Fahrbericht: Jaguar XKR Coupe Ihre Lordschaft in höchster Eile


Die Briten sind gemeinhin kein Volk von Rasern und Dränglern. Doch mit dem Jaguar XKR muss man charakterfest sein und alle Sinne beisammen haben, um nicht dem schieren Rausch der Geschwindigkeit zu verfallen.

„Rund die Hälfte unserer XK-Kunden entschieden sich bisher für einen XKR“, so Jaguar-Deutschland-Geschäftsführer Jeffrey L. Scott. Wenn es ihm nach ginge, dürfte das gerne so bleiben. Wer den neuen XKR einmal gefahren hat, kann sich wohl nur noch schwerlich für die zahme Saug-Version begeistern können. Nicht, dass der knapp 300 PS starke XK es nicht auch schon kraftvoll und dynamisch angehen ließe. Aber mit seinen 306 kW / 416 PS bietet der XKR nicht nur das gewisse etwas mehr; er scheint geradewegs die Paradebesetzung für das vergleichsweise leichte Aluminium-Coupe zu sein. Wer es darauf ankommen lässt spürt schnell, dass es der britische Renner faustdick hinter den Ohren hat. Beim Outfit haben sich die Designer dagegen schwer zurück gehalten. Abgesehen von den Lüftungsschlitzen auf der Motorhaube, einem vergitterten Kühlergrill und ein paar netten Details am Rande ist der XKR kaum vom XK zu entscheiden. Das gilt für innen wie außen und ist wohl ein bisschen wenig des Guten.

Sicher sind die erlauchten XKR-Kunden selten Krawallmacher, die auf Teufel-komm-raus schon auf den ersten Blick mit ihrer Leistung protzen müssen. Aber wer einen 416 PS-Kraftmeier mit der Eleganz dieses zeitlos schönen Brit-Coupes bewegt, der will sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Man mag es kaum glauben, aber die Jaguar-Fans beklagen sich seit Jahren allenfalls am Rande über die Kompressortechnik. Denn so satt die Achtzylinder-Sauger aus britischem Hause auch klingen, so polarisierend kommt einem deren Klang bei den leistungsgesteigerten Kompressorversionen zu Ohren. Im Vergleich zu seinem leicht wimmernden Vorgänger ist der Klang des neuen Kompressors nicht wieder zu erkennen. Das liegt in erster Linie an der bereits sonor grollenden Basisbefeuerung des Standard-Aggregats, das akustisch kaum Wünsche offen lässt. Bereits im unteren und mittleren Drehzahlbereich donnert aus der vierflutigen XKR-Aufpuffanlage ein wilder Sound; im Innenraum ist davon nichts zu hören. Hier wirkt die Katze von der Insel beinahe schon zu zahm. Wind- und Abrollgeräusche geben den Ton an.

Tritt seine Lordschaft kraftvoller in die Pedalerie, kommt das Stakkato des Kompressors dazu. Nach wie vor ein Sound, der nicht alle Saugerfans grenzenlos begeistern dürfte, aber eben eine ganze Ecke stimmiger und bulliger als bisher. Die Zwangsbeatmung sorgt dafür, dass der XKR deutlich mehr Pfeffer unter der schamlos schönen Motorhaube hat. Objektiv sind es 416 statt bisher 395 PS, subjektiv könnten es locker 70 Pferde mehr sein. Der Grund hierfür liegt am deutlich besseren Leistungsgewicht und dem höheren Drehmoment. Der Kompressor-V8 der neuesten Generation konnte sich in beiden Disziplinen um 34 bzw. 36 Prozent steigern. Die 560 Nm maximales Drehmoment stehen bei 4.000 Touren zur Verfügung und bringen die Transferleistung der Hinterachse an ihre Grenzen. 0 auf 100 km/h in 5,2 Sekunden fahren sich beeindruckender als sie sich lesen. Durchschnittlich soll der Hecktriebler gerade einmal 12,3 Liter Super auf 100 Kilometern verbrauchen.

Wieso Jaguar auch bei der Sportversion XKR an der 250er-Beschränkung festhält, ist nicht nachzuvollziehen. Hier wird bereits der 298 PS starke Sauber abgeriegelt. „Rein rechnerisch würde das XKR Coupe eine Höchstgeschwindigkeit von 319 km/h haben“, erläutert Jeffrey L. Scott. So dürfte auf die schmale Schar der Jaguar-Tuner neue Arbeit zukommen. Denn ein großer Teil der Kundschaft will sich sicher persönlich davon überzeugen, dass Tempo 280 für ein XKR-Coupe längst nicht das Ende der Fahnenstange ist. Doch auch bei Jaguar ist die Abregelung mittlerweile ein heißes Thema. Anfang nächsten Jahres sollen die Komponenten auf ihr Durchhaltevermögen bis Tempo 300 getestet werden. So könnte schon im Sommer 2007 die 250er-Grenze fallen.

Kann bereits der Motor abgesehen vom etwas nervigen Kompressorklang vollends überzeugen, so haben die Jaguar-Ingenieure besonders beim Fahrwerk viel Liebe zum Detail walten lassen. Die optionalen 20-Zoll-Walzen sorgen dafür, dass die Leistung nicht nur sinnlos im Asphalt verbrennt. Die Abstimmung von Schnell- und Langsamfahrkomfort ist jedoch das eigentlich beeindruckende. Die Lenkung ist so präzise, dass man fast glaubt in einem BMW 6er oder Porsche 911 zu sitzen. Einmal den rechten Winkel gewählt und der 1,6 Tonnen schwere Jaguar XKR zieht wie an der Schnur gezogen seine Bahnen – vorausgesetzt, die Traktion macht einem keinen Strich durch die Rechnung; doch auch die ist prächtig. Das elektronische CATS-Fahrwerk ist deutlich straffer als beim XK abgestimmt. Für Stabilität im Heck sorgt zudem eine zusätzliche Strebe zwischen den Dämpferdomen. Nur bei starken Querfugen stört das die Passagiere im Innenraum.

Gerade vom fraglos edlen Innenraum haben sich einige potentielle Kunden sicher mehr versprochen. Auch hier ist der Unterschied zum normalen XK allzu dezent. Der Lichtschalter am Lenkstockhebel und einige lieblose Plastikblenden konnte man sich scheinbar auch beim Topmodell nicht ersparen. Die Lederstühle sind stärker konturiert, die Alupedale nettes Beiwerk und auf dem Automatikknauf glänzt das grünrote „R-Logo“. Das war’s. Die Automatik aus dem Hause ZF bekam ebenfalls ein sportliches Feintuning. Die sechs Gänge knacken unter Volllast gewohnt satt in die nächste Schaltstufe – insgesamt dauert ein Wechsel gerade einmal 600 Millisekunden. Beim XKR machen auch die Schaltpaddel am Lenkrad Sinn, die bei Cruisen unbewegt verkümmern. Ebenfalls mit etwas mehr Biss ausgestattet die die Bremsanlage des XKR, die zu eindrucksvollen Verzögerungen in der Lage ist. Der Basispreis für den komplett ausgestatteten Jaguar XKR liegt bei 94.990 Euro. Das ebenso beliebte Cabriolet ist 8.000 Euro teurer.

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