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Opel Meriva B: Mehr als nur ein Türentrick

Der erste Meriva war vor allem praktisch und sonst nicht viel mehr. Der neue ist mindestens ebenso praktisch und ein echtes Kunststück.

Von Gernot Kramper

Beim Starten fällt der Unterschied sofort ins Auge. Verarbeitung, Materialen und Design müssen sich vor keinem Konkurrenten verstecken - auch nicht vor Volkswagen. Die sichelförmigen Aluminiumeinlagen folgen dem neuen Opellook und verleihen dem Meriva ein wohnliches, lebendiges Innenleben, ohne dass es gleich plüschig wird. Absolut überzeugend sind die optionalen, orthopädischen Sitze. Sinn machen sie vor allem bei Vielfahrern, aber auch auf der Kurzstrecke sorgen sie für ein angenehmes Wohlfühlambiente. Die vantypische erhöhte Sitzposition, die gute Rundumsicht und die großen Außenspiegel machen die Fahrt zu einer lichten und angenehmen Angelegenheit. Eine Alternative für alle, die sich in normalen Kompaktwagen eingesperrt fühlen und dort unter zu wenig Fensterfläche leiden.

Eine MiniVan kauft niemand allein wegen des Designs, entscheidend ist die Flexibilität im Innenraum. Opel nennt das Ganze "FlexSpace". Alle drei Rücksitze lassen sich einfach einzeln versenken. Werden nur zwei der drei hinteren Plätze benötigt, können die äußeren Sitze ein Stückchen zurück und nach innen geschoben werden. Auf allen Plätzen ist das Angebot sehr ordentlich, drei Erwachsene werden sich hinten allerdings nicht wirklich wohl fühlen. Der Gepäckraum lässt sich von 400 auf bis zu 1500 Liter vergrößern. Eine dritte Sitzreihe – wie im Zafira – gibt es nicht. Im Raumangebot ist der Meriva vorbildlich. Kein Wunder, ist der doch auch 20 Zentimeter länger als der Vorgänger. Interessenten sollten aber im Kopf behalten, dass der Wagen immer noch kleiner ist als die Klasse von Touran und Zafira und auch nicht mit dem Raumriesen aus dem Nutzfahrzeugprogramm wie Berlingo oder VW Caddy mithalten kann. Radler sollten sich unbedingt die als extra angebotenen integrierten Radträger – Kosten 590 Euro - ansehen.

Vernunftbetonte Motorisierung

Der Meriva fährt sich dynamisch, dafür sorgt die straffe Federung und direkte Lenkung. Die typischen Probleme früherer MiniVan Generationen muss man nicht fürchten. Weder senkt sich der Wagen stark in den Kurven ab, noch schaukelt er bei Lastwechseln. Mit ihm ist man in der Stadt, auf der Landstraße und auf der Autobahn gut unterwegs. Der gefahrene 1,4-Liter-Benziner mit Turboaufladung leistet 120 PS. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 188 km/h. Die Maschine macht aus dem Meriva keinen Renner, aber sie motorisiert ihn gut. Als Mixverbrauch gibt Opel 6,1 Liter an, in der Praxis ist es etwas mehr. Die angebotenen Diesel dürften sich nur für echte Kilometerfresser lohnen.

Was ist vom Türkonzept zu halten?

Das Wichtigste scheinen an dem Wagen die hinteren Türen zu sein. Opel bewirbt sie als revolutionäre Neuerungen, weil sie sich nach vorn hin öffnen. In manchen Berichten wird ihr Nutzen in Zweifel gezogen. Die Antwort ist simpel: Der Nutzen des Konzepts hängt ganz davon ab, was und wer in der zweiten Reihe Platz nimmt. Wer allein oder zweit unterwegs ist, profitiert wenig von der Tür. Wer halbwüchsige Kinder hat, dem kann das bequemere Ein- und Aussteigen ebenfalls egal sein. Eine 14-jährige kommt durch jede Öffnung. Wer aber Kindern oder hilfebedürftige Personen in den Wagen bugsieren muss, merkt schnell die Verbesserung. Genau wie derjenige, der selbst unter einer eingeschränkten Beweglichkeit leidet. Nur Schiebetüren sind natürlich noch besser. Auch die Vordertüren besitzen übrigens einen sehr weiten Anschlagswinkel, von dem Insassen mit Handicaps profitieren.

Für wen ist der Meriva die richtige Entscheidung? Vom Konzept her spricht der Wagen junge Familien und Ältere an. Es ist ein entspanntes Fahrzeug, das vor allem durch seine Flexibilität besticht. Auch für Paare mit einem aktiven Lebensstil wäre das kleine Raumwunder zu empfehlen. Für den Meriva spricht nicht zuletzt seine Preisgestaltung. Den 120-PS-Turbo gibt es ab 17.270 Euro, für 22.000 Euro Listenpreis kann man seinen Opel schon ganz schön ausgestalten. Beim Händler dürfte man einen Meriva dann deutlich günstiger bekommen. Obendrein gibt es die "lebenslange" Opelgarantie. Über das Wort "lebenslang" mag man streiten, aber ein handfester Vorteil ist diese Garantie allemal. Wer Autopreise vergleicht, kann sich bei der Konkurrenz einmal ausrechnen lassen, was eine Garantieverlängerung über nur sieben Jahre kosten würde.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.