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Subaru Outback H6 3.0: Der scharfe Oberförster

Im neuen Look legt der Outback tüchtig zu. Sportlicher und erwachsener als der Vorgänger zeigt er sich 2004. Nach der Falten-Kur hat der Ur-SUV aus Fernost das Zeug im Markt der etablierten Edel-Allradler zu wildern.

Die Karosserie präsentiert sich deutlich entschlackt, der Outback hat seine barocke Opulenz abgeworfen, ohne dass der besondere Subaru-Charakter verloren gegangen wäre. Verlangte das Modell 2003 schon von außen noch eine Grundtoleranz für das Außergewöhnliche, so kann man das Neudesign ohne zu zögern elegant nennen. Die Mittellinie beschreibt eine sportliche Kurve, die großzügigen Fensterflächen lassen keine Kombi-Tristesse aufkommen. Der Wagen steht kraftvoll auf wuchtigen 17-Zoll-Alufelgen, die Frontpartie bekommt durch die überdimensionierten Nebelscheinwerfer einen zusätzlichen Akzent. Die endlose Haube wölbt sich bullig über dem längs eingebauten Sechszylinder. Hier lauert Kraft, die man auch sehen soll. Trotzdem ist der Wagen kein Poser, eher ein Fahrzeug für Individualisten mit Sinn für dezentes Understatement.

Macht der Subaru Ihnen Appetit auf die Cross-Over-Klasse?

Edel durchs Gelände

Das hell ausgestattete Interieur mit dem dicken Velour sieht so gar nicht nach "Matsch meets Gummistiefel" aus, bereits nach dem Jogging mit normalen Profilsohlen meldet sich das schlechte Schmutz-Gewissen. Dem Innenraum-Design steht der Sinn nicht nach dem Groben. Typisch für die Crossover-Fahrzeuge, die immer weniger für die Landwirt- und Jägerklientel ausgelegt werden. Der Arbeitsplatz des Fahrers ist durchweg sportlich und bequem eingerichtet, keine Spur von Ländler-Rustikalität. Die Instrumente sind gut abzulesen. Matt glänzender Aluminium- Look spielt mit Holzapplikationen am Automatikhebel und den Kanten der Konsole. Nur die Mittelkonsole verwirrt zunächst etwas. Was diesen Bereich angeht, gibt es bessere Lösungen. Aber wen jucken Fragen der Schalteranordnung, wenn er dafür ein Momo-Sportlenkrad in den Händen halten darf, ohne draufzuzahlen? Die Verarbeitung ist tadellos, von Subaru ist man diesen hohen Standard gewöhnt.

Superschwergewichts-Boxer

Der Sechszylinder-Boxer erfüllt seine Aufgabe mit Bravour. Das Drei-Liter-Aggregat jagt ausgesprochen drehfreudig hoch und schafft es in jeder Lebenslage, dem Koloss einen Beschleunigungskick zu versetzen. Die Automatik lässt den Motor bis zu 7.000 Umdrehungen hochfahren. Beim ersten Kontakt mit der Motorisierung erschreckt man beinahe, wie behände der Outback zum Spurt ansetzt. Der einzige Nachteil der 245-PS-Maschine: Allzu lustbetontes Herumspielen mit dem Gasfuß versetzt das Aggregat in echte Gelage-Stimmung. Dann lässt der Boxer den Lebenssaft nur so durch die Leitungen spritzen. Spaß darf sein, sollte aber die Ausnahme bleiben. Eine Fahr-Passage unter der Knute des Tempomaten zeigt, wie gesittet sich der Sechszylinder bedienen kann. Dann schnurrt die Maschine sanft vor sich hin und der Fahrer gleitet durch die Landschaft. Aber so oder so wird kein Sparmeister geboren, auf 12 Liter Super muss man sich im Mix bei gemäßigter Fahrweise wohl einrichten. Dafür legt sich der Boxer aber auch mächtig ins Zeug. Ab 4200 Touren liegt das maximale Drehmoment von 297 Newtonmetern an. Das ermöglicht der Sprint auf Hundert in beachtlichen 8,5 Sekunden. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 224 km/h und auch mit Reise-Tempo 200 lässt der Outback angenehm über der Autobahn jagen.

Lasst die Wege schlechter werden

Der permanente Allradantrieb von Subaru schickt das Fahrwerk sicher auf die Straßen. Wenn es eng wird, greift die Fahrdynamik-Regelung ein. Aber natürlich liegt der Wagen relativ hoch, in zu schnell gefahrenen Kurven zerrt es schon gewaltig. Wer es flott angehen lässt, darf sich auf Überraschungen gefasst machen. Fürs wüste Gelände wurde der Outback nicht ausgelegt, dafür sorgen die langen Überhänge, auf ausgefahrenen Karrenpfaden und groben Schotterpisten zeigt er sein Können. Hier lässt sich der Outback praktisch genauso flott bewegen wie auf dem Asphalt. Erscheint die Federung auf der Straße ein wenig weich, zeigen sich ihre Stärke auf rauem Untergrund. Tempo 100 auf Grobschotter steckt das Fahrwerk ohne Murren weg. Mit seiner Zuglast von 750 Kilogramm (ungebremst) und 2000 Kilogramm (gebremst) prädestiniert sich der Outback als Begleiter von Freizeitsportlern, die nicht nur ein Surfbrett, sondern auch mal ein ganzes Boot bewegen wollen.

Was geht rein?

Absolute Raummaßstäbe setzt der Subaru nicht, wenn auch niemand unter Enge leidet. Auf allen Plätzen genießen die Passagiere großzügige Platzverhältnisse. Die Rückenlehnen im Fond lassen sich umklappen, so vergrößert sich der Stauraum von 459 auf 1628 Liter. Die schräge und gewölbte Heckklappe schränkt das Volumen ein. Positiv ist die fast ebene Ladefläche, für die keine Kopfstützen entfernt oder hintere Sitzflächen nach vorn geklappt werden müssen. Die Ladekante liegt 60 Zentimeter über dem Boden, kein Wunder bei 20 Zentimeter Bodenfreiheit, dennoch lässt sich der Wagen in der Praxis bequem beladen.

Was gibt's fürs Geld?

Bei einem Preis von über 42.000 Euro legt Subaru mit dem Outback H6 3.0 kein Sonderangebot vor. Sechszylinder und Allrad verlangen ihr Geld, darüber hinaus ist der Outback absolut komplett ausgestattet. Preistreiber wie CD-Wechsler, DVD-Navigation und Lederausstattung sind inklusive, aufpreispflichtige Extras gibt es schlicht nicht. Wer Wert auf eine Vollausstattung legt, darf auf keinen Fall vergessen auf die Grundpreise der Konkurrenz die gewünschten Ausstattungspäkchen zu addieren. Als Gedächtnisstütze: Allein die Touchscreen-DVD-Navigation schlägt andernorts mit 2.800 Euro zu Buche.

Der Outback ist ein ungewöhnliches Auto für ungewöhnliche Fahrer, das keinen Vergleich mit Mitbewerbern zu scheuen braucht. Der Imagewert eines Subaru mag noch nicht an Premium-Marken heranreichen, doch die inneren Werte für die Crossover-Oberklasse bringt der Subaru mit. Der Wagen passt sowohl in die City, wie auf die Schotterpiste. Design und Motor können begeistern. Die Verarbeitung hält einen hohen Standard, und der Preis wird durch die umfangreiche Vollausstattung wieder verdaulich.

Gernot Kramper

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.