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Volvo V60 Nordische Kombination


Schöne Kombis heißen nicht mehr automatisch Avant. Was Audi kann, können wir schon lange, sagte sich Volvo, und schickt ab November mit dem V60 sein elegantestes Modell seit dem Schneewittchensarg auf den Markt.
Von Michael Specht

So etwas nennt man wohl ein Luxusproblem", sagt Bernhard Bauer. Der Geschäftsführer Volvo Car Germany kann gar nicht so viele Autos ranschaffen, wie deutsche Kunden ordern. Besonders gefragt ist der Geländewagen XC60 und für die am 18. September in den Markt gehende Limousine S60 liegen schon so viele Bestellungen vor, dass das Kontingent für dieses Jahr fast ausgeschöpft ist. Insgesamt verkauft Volvo in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Viertel mehr Autos. "Unser Ziel ist ein Marktanteil von einem Prozent", sagt Bauer, "was knapp 30 000 Autos bedeuten würde.

Die Kante ist passé

Dass diese Hürde nicht besonders hoch sein dürfte, glaubt spätestens, wer die Kombiversion des S60 betrachtet, die Volvo nach bewährter Nomenklatur V60 nennt. Ein schöneres Auto haben die Schweden nie auf die Räder gestellt, lässt man in der Firmenhistorie einmal vom P 1800 ES - auch Schneewittchensarg genannt - absieht. Vorbei mit "Fridges on Wheels", mit Kühlschränken auf Rädern, wie Kritiker lange Zeit die kantigen Kombis nannten, die mitunter aussahen, als stammten sie aus einem Malwettbewerb von Erstklässlern. Beim V60 dagegen stimmen die Proportionen perfekt. Der Wagen wirkt gefällig und kompakt, die Silhouette durch die nach hinten schlanke Fenstergrafik durchaus sportlich. Volvo-Mann Bauer spricht gar von einem "sexy Auto" und ist sich sicher, dass der V60 maßgeblich dazu beiträgt, dass Volvo für Kunden einmal mehr auf der Shopping-Liste steht, wenn es um das Thema Premium-Automobile geht.

Lifestyle kosten Laderaum

Dafür haben sich die Entwickler mächtig ins Zeug gelegt. Die Verarbeitungsqualität und die Auswahl der Materialien im Innenraum sind hochwertig, auch wenn die optische Anmutung des Armaturenbrettes etwas nüchtern wirkt. Hinter dem in Höhe und Tiefe verstellbaren Lenkrad findet sich eine entspannte Sitzposition. Die Bedienung sämtlicher Schalter und Hebel ist selbsterklärend, auf Gimmicks und optische Spielereien verzichtet Volvo. Trotz seiner nur 4,63 Meter Außenlänge und coupéartigen Anmutung genießen selbst große Personen im Fond des V60 alltagstaugliche Kopf- und Beinfreiheit. Hinter ihnen bleiben noch 430 Liter an Gepäckvolumen. Viel ist das nicht, sogar 66 Liter weniger als im Vorgänger V50. Aber der V60 will auch mehr Lifestyle- und Sportkombi als Nutzfahrzeug sein. Soll dennoch größeres Stückgut transportiert werden, lassen sich nicht nur die drei Lehnenteile kinderleicht nach vorne klappen und bilden eine tischebene Ladefläche, sondern sogar die Beifahrerlehne flach legen.

Das Volumenmodell heißt D3

Die Motorenpalette umfasst fünf Benziner (vier sind neue Direkteinspritzer) und drei Diesel. Gefahren sind wir die meistverkaufte Version, den D3. Hinter diesem Kürzel stecken zwei Liter Hubraum, 163 PS und üppige 400 Newtonmeter Drehmoment. Damit lässt sich der V60 angenehm beschleunigen, wobei der Common-Rail-Vierzylinder sich nie in den Vordergrund spielt, sondern sehr leise und geschmeidig läuft. Zwar macht Volvo noch keine offiziellen Verbrauchsangaben, da der V60 erst im November in den Handel geht, doch dürfte der EU-Normwert bei unter fünf Litern je 100 Kilometer liegen. Sparfüchsen steht ab Anfang nächsten Jahres noch die DRIVe-Variante zur Verfügung. Sie treibt ein 1,6-Liter-Diesel mit 115 PS an, der nur 4,3 Liter verbrauchen soll.

Safety in the City

Punkten wollen die Schweden erneut bei der Sicherheit. Der V60 ist das dritte Volvo-Modell, das serienmäßig mit City-Safety ausgerüstet ist, jenem Sicherheits-Feature, das bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h einen Auffahrunfall vermeidet. Optional gibt es wie beim S60 die Fußgängererkennung mit automatischer Vollbremsung, sobald Kinder oder auch Erwachsene vors Auto laufen. Bis zu einer Geschwindigkeit von 35 km/h wird eine Kollision komplett vermieden.

Preislich startet der V60 bei 28.000 Euro. Dafür gibt es den 150 PS starken Benziner in der Basisausstattung, zu der unter anderem Klimaanlage und Radio-CD gehören. Günstigster Diesel ist vorerst der D3 mit 32.650 Euro. Damit bleibt Volvo bewusst ein paar Prozent unter den deutschen Premium-Anbietern. Ob das genügend Kunden ins schwedische Lager zieht, bleibt abzuwarten. Doch Geschäftsführer Bernhard Bauer gibt sich bescheiden, wäre schon mit 7000 Stück im nächsten Jahr sehr zufrieden. "Wir wollen ja gar nicht BMW, Audi oder Mercedes werden, sondern nur die beste Alternative zu diesen drei Herstellern sein."


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