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Jaguar XJ: Katz Royal

Man muss schon sehr genau hinsehen, um zu erkennen, wie und wo Jaguar seine Luxus-Lady geschminkt hat. Aber bei Frauen zählen ja sowieso nur die inneren Werte. Und hier überrascht die neue XJ-Limousine auf ganzer Linie.

Von Michael Specht

Eines muss man den Jaguar-Jungs ja lassen. Sie sind konsequent. Konsequent konservativ. Als 2003 der XJ in ganz neuem und noch dazu leichtem Aluminium-Kleid vorfuhr, jubelten zwar die Traditionalisten, so mancher drehte sich jedoch weg und sagte: "Der sieht ja aus wie der Alte. Nein, danke." Das klassische Design kostete Jaguar etwa 20 Prozent der sonst so loyalen Kundschaft. Jetzt erhielt die Leichtmetall-Lady ihre obligatorische Modellpflege. Designer sprechen lieber von Facelift. Aber der XJ sieht eigentlich immer noch aus wie vorher. Denn Blech wurde nicht neu gebogen, weil die Presswerkzeuge sündhaft teuer sind. Also begnügt man sich mit neuen Stoßfängern, ein paar Chromapplikationen, anderen Rädern und schon heißt das Ding "der neue XJ". Auffälligstes Merkmal an den Seiten sind die Kiemen, wie sie das Coupé XK trägt.

Jaguar will Luxus-, keine Premium-Marke sein

Auch innen bleibt dem XJ-Fahrer sein gewohntes Jaguar-Ambiente erhalten. Wohl riechende, dicke Ledersessel, richtiges Holz, liebevolle Nähte und reichlich Chrom verwandeln das Interieur in ein englisches Clubzimmer. Und in Lenkradmitte thront jetzt ein neuer Jaguar-Kopf, von dem man manchmal den Eindruck hat, er stecke einem die Zunge heraus. Ansonsten macht alles einen sehr gut verarbeiteten Eindruck, die Ausstattung ist komplett. Selbst Ledersitze, Sitzheizung, eine Audioanlage, Klimaautomatik und Parksensoren sind serienmäßig. Schließlich will Jaguar, wie Deutschland-Chef Jeffrey L. Scott sagt, "eine Luxus- und keine Premium-Marke wie BMW, Audi oder Mercedes sein. Und dafür wird einiges getan. Zum Beispiel die 69 Händler zwischen Flensburg und München intensiv geschult. Motto: Der Kunde ist König und will umsorgt werden, wo es nur geht.

Beim Royal Service ist der Kunde König

Daher lässt Scott jetzt den XJ-Käufer in den Genuss des so genannten "Royal Service" kommen. Ein Pamper-Programm erster Güte und einmalig unter den Autoherstellern. Drei Jahre lang oder 100 000 Kilometer (was auch immer eher vorbei ist) braucht sich der Kunde vor keiner Inspektion oder Reparatur zu fragen: Was kostet das? Scott: " Bei den meisten Menschen ist so ein Werkstattvorgang mit negativen Assoziationen verbunden." Hier soll sich der Spieß umdrehen. Denn der XJ wird abgeholt, repariert, gereinigt und wieder vor die Tür des Kunden gestellt. In der Zwischenzeit durfte dieser natürlich einen adäquaten Ersatzwagen fahren. Und auf der Rechnung steht: null Euro. Nicht einmal Verschleißteile wie Bremsbeläge werden berechnet. Einzige Ausnahme sind Reifen.

Eigentlich ist der XJ ja ein Öko-Mobil

Da hat ein Preis von 69 600 Euro ja fast schon Schnäppchen-Charakter. Dieser Kurs beinhaltet gleichzeitig die vernünftigste Motorisierung, mit der man heute politisch korrekt in einer Luxus-Limousine unterwegs sein sollte. Es ist der 2,7-Liter-Sechszylinder-Diesel aus dem französischen PSA-Konzern (Citroen und Peugeot). Seine Laufruhe und seine Kraftentfaltung (207 PS, 435 Nm) sind schon fast beängstigend. Er harmoniert bestens mit dem edlen Briten, die serienmäßige Sechsgangautomatik unterstützt diesen Eindruck nachhaltig. Alles läuft leise, unaufdringlich und geschmeidig ab. Eben genau so, wie man es von einem Auto dieser Art erwartet. Kein Wunder, dass bereits mehr als jeder zweite XJ-Kunde auf den Diesel setzt.

Mustang-Fahrer blamiert sich - und rast in Zuschauer

Auf der heimischen Insel ist der XJ daher bereits zum "Britains Greenest Luxury Car 2007" gekürt worden. Denn der moderne Common-Rail-Diesel mit Russpartikelfilter macht den XJ zum sparsamsten Auto seiner Klasse. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 8,1 Liter und einem darauf bemessenen CO2-Ausstoß von 214 g/km rangiert er noch vor den vergleichbaren Modellen von BMW, Mercedes und Audi. Auf einer Verbrauchsfahrt kreuz und quer durch England und Schottland gelang es Sparfüchsen sogar, mit einer Tankfüllung 1000 Meilen weit zu fahren, was einem Minidurst von 4,4 Litern pro 100 Kilometer gleichkommt. Das hat Polo-Bluemotion-Niveau.

Für solche Menschen, die mit der Kombination Diesel und Jaguar nun gar nichts anfangen können (immerhin die andere Hälfte aller XJ-Kunden), stehen noch ein paar Benziner zur Auswahl. Angefangen bei drei Liter Hubraum und 238 PS. Ein weiterer V6 hat 3,5 Liter und 258 PS. 4,2 Liter heißt es beim V8, er leistet 298 PS. Und richtig ans Eingemachte geht es mit der XJR-Version. R steht für Racing und bedeutet in diesem Fall 395 PS. Über 250 km/h schafft jedoch keiner der Boliden. Denn auch Jaguar legt seinen Katzen elektronische Fußfesseln an.

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