HOME

Jaguar XJ6 Series 1: Es begann mit einer Wette - wie dieser Jaguar-Klassiker entstand

Heute ist er ein Klassiker, der Jaguar XJ6 Series 1. Eine Fahrt im Dienstwagen des Jaguar-Gründers Sir William Lyons ist ein Erlebnis, mindestens genauso spannend ist die Entwicklung des Fahrzeugs. Denn die begann mit einer Wette.

Jaguar-Chef Sir William Lyons holte sich auch einen XJ6

Jaguar-Chef Sir William Lyons holte sich auch einen XJ6

Weitere Fotostrecken aus dem Ressort

Als Sir William Lyons vor 50 Jahren den Jaguar XJ entwarf, stand viel auf dem Spiel. Die sportliche Limousine musste ein Bestseller werden, denn Jaguar war gerade Teil der British Leyland Motor Corporation geworden. Der eigenwillige Geschäftsmann Lyons fand sich zwar zähneknirschend mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten ab, wollte aber das Steuer des von ihm gegründeten Unternehmens selbst in der Hand halten. Und was hilft da mehr, als ein Erfolgsmodell? Nicht nur das, die Zeit drängte, schließlich sollte der Viertürer neuen Schwung in die alternde Limousinen Modellpalette bringen.

Lyons zermarterte sich das Hirn. Die Idee, einen E-Type mit vier Türen auszustatten, hatte er verworfen. Zu sportwagenlastig. Aber der elegante Zweisitzer sollte noch eine gewichtige Rolle in der Entwicklung des Projekts mit dem internen Code "XJ4" spielen. Um möglichst schnell ein Auto auf die Räder zu stellen, machte William Lyons mächtig Dampf -auf seine ganz spezielle Art. Er schlug dem Chefingenieur Bob Knight eine Wette vor, deren Inhalt darin bestand, dass es der Techniker nicht schaffen würde, innerhalb eines Monats eine passende Hinterradaufhängung zu konstruieren. Der Wetteinsatz war für den Kettenraucher Knight besonders verlockend: eine Schachtel Zigaretten.

Jaguar - Das Bauchgefühl macht den Unterschied

Also machte sich der sehr beleibte Bob Knight ans Werk. Die Idee war simpel, aber schwer umzusetzen: Er adaptierte einfach die Hinterachse des E-Type, baute sie in die Limousine ein und schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen bekam die Limousine so die nötige Agilität, zum anderen konnte so der enggesteckte Zeitplan eingehalten werden. "Allerdings musste man die Vibrationen in den Griff bekommen", erzählt Jaguar XJ-Experte Stuart McEvoy. Die Lösung für dieses Problem war genial: Bob verließ sich auf sein Bauchgefühl. Schließlich war der Resonanzkörper groß genug. Während der legendäre Testfahrer Norman Dewis seine Runden drehte, saß Bob Knight auf der Rückbank und spürte die Vibrationen mit seinem Bauch. Je nach Ausschlag der Knight-Skala wurde das Fahrwerk abgestimmt. So gewann der findige Ingenieur seine Wette und löste den Preis umgehend in Rauch auf.

Das Resultat der unkonventionellen Testmethode begeistert heute noch. Wir sitzen in Sir William Lyons Dienstwagen, einem 1968er Jaguar XJ6 mit der Lackfarbe Sable und der Innenausstattung in Cinnamon (Zimt). Der Sechszylinder mit seinen 4.2 Litern Hubraum stammt aus dem Jaguar XK, leistet 245 PS und beschleunigt den britischen Gentleman auf 200 km/h. Eine Fahrt in dieser eleganten sportlichen Limousine begeistert noch heute. Vibrationen? Fehlanzeige. Das Triebwerk agiert sämig, der Geradeauslauf ist makellos und der Komfort auf der Rückbank für ein 50 Jahre altes Fahrzeug beeindruckend - Bob Knights Bauch sei Dank. "Das Auto war leiser als ein Rolls-Royce und schneller als ein BMW oder Mercedes, von Cadillac und Lincoln ganz zu schweigen", erzählt Stuart McEvoy. Aber auch in den Kurven schlägt sich der XJ6 nach wie vor beachtlich. Kein Wunder, dass Queen Mum bis zuletzt sich hinter das Steuer ihres Exemplars schwang, einem XJ12 - standesgemäß mit einem Zwölfzylindermotor ausgestattet.

Jaguar XJ6 Series 1: Es begann mit einer Wette - wie dieser Jaguar-Klassiker entstand
Jaguar-Chef Sir William Lyons holte sich auch einen XJ6

Jaguar-Chef Sir William Lyons holte sich auch einen XJ6

Der Jaguar XJ beim Pariser Autosalon

Auf dem Pariser Autosalon 1968 war es soweit: Der Jaguar XJ strahlte im Scheinwerferlicht, das Publikum war begeistert. Zurecht: Die elegante Limousine wurde der erwartet große Wurf und die eleganten Formen sind heute noch stilgebend für die Marke Jaguar. Es war Sir Williams Lyons letzter großer Geniestreich, denn der Autobauer mit Leib und Seele zog sich 1972 aus dem operativen Geschäft zurück, blieb aber bis zu seinem Tod im Jahr 1985 einflussreicher Ratgeber - vor allem, was das Design anging.

Eine imposante Karriere für den Sohn des Inhabers eines Musikgeschäfts in Blackpool. Statt sich mit Violinen und Posaunen zu beschäftigen, interessierten William Kurbelwellen und Pleuelstangen. Also fing er eine Lehre als KFZ-Mechaniker an und studierte später an der Abendschule in Manchester Maschinenbau. Bereits 1922 gründete Lyons zusammen acht Jahre älteren William Walmsley die "Swallow Sidecar Company" und baute Motorrad-Beiwagen. 13 Jahre später stellte William Lyons mit dem S.S. Jaguar 2 ½ Litre seine erste viertürige Limousine vor.

Weitere Meilensteine folgten in den 1950er und 60er Jahren mit dem Jaguar XK 120, der die Basis für den Siegerwagen des 24 Stunden Rennens von Le Mans bildete und natürlich den E-Type, der heute noch jeden Sportwagen-Fan mit der Zunge schnalzen lässt. In diese Reihe legendärer Automobile fügte sich der XJ6 nahtlos ein.

PRESSINFORM
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
  • Stefan Grundhoff