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Aktuelle Studie: Aus Angst vor Corona: Wer es sich leisten kann, wechselt vom ÖPNV zum Auto

Nach dem Lockdown sind wieder mehr Menschen unterwegs. Die Gewohnheiten haben sich aber geändert, zeigt eine Studie: Wer ein Auto zur Verfügung hat, meidet den ÖPNV lieber. Es droht eine Spaltung der mobilen Gesellschaft.

Menschen in einer U-Bahn in Berlin

Die U-Bahn – hier in Berlin – füllt sich wieder. Doch wer kann, nutzt oft eher das Auto.

DPA

Im Zuge der Verkehrswende sollte die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs gestärkt werden, damit weniger Menschen das Auto benutzen. Doch durch das Coronavirus scheint dieses nachhaltig orientierte Konzept umgedreht werden. Eine aktuelle Studie zeigt, dass diejenigen ÖPNV-Nutzer, die es sich leisten können, lieber auf das Auto umsteigen. Grund dafür ist offenbar die Angst vor einer Corona-Infektion. Die Untersuchung wurde vom Wirtschaftszentrum Berlin für Sozialforschung im Auftrag des Bundesbildungsministeriums durchgeführt.

"Die mobile Gesellschaft spaltet sich", heißt es in der Studie. "Unter den 'oberen Zehntausend' fährt gegenwärtig (...) so gut wie niemand mehr öffentlich." Ein Drittel der Personen, die normalerweise Bus und Bahn nutzen würden, gaben an, lieber das Auto zu nehmen. Das Vertrauen in die öffentlichen Verkehrsmittel scheint somit in der Corona-Zeit massiv gesunken zu sein: "Wer zurzeit über ein Auto verfügt, wird dies voraussichtlich eher mehr als weniger nutzen. Und wer sich dies nicht leisten kann, wird weiter auf den ÖPNV angewiesen sein."

Forscher fordern "Initiativen in Richtung Schutz, Rücksicht, Abstand"

Zwar gibt es aus nachhaltiger Perspektive auch positive Entwicklungen: In der Zeit des Lockdowns legten viele Bürger deutlich mehr Wege zu Fuß zurück. 20 Prozent der 1000 in der Studie Befragten gaben an, nun lieber mit dem Fahrrad als mit den Öffentlichen unterwegs zu sein. Zudem vermuten die Autoren der Studie auch, dass die Zahlen der Fahrgäste in Bus und Bahn wieder steigen werden, je mehr Normalität einkehrt – auch weil altbekannte Zwänge wie der Weg zur Arbeit wieder zurückkehren.

Dennoch wäre es "fahrlässig", so die Studie, sich darauf zu verlassen. Die Forscher plädieren für eine Reform im ÖPNV und fordern "Initiativen in Richtung Schutz, Rücksicht, Abstand". Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass sich der verhältnismäßige Anstieg der Autonutzung auch in der Zukunft fortsetzen könnte, sollte der ÖPNV das Vertrauen der Fahrgäste nicht zurückgewinnen.

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Bundesbildungsministerin Anja Karliczek forderte in einem Statement zu den Ergebnissen der Studie ebenfalls Weiterentwicklungen im ÖPNV-Bereich: "Wir müssen die Menschen mit attraktiven Angeboten begeistern, diese Bereitschaft auch in die Tat umzusetzen. Attraktiv bedeutet: sicher, sauber und verlässlich", so die CDU-Politikerin. "Kurzfristig muss über Maßnahmen für den Gesundheitsschutz versucht werden, das Vertrauen in den ÖPNV wieder zu verbessern. Ansonsten könnten die Belastungen durch Lärm und Abgase wieder steigen."

Quellen: Studie "Zurück zur Mobilität?" / Bundesbildungsministerium

epp

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