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Zukunftsvision Mini Vision Urbanaut: Bye, bye Kart-Feeling, willkommen Kinderzimmer

Der Vision Urbanaut öffnet sich nach außen.
Der Vision Urbanaut öffnet sich nach außen.
© PR
Was bringt die Zukunft für Mini? Anstatt Fahrleistungen will sich die Marke durch ein Innendesign absetzen, das das Spektakel einer großen Oper aufbietet. Realistisch ist das nicht.

Die Wiedergeburt des Mini ist neben dem Fiat 500 einer der wenigen Fälle, bei dem der Rückgriff in die Vergangenheit gelungen ist. Bei einer Marke mit Retro-Touch stellt sich die Frage, wie sie in die Zukunft kommen will.

Mit einem lebensgroßen Modell will Minis Designchef Oliver Heilmer seine Vision konkret werden lassen. Vision Urbanaut macht eines klar, eine der beiden Marken-Säulen wird nicht fortgeführt. Der Urbanaut ist alles andere als eine Fahrmaschine mit Go-Kart-Feeling. Bleibt das Design. Zumindest im Detail, denn die Grundidee ist so naheliegend wie unoriginell.

Mit E-Antrieb und autonomer Steuerung wird es kein humanes Fahrerlebnis mehr geben, der Rallye-Zug und das Sportwagen-Image haben ausgedient. Der menschliche Fahrer wird arbeitslos. Anstatt dem Piloten einen Arbeitsplatz muss dem Passagier nun ein Lebensraum gegeben werden. Das Auto wandelt sich also in eine fahrende Lounge in verkleinerter Kinderzimmergröße. Ansteller einer schnittigen Form erhebt sich die Form einer gerundeten Handseife über dem Skateboard, in dem die Technik untergebracht wird. Diese Grundidee hat man in den letzten Jahren hundertfach gesehen. Letzten Endes unterscheiden sich die Entwürfe im Innendekor und der Wertigkeit der Materialien. Logisch, dass ein Start-up, das eine Art von Roboter-Uber plant, eher auf einen abwaschbaren und zerstörungssicheren Innenraum setzt. Mini hat offenbar den solventen Privatkunden im Blick und spart nicht an Zutaten. Alle Nettig- und Nichtigkeiten, die den Gast in der Suite eines Designhotels erwarten, werden hier im Kleinformat realisiert.

Das Auto als Spektakel-Box

Dabei ändern sich Funktion und Stil in verschiedenen Modi. Beim Thema "Wanderlust" darf der Mensch noch mal ans Steuer, zumindest soweit es die Sicherheitsautomatik erlaubt. Im Chill-Mood verwandelt sich das Vehikel in einen Entspannungsraum, im Vibe-Modus öffnet sich nach außen und wird zu einem sozialen Raum. Dabei verändern sich Innenraum, Licht und Farben – das Auto wir zu einer Bühne wechselnder vorinszenierter Stimmungen. Licht, Düfte und Sound stimmen die Passagiere ein. Parkt der Wagen, verwandelt sich das Armaturenbrett zum Beispiel in eine Cocktail-Couch wie man sie aus den 1950ern kennt. Das sieht fraglos toll aus, das Ganze wirkt durchaus verführerisch und stimmig. Anstatt der sehr lichten Pastellfarben kann man sich auch andere Farbpaletten denken.

Ob der Urbanaut einen realistischen Weg beschreitet, ist eine andere Frage. Heute steht schon fest, dass es alsbald weniger Platz für Autos in den großen Metropolen geben wird. In den dynamischen Städten Asiens ist sogar damit zu rechnen, dass der verbleibende Verkehr gnadenlos unter die Erdoberfläche verlegt wird. Beziehungsweise, dass die Autostraßen einen Betondeckel verpasst bekommen.

Es ist zumindest kühn, zu glauben, dass man mit einem Fahrzeug in der Größe eines ausgewachsenen Mittelklassewagens in Zukunft munter an den schönsten Plätzen halten kann, um dann mit seinen Freunden den Vibe-Modus um das rollende Wohnzimmer zu genießen. Schon heute darf man den Vive vermutlich im Parkhaus genießen. Auch stellt sich die Frage wieviel Geld dem Konsumenten die aufwändige Sinnesverführung wert sein wird. Heute ist es so, dass viele dieser Spielereien bei einem kurzfristigen Aufenthalt in einem Hotel mit einem "Wow" quittiert werden, aber in den Räumen, in denen man dauerhaft wohnt, wird dankend auf derartige Spektakel verzichtet.


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