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Portal Fahrerbewertung.de: Kommt jetzt der Autopranger?

Fahrerbewertung.de, das hört sich so seriös an wie eine Seite zur Hotelbewertung, aber eigentlich kann es nur um eines gehen: Um einen Pranger für Raser und Falschparker.

Von Gernot Kramper

Auf Fahrerbewertung.de kann man andere Autofahrer bewerten. Man darf schimpfen, aber auch positive Bewertungen sind möglich. Seit Anfang des Jahres ist das Portal im Betrieb und soll bereits 30.000 Bewertungen gesammelt haben. Ich könnte zum Beispiel einen Nachbarn für vorbildliches und platzsparendes Parken loben. Oder auf der Autobahn mein Smartphone parat haben, um Kennzeichen und Anmerkungen wie "Hält den Sicherheitsabstand ein" festzuhalten.

Aber wer hat schon soviel Bürgersinn? Wer Fahrerbewertung.de aufsucht, will wohl eher richtig abpesten. Gründe gibt es immer. Etwa meine letzte Fahrt nach der Arbeit: Ampel ausgefallen, Beschilderung gibt eindeutig Vorfahrt für mich, von rechts kommt eine Dame, bremst nicht, guckt nicht, fährt über die Kreuzung. Vollbremsung bei mir, Handy am Ohr bei ihr.

Besser als eine Anzeige

Für HH-YY-XXXX wäre das einen Eintrag wert. Ist das Denunziantentum? Vielleicht, doch der Rechtsstaat sieht für das Fehlverhalten der Fahrerin eigentlich eine Anzeige vor. Eine negative Bewertung wäre für sie das kleinere Übel. Immerhin würde die Frau ihren Führerschein behalten. Ein schlechtes Gewissen als Blockwart der Straße hätte ich also nicht. Auf Fahrerbewertung.de kann ich einfach das Kennzeichen eintippen und darf dann eine Bewertung nach dem Ampelschema "rot, gelb oder grün" angeben. Das Ganze funktioniert auch per App, sowohl für Apple, wie auch für Android-Geräte.

Kleines Problem meines Rachefeldzuges: Vermutlich würde die Dame meine Bewertung nie mitbekommen, denn dafür müsste sie ihr Kennzeichen auf der Seite abfragen. Und irgendeine Sicherheitsabfrage, dass ich die richtige Nummer eingebe, gibt es auch nicht. Ein kleiner Zahlendreher, schon steht der Falsche am Pranger.

Rechtlich umstritten

Ein großes Problem sei das nicht, beruhigt Jörn Wolter von der Bonner Firma Bo-Mobile GmbH, die die Seite betreibt. Auf Verlangen werde die Bewertung gestrichen. Betrachtet man den Datenschutz, ist das sicher vorbildlich. Aber was soll ein Bewertungsportal, wenn jeder Verkehrsrüpel seine negativen Einträge einfach verschwinden lassen kann?

Rechtlich ist das Projekt umstritten. Nils Schröder, Sprecher des Landesbeauftragten für den Datenschutz in Nordrhein-Westfalen, hält die Seite zumindest für grenzwertig. Zwar werde nur das Kennzeichen eingegeben. "Aber es ist nicht sonderlich schwer, den Halter zu ermitteln. Dann werden personenbezogene Daten erhoben." Also hat die Behörde die Seitenbetreiber um eine Stellungnahme gebeten. Pauschal verurteilen kann Nils Schröder das Portal jedoch nicht. "Bewertungsportale müssen immer differenziert beurteilt werden. Bei ihnen trifft das Recht auf informelle Selbstbestimmung des einzelnen auf das Recht auf freie Meinungsäußerung eines anderen. Auch eine Bewertung ist eine geschützte Meinungsäußerung."

Im Falle des Schülerportals Spickmich.de wurde geurteilt, dass Lehrer eine Bewertung in bestimmten Grenzen hinnehmen müssen. "Hätte auf man auf einem Dating-Portal die erotischen Qualitäten bewertet, wäre das Urteil sicher anders ausgefallen," sagt Nils Schröder. Im Moment handelt es sich bei Fahrerbewertung.de um eine Routineanfrage, die Seite ist zumindest derzeit legal. Klagen von Privatpersonen sind nicht bekannt.

Leider sehr langweilig

Vermutlich wird die Seite allerdings keinen allzu großen Erfolg haben, eben weil sie keinen Raum für Hasstiraden bietet. Mag sein, dass ein paar Leute hier Dampf ablassen wollen, aber es macht keinen Spaß, sich durchzuklicken. Lichthupe, Schneiden, Falschparken in Standardformulierungen: Wer will so was lesen?

Erfolgreiche Pranger-Portale leben von süffigen Einzelheiten. Auf manchen Seiten konnte man haarklein die Trinkgewohnheiten und Ehestreits nerviger Nachbarn nachlesen, auf anderen werden der oder die "Ex" in die Pfanne gehauen. Schön ist das alles nicht, doch gegen die voyeuristischen Verlockungen des Revenge-Porn-Universums wirkt Fahrerberwertung.de so spannend wie die Online Ausgabe der Verkehrssünderdatei.

Gut für die Frau am Steuer. Ich fand das Portal so dröge, dass ich mir die Bewertung für sie gespart habe.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.