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Nach dem Einsturz in Genua: Übersicht mit 40.000 Brücken: So marode sind Deutschlands Autobahnbrücken

In Genua ist eine Autobahnbrücke eingestürzt, es gibt zahlreiche Tote. Grund genug, sich einmal den Zustand von knapp 40.000 Brücken über deutsche Straßen anzusehen. Ein Experte warnt.

Die Autobahnbrücke bei Siegen in Nordrhein-Westfalen

Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke im italienischen Genua lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die 40.000 Brücken Deutschlands zu werfen.

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Nach dem Brücken-Unglück in Genua warnt ein Experte, dass auch in Deutschland viele Brücken marode seien. "Unsere Brücken verrotten gefährlich, ein Einsturzrisiko kann inzwischen nicht mehr ausgeschlossen werden", sagte der Brücken-Architekt Richard Dietrich den Zeitungen des Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dietrich sieht vor allem im überwiegend verwendeten Werkstoff Beton ein Problem. Schäden würden dadurch erst spät sichtbar.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) ist der Zustand der Brückenflächen bei über 12 Prozent "sehr gut" oder "gut", bei etwa 75 Prozent "befriedigend" oder "ausreichend". Bei fast 11 Prozent ist der Zustand "nicht ausreichend", bei knapp 2 Prozent gar "ungenügend".

+++ Hier finden Sie die komplette Übersicht mit 40.000 Brücken über Autobahnen, Fernstraßen und Bundesstraßen +++

Die Zustandsnote bildet nach BAST-Angaben die Grundlage für die weitere Erhaltungsplanung. Eine Zustandsnote "nicht ausreichend" bedeute aber nicht zwangsläufig eine Nutzungseinschränkung des Bauwerkes, sondern sei vielmehr ein Indikator dafür, dass in näherer Zukunft eine Instandsetzungsmaßnahme zu planen sei. 

Autobahnbrücken in Deutschland: Keine Panik bei Note "ungenügend" 

Ein "ungenügender" Zustand weist zwar auf eine beeinträchtigte oder nicht mehr gegebene Stand- oder Verkehrssicherheit hin, kann aber auch lediglich auf Schäden an den Gitterstäben des Geländers zurückzuführen sein. Wenn bei der Bauwerksprüfung eine Sicherheitsbeeinträchtigung festgestellt wird, so werden der BAST zufolge sofort entsprechende Maßnahmen getroffen, um die erforderliche Sicherheit weiterhin zu gewährleisten. 

Experte Dietrich plädiert für die Rückkehr zu Stahlbrücken, die deutlich langlebiger und weniger anfällig für Schäden seien.  "Wenn der Beton Risse hat, durch die Feuchtigkeit eindringt, löst sich irgendwann der Zement auf, dadurch rostet die freigelegte Stahlbewehrung, und spätestens dann leidet die Stabilität", erläuterte der Bauingenieur.  "Aber die Betonindustrie ist ein gut funktionierendes Kartell in Deutschland, das sich sogar an den Universitäten durchgesetzt hat", kritisierte Dietrich. "Dort lernen die angehenden Ingenieure, nur noch mit diesem Werkstoff zu bauen". Das umzukehren brauche Zeit und ein Umdenken bei vielen, die daran nicht sonderlich interessiert seien.

+++ Lesen Sie mehr: Deutschland hat Brückenschmerzen. Es ist ein Skandal, der viele Milliarden kostet: In Deutschland machen die Brücken schlapp. Unterwegs mit einem Trupp Ingenieure, die gegen den Kollaps ankämpfen. +++

 

Italien: Autobahnbrücke in Genua: Augenzeuge filmt Moment des Einsturzes
wlk/rös / DPA / AFP
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