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Jagd auf Raser: Der Irrsinn mit dem Blitz-Marathon

Jedes Jahr feiert die Polizei sich und ihren Blitz-Marathon. Dabei ist das nur ein Riesenspektakel für die Medien. Niemand stört, dass 13.000 Polizisten dabei kaum einen Raser erwischen.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Die Polizei rüstet sich zum "2. Bundesweiten 24-Stunden-Blitz-Marathon".

Die Polizei rüstet sich zum "2. Bundesweiten 24-Stunden-Blitz-Marathon".

Was macht ein Verkehrsminister, wenn er in die Presse will? Er sagt den Rasern den Kampf an, denkt sich einen kriegerischen Namen mit "Blitz" aus und startet eine bundesweite Aktion. Beim Blitz-Marathon funktioniert dieses simple Rezept vorzüglich. Alle Medien berichten seit Tagen davon: Mehr als 13.000 Polizisten werden im Einsatz sein. Sie werden 24 Stunden lang Millionen Autofahrer in Deutschland kontrollieren. Beim zweiten bundesweiten Blitz-Marathon soll an 7500 Orten im ganzen Land geblitzt und gelasert werden.

Am Ende sind alle Beteiligten mit der Aktion hochzufrieden und werden sich nach dem gelungen Event gegenseitig auf die Schultern klopfen. Ergebnisse gibt es allerdings nur im luftigen Bereich: Der Marathon-Klaumauk soll angeblich das Bewusstsein "schärfen". Wie er das macht und wie man das Bewusstsein misst, bleibt Geheimnis der Beteiligten.

Polizei ist machtlos

Angeblich, so unsere Verkehrsminister, verdeutlicht die Aktion das Risiko, zu jeder Uhrzeit und an jedem Ort beim zu schnellen Fahren erwischt zu werden. Richtig ist das Gegenteil: Die Kontrolldichte in Deutschland ist sehr gering. In Zeiten der sozialen Netzwerke laufen Kontrollen häufig ins Leere. Die früher üblichen Einsätze wegen der Disco-Heimkehrer kann sich die Polizei heute sparen: Schon beim Aufbau der Radarfalle wissen alle Kids im Landkreis Bescheid.

Doch sinnloser als beim Marathon könnte man 13.000 Polizisten kaum beschäftigen. Der Öffentlichkeit wird jedes Jahr eine Handvoll krasser Einzelfälle präsentiert: Irgendjemand fährt volltrunken in die Kontrolle, ein anderer bleibt auf der Autobahnbaustelle auf dem Gas: 180 km/h statt 120. Bingo! Voller Erfolg! Das Dumme an diesen Erfolgsgeschichten ist nur: Solche Fälle meldet die Polizei jeden Tag ganz ohne Marathon-Gedöns.

Viel für die Medien, wenig für die Sicherheit

Die Erfolgsquoten des Blitz-Gewitters sind minimal: 2013 wurden drei Millionen Autofahrer kontrolliert, davon waren 83.000 mit zu hohem Tempo unterwegs. Die bundesweite Sünderquote lag bei 2,7 Prozent. Eigentlich lässt diese Zahl nur einen erfreulichen Schluss zu: Kaum jemand verhält sich offenbar so gesetzestreu wie Autofahrer. Ein Vergleichswert: Kontrollen der Verkehrssicherheit von Fahrrädern beanstanden meist über 20 Prozent. Wenn die Polizei an Schulen besonders genau hinschaut, sind es auch mal weit über 60 Prozent.

Die mickrige Ausbeute an Temposündern wird in der Pressemitteilung dramatisch zu Zehntausenden von Rasern hochgeschrieben, tatsächlich beinhalten die 2,7 Prozent alle Tempoverstöße. Der weit überwiegende Teil der Raser dürfte - wie immer - mit weniger als 10 km/h plus in die Falle gegangen sein, die Buße beträgt dann 10 oder 15 Euro. Von echten Rasern darf man sprechen, wenn ihnen ein Fahrverbot droht. 2013 war das bei immerhin 322 Personen der Fall. Das sind sagenhafte 0,01 Prozent der Kontrollierten.

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