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BMW M6: "M" - eine große Liebe

Nach dem neuen M5 startet BMW mit dem M6 die nächste imagefördernde Rakete in den Hochpreisraum der Premiumkunden. Vieles in der Technik entpricht dem M5 - und doch gibt es Unterschiede.

Von Gernot Kramper

In einer jüngsten Umfrage gaben fast dreißig Prozent der Bevölkerung an, sich eigentlich "nichts" mehr leisten zu können, fast die gleiche Zahl bekannte, eigentlich "alles" Schöne, was man so wolle, auch kaufen zu können. Die meisten von diesen Glücklichen "Immer-Shoppern" müssen jetzt ganz tapfer sein, denn zu den Dingen, die ein fast unstillbares Begehren wecken, fügt BMW als Referenzobjekt den neuen M6 hinzu. Ein Wagen, den sich fast niemand mehr leisten kann. Verdient hat ihn ohnhehin kaum jemand, denn der M6 ist ein Auto der endlosen Superlative, ein straßen- und allltagstaugliches Rennfahrzeug, ein Wagen der mit seinem Fahrer einen ganz besonderen Bund eingeht.

Was sagen Sie zum neuen "M"?

"M"-omanie

Nach dem neuen M5 startet BMW mit dem M6 die nächste imagefördernde Rakete in den Hochpreisraum der Premiumkunden. Vieles in der Technik entpricht dem M5, angefangen vom hochdrehenden V-10-Motor, dem Siebengang-SMG-Getriebe bis hin zu Schmankerln wie dem "Head-Up-Display". Doch wo ist dann der Unterschied?

Ungleiche Zwillinge

Obwohl beide Wagen sich in den Komponenten so ähnlich sind, sind die Unterschiede gewaltig. Als Power-Titan im Understatement-Dress rollt der M5 morgens auf die Straßen, um seinen Fahrer gut getarnt zu Kunden oder in die Firma zu kutschieren. Leistungsbereit wie ein "Jagdbomber" auf Flughöhe "Null" fügt er sich äußerlich ins gefällige und statusfördernde, doch unauffällige Einerlei der Businessclass von BMW. Rollt der M6 hingegen morgens aus der Garage, dann wird der Himmel blau, die Wiesen grünen und voller Freude traben die Kühe auf die Alm, um an diesem Tag besonders gute Milch zu geben. Ein Tag, der im M6 beginnt, kann gar kein schlechter Tag sein, so ein Tag muss ein Tag der Freude sein. Denn der M6 ist kein Tarnmobil des heimlichen PS-Anbeters mit Aktenkoffer, dafür ist die Basis bereits zu auffällig. Im M6 nimmt die reine Lebensfreude die Gestalt eines Autos an.

Lebensart aus München

Wohlig-kraftvoll schwellen seine Rundungen. Die Veränderungen zur Serie sind dezent, Stil und Leistung bilden keinen Widerspruch. Keine Hutzen und Sauger, Spoiler und Streifen stören den Fluss des Metalls. Die Änderungen sagen nur dem Kenner etwas. Breiter wurde der vordere Lufteinlass, die Nebelscheinwerfer mussten entfallen, zu groß ist das Verlangen von V-10-Triebwerk und Bremsen nach Luft und Kühlung. Natürlich fehlt das markante "M" nicht an Seite und Heck. Obligatorisch sind auch die "M"-Rückspiegel. Kraftvoller wurde die Auspuffanlage. Sehr gelungen geformt, zeigt sich der Heckabschluss mit dem Grund-Spoiler. Anstatt aufdringlicher Heckzutaten formt der Auslass nach der Unterdruckzone am Fahrzeugboden noch unter dem Nummernschild den Luftstrom so, dass der Wagen auf den Boden gesaugt wird. Am auffälligsten von den äußerlichen "M"-Zutaten wirkt das eingesetzte Dach aus Carbon mit seinem reizvollen Kontrast zum Metall der Karosserie.

Noch agiler, noch sportlicher

An Dach, Hinterscheibe und den Front – und Endpartien wurden, so beteuert BMW, die edlen Materialien und die High-Tech-Verarbeitung nicht um des Eindrucks willen gewählt, das Ziel sei gewesen, den Wagen an den entscheidenden Stellen leichter zu machen. Den Schwerpunkt weiter hinab zu drücken und die Masse in der Mitte des Fahrzeugs zu versammeln. Nach diesen gezielten Eingriffen ist der M6 noch agiler, als der schon sehr behände M5. Der V-10-Motor liefert auf Knopfdruck 507 PS, wie im M5 stehen beim Start abgeregelte 407 PS zur Verfügung. Diese Kraft katapultiert den M6 in 4,6 Sekunden auf Tempo 100, nach rund 14 Sekunden wird die die 200 km/h-Marke überschritten. An 250 km/h-Grenze ist Schluss, dann wird abgeregelt. Das Fahrwerk des M6 besitzt im Vergleich zum M5 einen kürzeren Radstand und einen niedrigeren Schwerpunkt. Eine variable, drehzahlabhängige Differenzialsperre gibt dem Fahrzeug eine hohe Fahrstabilität und Traktion vor allem in den Kurvenlagen. Wie der M5 gibt es hier die neue Generation der "Dynamischen Stabilitäts Control" (DSC). Im "M Dynamic-Mode" können sportliche Fahrer leichte Schlenker genießen, erst bei echten Patzern korrigiert die Elektronik. Die Elektronische Dämpfer Control (EDC) bietet drei anwählbaren Programme - Komfort, Normal und Sport - damit kann das Fahrwerk von straff bis komfortabel eingestellt werden.

Traumtage am "M"-Steuer

Am Steuer fühlt man bei jedem Kilometer die unendlichen Kraftreserven im Hintergrund. Beim Tritt auf das Gaspedal springt der M6 nach vorn, die Überholvorgänge vergehen in Sekunden. Besonderes haben die Geräusch-Designer geleistet. Hört sich der M6 von außen kraftvoll und doch zivil an, wird der Fahrer mit einem Orgelkonzert verwöhnt. Highlight ist das leichte "Rülpsen" des Zwischengases beim Runterschalten. Auf der Rennstrecke zeigt der M6 nicht nur seine Handling-Qualitäten, sondern überrascht durch die weiten Grenzen, in denen er beherrschbar bleibt. Dabei lässt sich das edle Kraftpaket, wenn es gewünscht wird, sehr kommod bewegen. Trotz der Fahrleistungen eines reinen Rennwagens werden die Insassen niemals mit Rallye-Feeling malträtiert. Das selbst gesteckte Ziel der M-Gruppe, die Leistungen eines Rennwagens zu erreichen, ohne Kompromisse bei Alltagstauglichkeit, Komfort und Sicherheit einzugehen, löst der M6 in der schönsten Form ein.

Unerreichbare Schönheit

Auch wer den Preis von 106.500 Euro bezahlt, hat das Begehren noch nicht gestillt. Denn tief im M6 unter dem Verkleidungen aus Carbon, den V10-Motor und dem schlanken Antriebstrang verborgen, schlummert im M6 das Potential einer großen Liebe. Gekauft steht er in der Garage, das reine Verlangen weckt schon der heisere Morgenruf der Auspuffanlage, und doch wird man ihm als Fahrer immer nur hinterher streben. Ihn wirklich besitzen wird man ihn nie, geschweige denn restlos beherrschen. Und macht das nicht das Wesen eine große Liebe aus?

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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