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Reportage: Erprobung BMW Z4: Dachpappe

Der Schock bei den Fans bayrischer Roadster war groß, als BMW die ersten Fotos vom neuen Z4 zeigte: Durch sein Klappdach bricht der Zweisitzer mit bekannten BMW-Traditionen. In Lappland zeigt er seine Stärken.

Seine offizielle Weltpremiere feiert der BMW Z4 auf der North American International Auto Show (NAIAS). Doch während er dort noch in wohltemperierten Hallen steht, drehen die BMW-Entwicklerteams mit den nahezu fertigen Prototypen in Lappland noch Testrunden. Es geht um den letzten Feinschliff, bevor der neue Z4 im Mai weltweit auf die Märkte kommt. Besonders das Aluminium-Klappdach, das Geräuschniveau, die Regelsysteme und die Dichtungen stehen auf dem täglichen Testprogramm.

Nachdem die Temperaturen im Dezember lange Zeit nur wenig unter Null fielen, ist es am finnischen Polarkreis nun endlich kälter geworden. Hier kann die neue Dachkonstruktion zeigen, was sie taugt. Denn erstmals ist ein BMW-Roadster ohne Stoffdach unterwegs. "So lange als möglich hatten wir die Prototypen mit beiden Dachversionen in der Erprobung", berichtet Entwickler Heinz Krusche, bei BMW seit Jahren für die Fahrdynamik zuständig: "Doch dann ist die Entscheidung für das Klappdach gefallen."

Also raus aus den dicken Winterjacken und hinein in den eng geschnittenen Innenraum des Roadsters. Die Ablage hinter den bequemen Sportsitzen ist klein. Daher sollte man nicht nur die voluminösen Daunen-Klamotten gleich in den 180 bis 310 Liter großen Kofferraum packen. Auf Wunsch gibt es eine Skidurchlade. Der Innenraum zeigt sich mit wertigen Bedienelementen, übersichtlichen Armaturen und einer sehr gelungenen Mittelkonsole. Hier konnte der Vorgänger nicht gerade glänzen. Die wichtigsten Funktionen lassen sich über das gute iDrive-System bedienen.

Nur im Stand

Doch schon nach ein paar hundert Metern passiert der erste Lapsus. Trotz langsamer Fahrt lässt sich das vollelektrische Aludach nicht öffnen. Das liegt jedoch nicht an den winterlichen Außentemperaturen sondern an einer überflüssigen Sicherheitseinrichtung: BMW erlaubt beim neuen Z4 das Öffnen und Schließen des Aludachs nur im Stand. Das ist bitter – darüber täuscht auch die standesgemäße Zeit von 20 Sekunden für das Öffnen nicht hinweg. Trotzdem wird Z4-Projektleiter Werner Kleeberger nicht müde, die Vorteile des Klappdach zu unterstreichen: "Das Raumklima bleibt stabil. Bei einem Stoffdach hingegen kann im Winter manchmal der Eindruck von Feuchtigkeit eintreten."

Das Klappdach hat nach der Präsentation es Mercedes SLK im Jahre 1996 seinen Siegeszug angetreten und erfreut sich weltweit längst großer Beliebtheit. Viele Kunden wissen bei der Mischung aus Cabriolet und Coupé nicht nur die subjektive Sicherheit, sondern auch die größere Wintertauglichkeit und die geringeren Versicherungsprämien zu schätzen. Ein Vorteil dieser Dachkonstruktion sind die größeren Glasflächen und die schmaleren Säulen rundum.

Einen wirklich leisen Eindruck macht das Aluminium-Klappdach des künftig in Regensburg produzierten BMW-Roadster jedoch nicht. Im Gegenteil: Fahrbahn- und Abrollgeräusche dringen beim Prototypen deutlich vernehmbar über C-Säule und beheizbare Heckscheibe in den Innenraum.

Obwohl die BMW-Verantwortlichen bei der Einführung des Vorgänger-Modells im Jahre 2003 noch munter das Gegenteil proklamierten, singen sie nun ein Loblieb auf das Klappdach: "BMW hat sich beim neuen Z4 bewusst für ein Dach aus Alu-Schalenbauweise entschieden, weil ein leichtes Dach - im Gegensatz zu einem schwereren Blechdach - deutliche Vorteile hinsichtlich einer günstigeren Schwerpunktslage bringt", erklärt BMW-Sprecher Friedbert Holz.

Klassischer Zweitwagen

Die Vorteile des neuen Z4 sollen markentypisch in der Fahrdynamik liegen. Daran mag man bereits nach ein paar Kilometern in dem um 15 Zentimeter verlängerten Spaßmacher nicht zweifeln. Der gut 1,5 Tonnen schwere Sportler liegt trotz schwieriger Straßenverhältnisse prächtig auf der Piste, glänzt mit einer feinen Fahrwerksabstimmung und einer klasse Lenkung.

Krusche: "Wir haben die Kritik am Vorgänger aufgenommen und dem Wagen mehr Komfort, mehr Lenkpräzision, kurzum mehr Ruhe mit auf den Weg gegeben." Probleme hat das 306 PS starke Testmodell BMW Z4 sDrive 35i jedoch damit, seine Kraft auf die vereisten Straßen rund um Rovaniemi zu bekommen. Es ist glatt und mit der Traktion ist es trotz griffiger Winterpneus nicht zum Besten bestellt. Trotz aller unbestrittenen Winterqualitäten sollten sich die künftigen Z4-Kunden daher vielleicht besser noch ein spezielles Winterauto zulegen. Ohnehin dürfte der mindestens 35.900 Euro teure Z4 von den meisten Kunden als Zweitfahrzeug bewegt werden.

Zur Markteinführung im Mai werden drei Reihen-Sechszylinder von 204 bis 306 PS verfügbar sein. Ein besonders effizienter Vierzylinder mit rund 170 PS soll ebenso folgen wie die obligatorische M-Version, die 2010 erwartet wird. Alle Modelle verfügen über variable Ventilsteuerung, Benzin-Direkteinspritzung, Bremsenergie-Rückgewinnung, Schaltpunktanzeige und eine optimierte Aerodynamik.

Einen besonders gelungenen Eindruck machte bei den Testfahrten die prächtig abgestimmte Siebengang-Sportautomatik, die Dank Doppelkupplung ein Schalten ohne Zugkraftunterbrechung ermöglicht. Friedbert Holz: "Die neue Siebengang-Sportautomatik mit Doppelkupplungsgetriebe hat die gleiche Basis wie das DKG bei den M3-Modellen, ist quasi baugleich und stammt auch vom gleichen Lieferanten – Getrag." Für BMW kann der nächste Frühling also kommen.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.