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Mercedes S 400 BlueHybrid: Ministers neuer Klimaretter

Klimaschutz nach Art der oberen Zehntausend offeriert der S 400 BlueHybrid. Durch einen zugeschalteten Elektromotor soll er zum sparsamsten Luxus-Liner der Welt werden. Die technische Glanzleistung reduziert den Verbrauch auf 7,9 Liter. Toll, endlich schnurren 299 PS für den aktiven Klimaschutz.

Von Michael Specht

Ruhig war das Topmodell von Mercedes an der Ampel auch vorher schon. Vom Motor, egal, ob Benziner oder Diesel, ist nahezu nichts zu hören. Allenfalls an der Nadel des Drehzahlmessers kann man erkennen, dass vorne was unter der Haube säuselt. Nun ist es ganz still. Selbst die Klimaanlage fächelt den Wind nur reduziert in den Innenraum. Sobald aber der Fuß vom Bremspedal geht, startet der 279-PS-Sechszylinder sanft und fast unmerklich. Auf Touren bringt ihn ein so genanntes Hybrid-Modul. Das ist ein 20 PS starker Elektromotor, der ringförmig zwischen Getriebe und dem Verbrennungsmotor sitzt.

Beim Tritt aufs Gaspedal hilft dieses Modul der knapp zwei Tonnen schweren Limousine auf Trab (Boost-Funktion) und entlastet dabei den V6-Benziner. Dies spart Sprit. Geht der Fahrer wieder vom Gas oder bremst, fungiert der E-Motor augenblicklich als Generator, wandelt die kinetische Energie in Strom um und speichert diesen in der Batterie (Rekuperation). Hört sich ziemlich simpel an, ist aber hoch kompliziert und hat den Ingenieuren von Mercedes über Jahre mächtig was abverlangt. Schließlich sollte das Ganze auf S-Klasse-Niveau ablaufen und den Fahrer unter keinen Umständen nerven.

Dass der Hybridantrieb ausgerechnet in der S-Klasse und nicht in der häufiger verkauften C-Klasse debütiert stand bei Mercedes nie zur Diskussion. Schließlich galt die Luxus-Limousine schon immer als Technologieträger und Aushängeschild des Stuttgarter Konzerns. Zudem ist der S-Klasse-Fahrer eher bereit, die noch zirka 5000 Euro Aufpreis für die Hybrid-Spartechnik zu bezahlen. Mit größerer Stückzahl werden automatisch die Komponenten günstiger und dürften schon bald nach unten durchgereicht werden. Denn Daimler-Chef Dieter Zetsche will in jeder Mercedes-Baureihe das sparsamste und umweltfreundlichste Modell im Segment haben.

Trotz 299 PS nur 7,9 Liter Verbrauch

Mit durchschnittlich 7,9 Liter pro 100 Kilometer und einem CO2-Austoß von 190 g/km macht der S 400 BlueHybrid bei den Benzinern schon mal den Anfang und sich zudem äußerst beliebt bei den Regierungsvertretern. Gegenüber der Normalversion, dem S 350, beträgt die Verbrauchsdifferenz immerhin 2,2 Liter. "Wir liegen damit unter dem Wert eines Full-Hybrid-Modells aus Fernost", sagt Dr. Hubert Kohler, Leiter der Vorentwicklung sowie Umweltbevollmächtigter bei Daimler. Gemeint ist der Lexus LS 600 h.

Beim Fahren im BlueHybrid hat man zu keiner Zeit das Gefühl, in einer Art abgemagerter Öko-Variante zu sitzen. Der Hybrid-Mercedes bleibt eine S-Klasse durch und durch. Dazu zählen überragender Komfort, höchste Sicherheit und souveräne Fahrleistungen, nur mit dem Unterschied, keine unnötige Energie mehr zu verschwenden. Um überhaupt das Hybrid-Projekt verwirklichen zu können, entschloss sich Mercedes, als erster Autohersteller eine Lithium-Ionen-Batterie einzusetzen. Nur diese ist in der Lage, bei geringem Bauraum die nötige Leistung zu liefern und die ständigen Lade- und Entladezyklen dauerhaft zu verkraften.

Batterie hängt an der Klimaanlage

Das kleine Akku-Paket ist kaum größer als ein Toaster, wiegt satte 28 Kilo, hat 120 Volt und verhilft dem Hybrid-Modul zu einem Startdrehmoment von 160 Newtonmeter. Damit steht der S-Klasse ein kombiniertes Drehmoment von 385 Nm und ein Leistung von 299 PS zur Verfügung, ausreichend, um nach 7,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu sein. Weil Lithium-Ionen-Zellen ihren höchsten Wirkungsgrad bei rund 25 Grad Celsius haben und durch die chemischen Reaktionen schnell warm werden, benötigen sie eine Kühlung. Die Mercedes-Ingenieure hatten den genialen Einfall, die Batterie mit in den Kreislauf der Klimaanlage zu integrieren und so den Akku zwischen 15 und 35 Grad Celsius stets bei Laune zu halten. Danken soll er dies mit mindestens zehn Jahren Haltbarkeit.

Die komplette Hybrid-Technik ist extrem kompakt und wiegt nur 75 Kilogramm, die beim Fahren nicht zu spüren sind. Neben dem 20 PS starken Elektromotor hat Mercedes bereits stärkere Versionen im Versuch, die die S-Klasse auch rein elektrisch fahren lassen könnten. Da sich das Hybrid-System wie ein Baukasten gestaltet, werden nach dem S 400 BlueHybrid auch Diesel-Modelle bei Mercedes mit dem Modul ausgestattet. So wird es unter anderem ein E 300 BlueTEC Hybrid geben, der auf einen Verbrauch von nur 5,1 Liter kommen soll.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.