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Neue Ladetechnik für Elektroautos: Heißes Pflaster in der City

Bis Elektroautos unsere Straßen bevölkern, werden noch ein paar Jahre ins Land gehen. Damit der Ladevorgang so einfach wie bei der heimischen Zahnbürste funktioniert, soll der Stromstecker verschwinden.

Morgens um halb sieben im heimischen Badezimmer. Es wird Zeit, schnell noch die Zähne putzen – natürlich elektrisch. Nach zwei Minuten lacht das Grinsegesicht im Display - fertig. Der Akku ist fast leer. Doch ab mit der Elektrozahnbürste in die Halterung und dann die volle Ladung. Nach ein paar Stunden ist die Bürste aufgeladen. Das gleiche Prinzip wollen einige Firmen in Einfahrten, Garagen und auf Parkplätze bringen. Torsten Cymanek und seine Firma WBT Datensysteme ist eine von ihnen. Sie will den Elektromarkt, der es noch nicht einmal in die Kinderschuhe geschafft hat, vor seinem Start revolutionieren. Das Motto: weg mit dem Stecker.

Die Elektroautos von morgen und übermorgen sollen unsichtbar via Induktionsschleife aufgeladen werden. Eine erste Teststation befindet sich auf dem Firmengelände von WBT in Bruchsal. Eine Platte, rund eineinhalb Quadratmeter groß, liegt hinten auf dem Pflaster des Hofes. Nach kurzer Zeit rollt ein orangefarbener Elektro-Lastesel an, parkt über der Spule und saugt sich ohne weiteres Zutun den Akku voll. "Wir sorgen nicht dafür, dass sich der Akku in dem Eco-Carrier schneller auflädt", erklärt Cymanek, "wir ersetzen einfach nur den Stecker." Der Mehrpol-Stecker, mit dem der Elektrokleinlaster normalerweise aufgeladen wird, funktioniert nach wie vor. Zusätzlich ist das Elektromobil am Fahrzeugboden jedoch mit einem Stromabnehmer ähnlich der heimischen Elektrozahnbürste ausgestattet. Der Abstand zwischen Ladeplatte unter dem Auto und der Platte auf dem Parkplatz kann bei dem System von WBT bis zu 15 Zentimeter betragen und soll so Sportwagen bis SUV das unsichtbare Tanken ermöglichen.

Schnell und bequem

Erkennen sich Ladestation und Fahrzeug nach dem Parkieren per Transponder, gibt es eine Identifikation nebst Bonitätsprüfung und die Ladekenndaten werden übertragen. Sekunden später beginnt der Strom zu fließen und der Akku des Elektromobils lädt sich wieder auf. Aussteigen, Ladekabel ausrollen, einstecken und starten kann man sich sparen. Gerade nervig, wenn es schnell gehen soll, es regnet oder schneit. "Zu Hause ist ein Stecker, mit dem man sein Elektroauto auflädt, durchaus akzeptabel", räumt Torsten Cymanek ein, "doch in der Stadt auf Parkplätzen will das keiner. Man stelle sich an den öffentlichen Stromtankstellen nur das Kabelgewirr vor." Die Planungen für Stromzapfsäulen in den Innenstädten laufen zwischen Flensburg und Oberstdorf bereits seit längerem auf Hochtouren. Einige Demosäulen gibt es für Pilotprojekte in Metropolen wie München oder Berlin bereits. Einige Testsäulen hat Cymanek und seine Firma WBT sogar selbst entwickelt.

Wie ungefährlich das Ganze ist, zeigt Cymanek im Selbstversuch. Er fährt den Elektrokleinlaster weg und setzt sich auf die angeschlossene Bodenplatte. "Strom läuft nur, wenn das Fahrzeug darüber steht. Sonst schaltet sich die Platte sofort ab. Nichts erhitzt." Autohersteller, Energieunternehmen und Akkufirmen stehen nach Aussagen von Torsten Cymanek bei seiner Firma, der WBT GmbH Schlange, um sich über die neue, kabellose Aufladetechnik zu informieren. Doch gerade bei den etablierten Autoherstellern ist das Ganze bisher ein mühsames Geschäft. Die meisten zögern und zaudern bereits bei der kostenintensiven Vorausentwicklung elektrobetriebener Fahrzeuge. Da ist die Art der Ladung ein Problem von nicht einmal zweitrangiger Bedeutung.

Einfacher als tanken

Volker Cymanek: "Unsere derzeitige Ladeplatte trägt eine rund 50 Meter lange Kupferspule in sich, die mit 16 oder 32 Ampere läuft und den über ihr abgestellten Wagen so durch ein Spannungsfeld mit Energie versorgt. Das Ganze ist einfacher als tanken." Die Kosten pro Auto beziffert er mit rund 2.000 Euro pro Platte und Auto. Größer ist die Kostenspanne bei einer öffentlichen Elektrozapfsäule. Sie könnten nach Aussagen von Cymanek zwischen 600 und 10.000 Euro pro Stück liegen. Doch die Ideen des umtriebigen Unternehmers gehen noch weiter. So kann er sich vorstellen, dass die Elektrofahrzeuge von übermorgen sogar bei langsamer Fahrt in der Innenstadt durch Induktionsleitungen im Fahrbahnbelag Strom aufnehmen und sich so während der Fahrt aufladen.

An einem ähnlichen System arbeitet Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV). "Der Akku wird ohne Kabel während der Fahrt oder beim Parken aufgeladen", erklärt Wilfried Nietschke, IAV-Bereichsleiter für Technologie Monitoring, das Prinzip. Induktionsschleifen in der Fahrbahn erzeugen ein Magnetfeld, das die Autos berührungsfrei mit Energie versorgt. Steckdose und ein Kabel sind daher nicht erforderlich. Lang andauernde Ladeprozeduren oder das aufwendige Wechseln der Batterie können ebenfalls weitgehend entfallen. Nietschke ist zuversichtlich, die innovative Technologie in den nächsten Jahren zur Serienreife entwickeln zu können: "Im Modellversuch funktioniert unser neues System bereits tadellos", sagt der Elektroingenieur und präsentiert als Beweis eine Anlage im Maßstab 1:28. Ein Stück "Ladestraße" zur Demonstration und eine Versuchsstrecke im Maßstab 1:1 werden bereits in Niedersachsen geplant. Man darf gespannt sein, ob die Straßen von übermorgen zum "heißen Pflaster" werden. So könnte der nächste Stau noch seine Vorteile haben und einem das Tanken ersparen.

Stefan Grundhoff; press-inform / press-inform
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.