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BMW 5er: Rennanzug für den Geschäftsmann

BMW strebt nach alter Größe. Neben dem reinen Fahrspaß soll auch die Optik wieder überzeugen. Der neue 5er ist die Quintessenz einer BMW-Limousine. Mit ihm präsentieren die Münchner den neuen Platzhirsch der Überholspur.

Von Gernot Kramper

Unwichtige Baureihen gibt es schon lange nicht mehr – bei BMW nicht und anderswo auch nicht. Ob 1er, 3er, 5er oder7er – überall muss eine Marke wie BMW glänzen. Leicht ist es nicht, denn die Massenbaureihen von 1er und 3er muss man eher betagt als jugendlich frisch nennen. Wirklich neu ist nur der 7er, der mit grandioser Sportlichkeit dem prestigeträchtigen Kampf in der Oberklasse austrägt. Nun kommt der neue 5er hinzu, der Platzhirsch aller Dienstwagen.

Der neue tritt kein leichtes Erbe an. Am alten 5er gibt es wenig auszusetzen, aber dennoch steht die Baureihe für eine Scharte im Ehrenschild von BMW. Im Bereich der oberen Mittelklasse mussten die stolzen Münchner erleben, dass es sich die Nachbarn aus Ingolstadt neben ihnen bequem gemacht haben. Das preisgekrönte Design eines Chris Bangle irritierte die Kunden. So kam es, dass sich Audi als "die" Designmarke im deutschen Automobilbau feiern lässt, und BMW verkünden muss, man wäre mit dem 5er zum wahren, sprich alten Kern zurückgekehrt.

Die Idee einer BMW-Limousine

Tatsächlich wirkt der neue 5er wie die Quintessenz eines BMWs. An ihm findet sich nichts Albernes oder Verspieltes, sondern die elegante Reduktion auf den Kern der Marke. Und der kreist um den Begriff "Sportlichkeit". Trotz seiner beachtlichen Größe wirkt der Wagen muskulös und entspannt. Er punktet mir dem knackigsten BMW-Heck seit Jahren. Von vorn betrachtet, erwartet einen ein kleines Wunder. Der neue 5er setzt nicht auf eine Extraportion Aggressivität. Die Scheinwerfer wurden am oben Rand sanft mattiert, die rundlichere Niere und der angesetzte Bogen über ihr lassen den 5er muskulös aber auch zufrieden aussehen.

Im Inneren bleibt es beim BMW-Konzept, den Fahrer erwartet ein Rennanzug und kein Sofa-Ambiente. Das Cockpit ist wie immer leicht zum Fahrer geneigt. Die Plätze vorne sind großzügig, schließen die Insassen aber auch sportiv ein. Der Radstand ist im Vergleich zum Vorgänger um acht Zentimeter gewachsen. Trotzdem geht es nicht fürstlich auf der Rückbank zu, großgewachsene Männer starren dort auf die optionalen Bildschirme und versuchen ratlos Füße und Knie zu sortieren. Aber der 5er ist schließlich kein Chauffeursfahrzeug, und Kinder finden mehr Raum, als sie ausfüllen können. Der Kofferraum fasst wie zuvor 520 Liter.

Sportlich, aber eine große Limousine

Mit den großen und teueren Sechszylindern motorisiert und mit allem ausgestattet, was die Liste hergibt, bewegt sich der 5er leichtfüßig wie kein Zweiter in dieser Größenklasse. Vieles in der Technik lehnt sich am größeren 7er an. In Kurven wirkt der Wagen ausgezeichnet ausbalanciert, weder drückt er von hinten, noch zieht es vorn aus der Kurve heraus. Der Fahrer spürt nur eine ungeheure Faust, die den Wagen in der Mitte packt und ihn immer stärker auf die Strecke drückt. Dass sich ein Komfortmobil wie der 5er wie ein Rennwagen anfasst, kann man aber nicht sagen. Der 535i ist zu kultiviert, um den Berserker-Charme eines M5 zu versprühen, und viel zu groß, um die gefühlte Sportlichkeit eines 1er Coupés rüber zu bringen. Dennoch: Mit dem richtigen Motor ist er eine echte Fahrmaschine, wie sie die Kunden auch erwarten dürfen.

