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Jeep Wrangler Unlimited Sport: Big Boys, Big Toys

Sie haben Schwierigkeiten beim Ein- und Ausparken? Wissen beim Auto nicht so richtig, wo Ihr Kotflügel aufhört und der des Nachbarn anfängt? Dann ist der Jeep Wrangler Unlimited das richtige Fahrzeug, um Ihnen kalten Schweiß auf die Stirn zu treiben.

Von Gernot Kramper

stern.de-Leser züchten nur selten Rinder in der Wildnis, für sie kann es daher nur einen Grund geben einen Wrangler zu fahren: Den Spaßfaktor. Vieles, was moderne Autos an Bord haben, gibt es bei ihm nicht, dafür ist die Freude an der Sache garantiert. Wirklich brauchen kann einen Wrangler nur, wer Stacheldraht in der Wildnis verlegen muss, täglich ausgetrockneten Flussläufen zum Brötchenholen folgen muss oder wer sonstigen Unbillen der Natur ausgesetzt ist. In Deutschland sind derartige Gelegenheiten selten und immer streng verboten.

Aber für den, der es dennoch wissen will: Der Wrangler ist praktisch unkaputtbar, besitzt eine enorme Bodenfreiheit und einen klassischen Allradantrieb ohne Elektronik-Schnick-Schnack. Den allerdings in zwei Versionen - wer die Wildnis bezwingen will, kann sich für die aufpreispflichtige Extrem-Variante entscheiden. Überdies gibt es die neue Generation auch mit einem Diesel – der Verbrauch bleibt so in – naja – eben noch vertretbaren Grenzen. Wichtigste Neuerung ist das Unlimited: In dieser Version ist der Wrangler deutlich länger. Darunter leidet die Geländefähigkeit, dafür gibt es jetzt aber auch parallel Hintersitze mit einem vernünftigen Kofferraum. Damit wird der Wrangler zum Modell zur Familien-Bespaßung.

Was sagen Sie zum Wrangler Unlimited?

Spaß kommt vor allem unterm blauen Himmel auf. Hier vermisst man dann doch modernste Klapptechnik. Knopfdruck und nach 30 Sekunden ist alles offen – davon kann beim Wrangler nur träumen. Hier darf man einzelne Dachelemente einfach abschrauben. Über dem Fahrer und Beifahrer lässt sich rasch eine Sichtluke schaffen, die Dachelemente lassen sich im Kofferraum transportieren. Der Ausblick erinnert an dann Militärfilme. Einen Drehkranz für ein Browning M-2 Maschinengewehr Kaliber 0,5'' fehlt allerdings. Die Demontage der Abdeckung des Hecks sollte nur von geübten Schraubern angepeilt werden. Das Hardtop muss übrigens anschließend in der Garage verwahrt werden. Sollte es plötzlich zu regnen anfangen, steht man im Regen. Aber ungeachtet aller Mühe: Im Sommer sollte das Zeug runter, dass kann man auch ein Stoffabdeckung über den Wagen hüllen, auch dies natürlich in Handarbeit. Außerdem können die Türen ausgehängt werden und die Frontscheibe lässt sich demontieren, zumindest Zweites ist in Deutschland nicht statthaft. Für Bequeme ist das alles nichts, aber wer Nachwuchs mit Führerschein im Haus hat, wird diesen Wagen am Wochenende kaum selbst bewegen dürfen. Gefummel hin, Gefummel her.

Zum Thema Fahreigenschaften und Fahrkomfort kann man nur sagen: Beides ist vorhanden. Der Wrangler lässt sich durchaus fahren, doch Weichspüler, die von modernen PKW verzärtelt wurden, haben an seinem Steuer nichts zu suchen. Bei hohen Geschwindigkeiten braust der Sturm, bis die Ohren klingeln. Macht nichts, der Wrangler ist zwar ein markiges Auto, aber nichts für Autobahnraser. Für messerscharfes Einlenkverhalten hätte man in einen BMW einsteigen sollen. Wer sich für den Wrangler entscheidet sollte auf Fahrgefühle wie bei den Marines stehen. Mit dem 2.8 CRD-Diesel stimmt die Motorisierung. 177 PS reichen theoretisch für Tempo 172. Haben muss man das allerdings nicht. Jeep gibt einen Mix-Verbrauch von 9,9 Litern Diesel an. Damit wird man in der Praxis nicht ganz auskommen, im Testzeitraum landete der Wagen aber auch nicht weit darüber. Vielleicht nicht so erstaunlich, wie man meinen möchte. Der Wrangler lädt eben nicht zu Vollgasorgien ein. Lastwechsel, hektisches Gezerre am Lenkrad, zuerst links und dann doch schnell wieder nach rechts und das Ganze bei hohen Geschwindigkeiten, darauf steht der Wrangler ganz und gar nicht. Ein ESP verhindert das Schlimmste, aber sicher ist, dass man den amerikanischen Riesen durch unsachgemäße Manöver schneller als andere Fahrzeuge in den Grenzbereich und darüber hinaus treiben kann.

Fieser Crash beim Driften

Eine gewisse Gelassenheit hilft. Den Stetson in den Nacken geschoben und locker bleiben. Und immer die Begrenzungslinien im Blick behalten, denn der Wrangler braucht seine Spur voll und ganz. Wer beim Radiogefummel eine Schwankungsreserve von einem halben Meter beansprucht, ramponiert die Wagen auf der Parkspur. Ein echter Stadtwagen ist der Wrangler sicher nicht, aber an der Ampel guckt man aus verspiegelten Sonnenbrillen auf alle herunter. Klingt doof, ist doof, fühlt sich aber prima an. Raucher können den Effekt noch mit einer Zigarre topppen. Genügend Power entwickelt die Maschine auch. Der Testfahrer fühlte sich jedenfalls pudelwohl. Auch im Innenraum. Die üblichen Wohlfühlzutaten wie hinterschäumter Edelkunststoff, Chromleisten und Carbonklappen fehlen natürlich. Das kann man auch als wohltuende Reduktion empfinden.

Fazit: Für die US-Spaßbombe muss man deutliche Abstriche bei Fahrverhalten, Verbrauch und Komfort machen. Wer so einen Wagen beruflich braucht – Almwirt etwa – kann das rational begründen, alle anderen müssen es einfach "geil" finden. Mit dem Testfahrzeug konnte man sich jedenfalls prima arrangieren. Eine wirkliche Konkurrenz gibt es für dieses Ungetüm eigentlich nicht. Der Defender ist so steinalt, dass man nur abraten kann. In Frage kämen noch die großen Allrad-PickUps von Toyota. Mitsubishi und Mazda. Ein Pajero ist lange nicht so spaßbetont. Und zu guter Letzt kann man den Wrangler relativ günstig bekommen. Schon in der Liste ist der Wagen nicht allzu hoch eingepreist, im Markt werden Tageszulassungen zu Schnapper-Preise angeboten. Angst vor teuren Reparaturen braucht der Wrangler-Fahrer übrigens nicht zu haben, Jeeps gibt es mit sehr umfangreichen Garantiepaketen.

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