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Fußgängerschutz: Schonende Weichteile

Bald dürfen in der EU nur noch Neuwagen auf den Markt gebracht werden, die einen eingebauten Fußgängerschutz haben. Der neue VW Passat ist schon so weit.

Hans-Robert Richarz

Ein Bein knallt mit 40 km/h gegen die Frontpartie. Ein dumpfer Knall, eine harmlose Beule am Auto, das ist alles. Danach prallt ein Kopf mit 35 km/h auf die Motorhaube des gleichen Autos. Wieder: Knall, Beule, Ende.

Es sind nur künstliche Körperteile, die auf Biegen und Brechen geprüft werden - bei Crashtests in der Halle 71 von Volkswagen in Wolfsburg. Ein länglicher Blechzylinder dient als Bein, eine Plastikkugel als Kopf. Erst in extremer Zeitlupe zeigt der mitgedrehte Hochgeschwindigkeitsfilm, was Bein und Kopf auszuhalten hatten. Das Kunstbein wurde exakt am Knie getroffen, wobei Ober- und Unterschenkel kurzzeitig in unnatürlichem Winkel zueinander standen, der Kunstkopf drückte für Millisekunden das Blech der Haube ein paar Zentimeter ein.

Die Tester um Torsten Strutz, der bei VW Leiter Pkw-Sicherheit ist, simulierten einen typischen Unfall im Stadtverkehr: Ein Fußgänger will die Straße überqueren, übersieht ein nahendes Auto - und schon ist es geschehen. Seine Beine treffen die Wagenfront, Bruchteile von Sekunden später knallt sein Kopf auf die Motorhaube. Strutz: "Im echten Leben wäre der Kopf jetzt ein Brummschädel und das Bein in Gips, aber noch dran."

Die Schwere der Verletzungen hängt nicht nur davon ab, mit welchem Tempo der Fußgänger angefahren wird, sondern auch davon, was für ein Auto beteiligt ist und aus welchem Baujahr es stammt. Ist es etwa ein vier Jahre alter Audi A4, stehen die Chancen des Betroffenen schlecht. Dieses Modell gilt bei der Verbraucherschutzorganisation Euro/NCAP seit 2002 wegen seiner harten und kaum nachgiebigen Front als besonders fußgängerfeindlich. Beim neuen VW Passat hingegen, um den es sich bei diesem Crashtest handelt, sind die Aussichten gut, dass der Fußgänger Glück im Unglück hat. Denn das Auto wurde nach der neuen europäischen Fußgängerschutzrichtlinie konstruiert. Dadurch sollen die Unfallfolgen so gering wie möglich gehalten werden.

Um das zu erreichen, rollten in den vergangenen Monaten in der VW-Entwicklungsabteilung Tag für Tag Köpfe über Motorhauben, prallten Beine gegen Frontpartien. Wie auch bei anderen Autobauern wurden Dummy-Körper malträtiert. Denn vom 1. Oktober 2005 werden neu konstruierte Autos innerhalb der EU nur dann die allgemeine Betriebserlaubnis erhalten, wenn sich in einem genormten Prüfverfahren zeigt, dass sie genau definierte Kriterien für mehr Sicherheit beim Zusammenstoß mit einem Menschen einhalten.

Pro Jahr werden in Deutschland etwa 800 Fußgänger bei Verkehrsunfällen getötet. 60 Prozent davon sterben, weil sie nach dem Aufprall auf die Motorhaube schwerste Kopfverletzungen davontragen. Weit über 30 000 werden verletzt. Jeder Zweite davon kollidiert mit der Wagenfront. Hartmut Rau, Unfallforscher an der Technischen Universität Berlin, sagt: "Erwachsene werden in der Regel an der Hüfte von der Haubenvorderkante und an den Beinen von der Stoßstange getroffen. Durch die Beschleunigung schlagen der Oberkörper und der Kopf häufig im Bereich der Motorhaube auf."

Ab Oktober muss die gesamte Frontpartie so nachgiebig sein, dass bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h schwere Verletzungen bei Fußgängern möglichst selten sind. Zu deren Schutz konstruierten die VW-Entwickler einen nachgiebigen Träger aus Kunststoff, in den der Halter für den Stoßfänger mit einem leichten und deformierbaren Element aus Plastik eingelassen ist. Beides zusammen funktioniert als Knautschzone.

Bei zahlreichen Versuchen mit einem Kunstbein, 13,4 Kilogramm schwer, fanden die Experten heraus, dass schwerste Beinbrüche durch die Passat-Front eher die Ausnahme sein dürften. Und rund 300-mal ließen die VW-Entwickler Kunstköpfe auf Motorhauben knallen, um diese so konstruieren zu können, dass sie den größten Teil der Aufprallenergie schlucken. Jeder Kopf, 3,5 Kilogramm schwer, flog mit 35 km/h und im Winkel von 50 Grad auf das Blech. Weitere 2500 ähnliche Crashs wurden virtuell im Computer durchgespielt. Die Filmaufnahmen der Versuche zeigen, worauf es ankommt. Der Prüfkopf dellt die Motorhaube mehrere Zentimeter tief ein. Was noch keine tödlichen Folgen haben muss - es sei denn, dicht unterhalb der Einschlagstelle befindet sich ein massives Motorteil. Beim neuen Passat ist der Motor im Gegensatz zum alten Modell jedoch quer eingebaut. Das bedeutet: mehr Platz zwischen Triebwerk und Haube - wieder eine Knautschzone. Auch die Motorhaube selbst wurde "entschärft". Die unsichtbaren Verbindungsteile zwischen Innen- und Außenblech stehen nicht mehr senkrecht wie bisher, was bei einem Aufprall den Effekt eines scharfen Beils hätte, sondern schräg.

Damit es allerdings gar nicht erst zu einem Zusammenstoß kommt, wird der Passat serienmäßig mit einem System ausgestattet, das den Anhalteweg in Notsituationen erheblich verkürzt. Es ist der Bremsassistent, den Konkurrenten bereits haben. Der sorgt immer dann für eine computergesteuerte Vollbremsung, wenn der Fahrer in kritischen Momenten nicht kräftig genug das Bremspedal tritt. Untersuchungen haben ergeben, dass sich mit Hilfe dieses Systems bis zu 45 Prozent aller Fußgängerunfälle vermeiden lassen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.