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Porsche Cayman S: Mit 295 PS in die Lücke

Ein Porsche ist ein Porsche ist ein Porsche - und doch verstehen es die schwäbischen Cleverle, aus dem Mythos immer neue Karosserie- und Motor-Varianten zu formen. Jüngstes Beispiel: der Cayman S, der die Lücke zwischen Boxster und Elfer schließen soll.

Von Frank Wald

"Wer neue Antworten will, der muss neue Fragen stellen", meint Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Vor allem solche, auf die Otto-Normalverbraucher nie käme, wie beispielsweise: "Wo gibt es zwischen Boxster und 911 eine Nische, in der wir den Kunden noch etwas ganz besonderes bieten können?" Wiedekings Antwort steht am 26. November beim Händler: der Cayman S.

Bissig wie ein Alligator

Nüchtern betrachtet handelt es sich bei dem 4,34 Meter langen Mittelmotor-Coupé um ein Porsche Boxster S mit Dach – aber mit was für einem! Fiel es schon immer schwer, einen Porsche nüchtern zu betrachten, beim Cayman S geht ein Raunen und Pfeifen durch jede Runde, in der er auftaucht. Was in erster Linie an dem knackigen Hintern liegt, der durch das steil abfallende Dach und den schwungvoll geformten Kotflügeln modelliert wird, und in dem serienmäßig 18-Zoll-Aluräder rotieren. Bissig wie die kleine Alligator-Art, dem der Zweisitzer seinen Namen verdankt, wirkt außerdem die Seitenansicht mit den Luftloch-Kiemen an den Türausschnitten, die im Gegensatz zum Boxster mit vertikalen statt horizontalen Streben durchzogen sind. Auch in seinem Abschiedswerk beweist Porsches oberster Gestalter Harm Lagaay, der damit nach 15 Jahren den Zeichenstift an Ex-Smart-, Ex-Saab-Chefdesigner Michael Mauer übergibt, wie er der automobilen Ikone mit kleinen Änderungen immer wieder neues Leben einhauchte. Abgesehen von den in die vorderen Lufteinlässe integrierten Nebelscheinwerfern ließ der gebürtige Holländer hingegen den Boxster-Bug mit den ovalen Scheinwerfern unberührt.

Mehr Geld, mehr Technik

Wer diesen Anblick in der heimischen Garage genießen will, muss jedoch auf die 52.265 Euro für den Boxster S noch einmal 6264 Euro drauf legen. Im Gegensatz zur üblichen Preispolitik, nach der Cabriomodelle die teureren Varianten darstellen, rechtfertigt Porsche die Mehrkosten beim Boxster-Coupé mit der aufwändigeren Technik, die im Cayman S steckt. Dazu gehört vor allem der von 3,2 Liter auf 3,4 Liter aufgebohrte Boxermotor, der nun 295 PS (Boxster S: 280 PS) aus seinen sechs Töpfen kitzelt. Außerdem kommt die Nockenwellen- und Ventilhubverstellung VarioCam Plus zum Einsatz, die bislang nur der Elfer-Baureihe vorbehalten war und das maximale Drehmoment auf 340 Newtonmeter treibt.

Krokodil auf Kurvenjagd

Hinterm Lenkrad ist von alldem zunächst nichts zu sehen und zu spüren. Stattdessen das vertraute Boxster-Bild: übersichtliches Cockpit mit drei ineinander verlaufenden Rundinstrumenten, analoge und digitale Tachoanzeige, maßgeschneiderte Sportsitze, edle Materialauswahl, penible Verarbeitung – alles wie gehabt: rein setzen, starten, losfahren. Doch schon der Dreh am Zündschlüssel lässt aufhorchen. Mit kehligem Klang erwacht der Boxer im Rücken des Fahrers, moduliert beim Tritt aufs Gas in kerniges Fauchen, um danach in ein unruhiges Grummeln zu verharren. Und "was der Sound verspricht, bringt die Leistung rüber", wie Wiedeking es ausdrückt. In 5,4 Sekunden katapultiert das rassige Reptil auf 100 km/h und ohne Zucken weiter bis Tempo 275. Doch echte Freude kommt erst bei der Kurvenhatz durch die Chianti-Hügel auf. Giftig schnappt das kleine Krokodil nach jeder Kehre, während sich vorne 235er-, hinten 265er-Gummiwalzen in den Asphalt beißen. Willig und direkt gehorchen sie der schnell und spontan ansprechende Lenkung, das präzise geführte Sechsganggetriebe (Tiptronic S: 2575 Euro Aufpreis) macht Lust aufs Schalten.

Fest auf dem Boden geklebt

Das Fahrwerk stammt ebenfalls vom Boxster S, Federn, Dämpfer und Stabilisatoren wurden aber noch einmal sportlicher getrimmt. Für 1508 Euro Aufpreis bietet Porsche dazu sein Active Suspension Management (PASM), das eine Tieferlegung der Karosserie um zehn Millimeter beinhaltet sowie die Dämpfung automatisch der jeweiligen Fahrsituation anpasst. Doch schon das serienmäßige ist so gut getrimmt, dass es den Fahrer nie im Unklaren lässt, auf welchem Untergrund er sich gerade bewegt. Sollte er sich dennoch schwindelig fahren (was leicht passieren kann), greift das Porsche Stability Management (PSM) sportlich-spät ein und bringt den Wagen wieder auf Kurs. Im Extremfall sorgen Front- und Seitenairbags sowie ein spezieller Kopfairbag, der aus dem Türscheibenschacht schießt, für Sicherheit ab Werk.

Sofort Koffer packen

Ach ja, noch etwas ist anders als beim Boxster: Platz und Geräumigkeit. Unter der großen Heckklappe, die von der oberen Dachkante bis zum ausfahrbaren Spoiler reicht, lassen sich leicht 260 Liter Gepäck verstauen. Mit den üblichen 150 Litern unter der Fronthaube bietet der Cayman damit ebensoviel Volumen wie ein BMW M3 und deutlich mehr als ein Mercedes SL (235 Liter), Maserati Coupé (315 Liter) oder Jaguar XKR (327 Liter). Dazu finden sich noch verschiedene Ablagen im Innenraum. Nie war ein Porsche alltagstauglicher.

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