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Fahrbericht: Audi RS6 Avant: Kanonenschlag

Er macht so richtig auf dicke Backen und lässt schon beim leichten Streicheln des Gaspedals seine 580 Pferde nervös tänzeln. Der Audi RS6 ist der stärkste Serienkombi der Welt – und wohl kaum als Werkstattwagen geeignet.

Der Audi RS6 Avant ist optisch so unspektakulär wie man es von einem Sportmodell aus Neckarsulm kennt und erwartet. Noch dezenter, noch kraftvoller und noch geräumiger als der Bruder RS4 kennt der Mischling aus Rennwagen und Lustesel kaum Gegner. 580 PS bietet derzeit kein anderer Kombi, ein derartiges Understatement und einen solchen nicht zu unterschätzenden Allradantrieb sucht man bei der Konkurrenz ebenfalls vergeblich.

Der 4,93 Meter lange und über zwei Tonnen schwere Bodybuilder fährt sich nicht einfach souverän, sondern omnipotent – er kann und will immer. Sein Tatendrang wird zumeist nur vom Können des Piloten begrenzt. Denn der Luxuskombi selbst kommt selten an seine Grenzen.

Dabei ist es nicht so, dass der 435 PS starke S6 an latenter Leistungsschwäche leiden würde. Aber die Ingolstädter haben es zur Tradition werden lassen, dass ein Topmodell gegen Ende des Modellzyklus noch einmal eine Granatenversion bekommt.

Donner und Doria

Das ist beim A6 nicht anders. Bereits der nur 2.800 Mal verkaufte Erstling Audi RS2 hatte die Sportwagengemeinde im Jahre 1993 an den Rand des Wahnsinns gebracht. Der erste RS4 wurde Dank Doppelturbo zur Legende. Und der RS6 der ersten Generation war eine Rakete für alle, die nicht protzen, sondern einfach nur klotzen wollten. "Wir hatten Kunden, die haben den RS6 nicht nur ohne Modellbezeichnung bestellt, sondern auch die Spiegelschalen in der normalen Wagenfarbe lackieren lassen, um ja nicht aufzufallen", erzählt der Projektverantwortliche bei der quattro GmbH, Stephan Reil.

Auf den ersten Blick sorgt der RS6 wie gewohnt also für wenig Aufregung. Sicher, die 20 Zoll großen Felgen sind nicht gerade unauffällig - serienmäßig gibt es 19-Zöller. Doch die bullig ausgestellten und mit einer Kante versehenen Kotflügel fallen erst beim zweiten Hinsehen ins Auge. "Mit diesen Kotflügeln wollten wir an den Ur-Quattro erinnern", sagt Entwickler Jens Koch, einer der Väter des RS6.

Doch gegen seinen Ur-Ur-Enkel war der seinerzeit zweifellos prächtig motorisierte Seriensieger Audi Quattro mit seinen kargen 200 PS ein ziemlicher Schwächling. Denn die eigentliche Schau an dem mindestens 106.900 Euro teuren Über-Audi ist sein Triebwerk. Das liegt alter Bauart nach zwar immer noch ein ganzes Stück vor der Vorderachse, wiegt trotz gewaltiger Kraftreserven, fünf Litern Hubraum und zehn Brennkammern aber nur 278 Kilogramm.

Zehn Töpfe

Zum ersten Mal wurde ein Zehnzylinder mit Benzindirekteinspritzung und doppelter Turboaufladung geadelt. Sieht gut aus - doch was das wirklich heißt, zeigt ein Ritt auf der Rennstrecke. Das fünf Liter große und kompakt bauende Triebwerk presst einen aus jedem Drehzahlbereich heraus brachial in die exzellenten Sportsitze. Wenn der mit bis zu 0,7 bar aufgeladene, brüllende Doppelturbo erst einmal verdichtet, geht es ab. Zwischen 1.500 und 6.200 U/min stehen gewaltige 650 Nm Drehmoment zur Verfügung.

Viel zu tun also für die grandios abgestimmte Sechsstufen-Automatik, die die Gänge wie im Flug durch die Scahltkulisse rutschen lässt. Von 0 auf 100 km/h in gerade einmal 4,6 Sekunden und eine abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit von 250 oder 280 km/h - das raubt selbst Porsche-Piloten den Nerv.

Dass man sich im geräumigen RS6 in jedem Leistungszustand auch noch angenehm unterhalten kann ist ebenso positiv zu vermerken wie das Platzangebot, das einem der bekannt hochwertig verarbeitete Kombi mit seinen 1.660 Litern Stauraum bietet. Der Verbrauch ist entsprechend: Audi verspricht 14 Liter pro 100 Kilometern.

Feuer frei

Ist man erst einmal zur flotten Gangart gewechselt, spürt man den großen Vorteil des Kraftmeiers: Was bringen 426 kW/580 PS und 650 Nm wenn man sie nicht auf die Straße bringt? Hier leistet der quattro-Antrieb mit seiner asymmetrisch-dynamischen Momentenverteilung grandiose Arbeit. Über Sinn und Unsinn eines 580 PS starken Kombis braucht man nicht zu diskutieren: Die Nachfrage ist größer denn je - und das zählt.

Einen Allradantrieb bietet in dieser Liga eben kein anderer. Die Kraftverteilung im Verhältnis 40:60 lässt dem Piloten den gewünschten Freiraum für dynamische Sportwagengefühle. Je nach Fahrwerkseinstellung ist man komfortabel oder straff unterwegs. Das optionale Sportfahrwerk Plus lässt dem Piloten in drei frei wählbaren Stufen von komfortabel bis stramm alle Möglichkeiten. Das ESP lässt normalerweise die Zügel schleifen, greift im rechten Moment aber kraftvoll ein.

Sein mächtiges Eigengewicht kann der Audi-Laster gerade in engen Kehren aber doch nicht überspielen. Die Dynamic-Ride-Control gleicht übermäßige Karosseriebewegungen auf ein verträgliches Maß ein. Jedoch würden sich sportwagenerprobte Piloten über eine etwas filigranere Servounterstützung freuen, die noch mehr Rückmeldung von der Straße liefert.

"Wir wollen die Erfolgsgeschichte der RS-Modelle mit dem RS6 weiterschreiben", sagt Stephan Reil. "Sein großer Vorteil bleibt, dass er sozialverträglicher als ein 1,20 Meter hoher Sportwagen ist, jedoch die gleichen Fahrleistungen liefert." In der Einfahrt des Nachbarn ab Mai also besser zweimal hinschauen, wenn dort ein Audi Kombi parkt. Übrigens: Später im Jahr gibt es den RS6 auch als Limousine.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.