er, welches Sportwagenpotential in ihm steckt. Mühelos dreht der Motor auf 7000 Umdrehungen hoch, ab 4000 U/min liegt soviel Kraft und Drehfreude an, dass selbst bei sportlichster Fahrweise vergleichsweise sparsam geschaltet werden muss. Richtig leise ist der Motor dann zum Glück nicht mehr, ein kräftiges Orgeln erfüllt den Raum. Der Verbrauch im Mix liegt bei 8,7 Liter, in 6,3 Sekunden ist die 100 km/h Grenze erreicht, bei 250 km/h wird abgeregelt. In der Praxis lässt sich mühelos ein deutlich höherer Verbrauch erreichen.

Was kein anderer kann

Absolute Hochgefühle bietet das eingeschränkte DSC. Die Zwischenstufe nennt sich DTC. Es bietet das nackte Fahrvergnügen, wirkt aber im Hintergrund als doppeltes Netz und greift ein, bevor der Fahrspaß zum tödlichen Ernst wird. Novum beim Dreier: Das DSC- System stabilisiert den Wagen in kritischen Situationen nicht allein durch Abregelungen und Bremseinsatz. Mittels der Aktivlenkung hält es das Fahrzeug durch kontrolliertes Gegenlenken in der Spur. Das gibt zusätzliche Sicherheitsreserven im Ernstfall, im Normalfall aber deutlich mehr Fahrspaß. Der Wagen driftet und scherrt in Kurven hinten aus, fängt sich aber unmerklich wieder, ohne dass die Elektronik auf die stimmungstötende Regelbremse drücken müsste. Sollte es der Fahrer zu toll treiben und das Heck den Fahrer überholen wollen, wird schnell radikal durchgegriffen und der Wagen stabilisiert. Also Fahrspaß ohne das mörderische Risiko eines deaktivierten ESP. Auf der Rennstrecke, dem Circuito Albacete, bieten Fahrwerk und der Drei-Liter-Benziner ein Suchtpotenzial, wie man es bislang nur vom M3 kannte. Auf dem Parcours offenbaren sich die Vorzüge der DTC-Einstellungen. Solange der Pilot den Wagen am Rand der Möglichkeiten laufen lässt, unterstützt das System kaum merklich. Erst bei einem Fahrfehler wie dem nachträglichen Sägen in der Kurve verhindert die Elektronik der drohende Dreher mit harter Hand. Wenn der Wagen wieder steht, beben die Flanken des Fahrers beim Aussteigen. Der Geruch von heißem Gummi, dampfenden Schmiermittel und glühenden Bremsen hüllt den 3er ein. Ein tiefer Atemzug. Wer jetzt denkt, was für ein Gestank, hat diesen Motor nicht verdient.

Der Diesel 320d bietet 3er-Feeling ohne das Racing-Potential, er ist gewissermaßen der 3er für den klar Denkenden. Mit seinen 163 PS schafft er es von 0 auf 100 km/h in beachtlichen 8,3 Sekunden und beschleunigt bis auf 225 km/h. Die Laufruhe macht das Fahren komfortabel, das Drehmoment von 340 Nm sorgt für den nötigen Druck. Für zusätzliche 580 Euro ist der Motor auch mit einem Rußpartikelfilter zu haben.

Es war schon immer etwas teurer

Die Preisspanne beginnt bei 27.100 Euro für den 320i mit 150 PS, der 330i kommt auf 35.900 Euro und für den 320d mit 163 PS werden 29.650 Euro verlangt. BMW typisch sollte man generell Extra-Kosten von mindestens 5000 Euro einkalkulieren, denn vieles, was deutlich billigere Fahrzeuge selbstverständlich in der Serie bieten, wird in München nur gegen Aufgeld aus dem Regal geholt. Wer beim Top-Modell bei den Optionen richtig zulangt, durchschlägt die 50.000 Euro-Marke mühelos und ganz ohne vorige Abregelung. Fairerweise muss betont werden, dass alle Motorisierungen angesichts der Ausstattung billiger wurden als die Vorgänger. Wer mit vollen Händen die Zutaten aus dem Oberhaus einbauen lässt, verlässt natürlich irgendwann die Preisregion der Mittelklasse.

Mich schubst keiner von der Bordsteinkante

Mit dem neuen 3er ordnet BMW die Verhältnisse im Segment der Sportlimousine zu seinen Gunsten. Es ist ein 3er, der Glauben stiftet. Den Glauben an BMW, den Glauben, das immer noch etwas geht und die Zuversicht, dass es zwischen den Punkten A und B mehr gibt, als eine bloße Entfernung die zurückgelegt werden will. Nach einer Begegnung mit ihm möchte man Knie sinken, und beten, dass das Rohöl ewig reichen möge.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.