Der 306 PS starke 535i passt exzellent zur Achtstufen-Automatik. Der Reihensechszylinder mit Turboaufladung zieht den Wagen mächtig voran. Wer auf kurvigen Straßen das Programm "Sport Plus" wagt, kann sein Rallye-Wunder erleben. Dazu trägt auch die die neue elektromechanische Servolenkung bei, die Kraftstoff sparen soll und dabei das gewünschte präzise Einlenkverhalten zeigt.

Evolution beim Verbrauch

Beim Thema Energieeffizienz ist man sonst bei BMW sehr weit vorn. Ausgerechnet zur imageträchtigen Vorführung der Baureihe ist aber nichts wirklich Bahnbrechendes am Start. Ein Hybridmodell kommt später und selbst die sonst allgegenwärtige Start-Stopp-Automatik ist für die neue Acht-Gang-Automatik noch nicht verfügbar. Aber der neue 3,5-Liter-Sechszylinder im 535i zieht besser als der alte Achtzylinder an und verbraucht deutlich weniger. Ein Durchschnittsverbrauch von 8,5 Litern wird ausgewiesen. Wer den Spurt auf 100 km/h in sechs Sekunden hinlegt und auch die Höchstgeschwindigkeit von abgeregelten 250 km/h nicht verschmäht, wird einen anderen Verbrauch durch den Lader jagen. Für den Sommer wird ein Zwei-Liter-Diesel angekündigt, der den 5er im Schnitt mit fünf Litern bewegen soll. Eine Sensation, denn wer hätte vor einigen Jahren noch gedacht, dass man eine derartige Limousine mit 184 PS mit so einem Verbrauch fahren kann.

Den 520d gibt es bereits für unter 40.000 Euro. Der 535i kostet mindestens 50.000 Euro. Nackt möchte man beide Wagen nicht nennen, aber die Begehrlichkeiten der Ausstattungsliste werden nicht zum Basistarif geliefert. Wer den 535i ordert, wird auch auf elektrische Ledersitze, Xenonlicht, Klimaautomatik und eine Festplattennavigation nicht verzichten wollen. Kommen noch die Extravaganzen der Fahrwerkstechnik auf den Wunschzettel, muss man mächtig in die Eisen gehen, um den 5er vor der 65.000 Euro-Marke abzubremsen.

Anmerkung zu den Kommentaren zum Thema Verbrauch

Der Verbrauch eines BMW wird wie der jedes anderen Fahrzeugs mit einem genormten Verbrauchszyklus ermittelt. Die Problematik des Zyklus ist bekannt, er gilt aber für alle Marken und Modelle und gibt daher einen Anhangspunkt für Vergleiche. Richtig ist, dass man in der Praxis meist mit einem höheren Verbrach rechnen muss. Richtig ist aber auch, dass dieser Mehrverbrauch bei sparsamer Fahrweise durchaus "im Rahmen" bleibt. Der Verfasser schätzt, dass sich der Spardiesel in der Praxis mit unter 6,5 Litern bewegen lässt. Und dieser Wert mit schwerer Ausstattung, laufenden Stromverbrauchern und disziplinierter aber alltagsgerechter Fahrweise zu erreichen ist. Wer den Gasfuß gern durchdrückt, muss - wie im Artikel geschrieben - mit massiven Zuschlägen rechen. Unsinnig ist es , den Spitzenverbrauch auf einer Rennstrecke oder bei 250 km/h als "Alltagswert" hinzustellen. Die Vorurteile gegen BMW-Faherr in allen Ehren, aber so fährt kein Mensch seine 30.000 Kilometer im Jahr zusammen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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