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Globetrotter Lodge auf der Route 66 Alpengefühle auf der Route 66


Schräg gegenüber des berühmten Wigwam Motels an der Route 66 hat ein Österreicher vor fünf Jahren ein Motel eröffnet. In puncto Qualität hat es die Sehenswürdigkeit bereits um Längen überholt.

Mit einer einfachen Mail fing alles an. Genauer gesagt mit einer E-Mail, die so unscheinbar im Posteingang von Peter Höller auftauchte, dass er sie zu allererst überhaupt nicht wahrnahm. Ihr Tenor: Sie haben gewonnen. Was? Eine Green Card für die USA. "Wenn Du vier Jahre lang an dieser Lotterie teilnimmst, hörst Du irgendwann auf noch daran zu denken, geschweige denn dran zu glauben", gibt der sympathische 53-Jährige zu. Doch seit diesem Tag hat sich alles in seinem Leben verändert, denn er wanderte mit seiner Frau und seiner Tochter gen USA aus. Ganz so einfach wie es klingt, ist es natürlich nicht gewesen. "Du musst eine gewisse Summe auf deinem Konto nachweisen, vorher lassen sie dich nicht rein", verrät er. Diese Hürde meisterte er kurzum, in dem er seinen Anteil des von ihm und seinem Bruder geführten Speditionsunternehmens an seinen Bruder verkaufte. Dann hieß es Koffer und Überseecontainer packen. Selbst eine Vespa wurde mitgenommen und schmückend vor der Lodge platziert.

Dass er dann ausgerechnet wenige Meter schräg gegenüber des berühmten Wigwam Motels an der Route 66 in Holbrook/Arizona landete hat hauptsächlich einen Grund: "Das Motel stand zehn Jahre leer und das Angebot war ok." Das ist nun schon fast fünf Jahre her. Seitdem hat Peter Höller, zusammen mit seiner Frau Mona und seiner Tochter Larissa ein gut laufendes Motel mit aktuell zehn Zimmern auf die Beine gestellt. Anfangs sorgten die vom Wigwam Motel abgewiesenen Reisenden für den größten Anteil an Übernachtungsgästen. Heute liegen Reservierungen schon fürs nächste Jahr vor. Zudem werden im Sommer vier zusätzliche Zimmer, eine über zwei Zimmer reichende Suite und ein Restaurant fertig gebaut sein. Warum er das so genau weiß in einem Land, in dem es mit einer Lieferung auch mal ein paar Tage länger dauert? Weil Peter Höller alles selbst macht. "Mein Hobby ist die Tischlerei, also mache ich es einfach selbst."

Interessant ist, dass die Inneneinrichtung seiner Zimmer nicht nach der Arbeit eines Freizeit-Tischlers ausschaut. Abgesehen davon, dass er sich offensichtlich nicht nur auf ein Thema, wie zum Beispiel Indianer-Kultur oder Cowboy-Style, festlegen konnte, bieten alle Zimmer einen sympathischen Charme - und sauber sind sie auch. Wer in einer Gruppe reist, in der aus Platzgründen die eine Hälfte im berühmten Wigwam Motel und die andere Hälfte im Globetrotter Lodge übernachten soll, der kann ruhigen Gewissens die österreichische Familie besuchen - wenn denn überhaupt noch ein Platz frei ist. Dem Wigwam Motel hat die Lodge mittlerweile vieles voraus und das spricht sich im Internetzeitalter schnell herum. Auf dem Bewertungsportal Tripadvisor führen die Österreicher die Liste der 17 Hotels in Holbrook an. Das Wigwam Motel rangiert dort aktuell auf Platz fünf.

Einer der Gründe liegt zweifellos an der Lage. Die Lodge liegt zwar in Steinwurfweite von den 15 Beton-Zelten entfernt, doch entscheiden diese wenigen Meter über eine ruhige oder schlaflose Nacht. Denn wer im Wigwam Motel ausdrücklich ein Tipi gebucht hat, kann Pech haben. "Wir haben leider doch keines mehr frei. Aber im anderen Teil des Motels haben wir noch etwas." In dem Moment muss die Antwort der Reisenden ganz klar "nein danke, wir suchen weiter" lauten. Andernfalls wird schon nach kürzester Zeit klar, dass der Zug vor dem Fenster genauso gut auch durch das Zimmer fahren könnte. Die paar Meter machen da auch nichts mehr. "An das nächtliche Hupverbot halten sich nicht alle Zugführer", verrät Peter Höller. So schön sich das Hupen auf dem freien Land auch anhören mag, knapp fünf Meter vor dem eigenen Fenster geht es durch Mark und Bein. Dass die Züge im wilden Westen gern aus kilometerlangen und die Wände vibrieren lassenden Anhängern bestehen, muss auch klar sein.

Und auch in puncto Ausstattung und Komfort hat die Lodge der Österreicher mehr zu bieten. Die Zimmer von Peter Höller sind heller, ruhiger und neuer. Anstelle eines kleinen Röhrenfernsehers können sich die Gäste hier auf einem modernen Flachbildschirm die Zeit vertreiben. Die großen Fenster lassen sich aufschieben und der Schlaf- und Wohnraum ist großzügig geschnitten. Draußen gibt es zudem noch einen Pool, der angesichts der heißen Außentemperaturen einen großen Pluspunkt liefert. Das Badezimmer inklusive Dusche ist wesentlich moderner und größer als in den 64 Jahre alten und sehr dunklen Betonlegenden. Ob einem der höhere Komfort 62 Euro pro Nacht wert ist, muss jeder selbst mit sich ausmachen. Das legendäre Wigwam Motel ist für Einzelpersonen bis zu 17 Euro günstiger - inklusive 4-D Zugerlebnis.

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