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Porsche-Chef Matthias Müller: "Dann kann ich gleich Eisenbahn fahren"

Der Porsche-Chef hält nichts vom autonomen Fahren und lehnt ungebremstes Wachstum ab. stern.de sprach mit ihm auf der L.A. Auto Show über Frauen, die Maut und den neuen SUV Macan.

Herr Müller, wer soll den Macan kaufen? Vielleicht nicht nur Aufsteiger, wie oft, sondern Absteiger, denen der Porsche Cayenne inzwischen zu groß ist, weil die Kinder aus dem Haus sind?

Gut möglich. Es wird eine gewisse Substitution zum Cayenne geben. Damit rechnen wir auch. Das schmälert aber nicht das große Potenzial des Autos. Und wir rechnen auch damit, dass der Macan manchem Wettbewerber zu schaffen machen wird, wenn er im April 2014 auf den Markt kommt. Denn er ist ja ein echter Porsche im Segment der mittelgroßen Geländewagen.

Haben Sie vor, mit dem Macan vor allem Frauen anzusprechen?

Wir haben keine geschlechtsspezifischen Präferenzen. Klar, immer mehr Frauen fahren nicht nur Auto, sondern vor allem auch Porsche. Deswegen sind Frauen auch für uns eine begehrte Zielgruppe. Wichtiger ist mir aber, dass wir verstärkt jüngere Leute an die Marke binden. Da verspreche ich mir vom Macan viel.

Irrsinniges Überholmanöver

Von welchem Alter sprechen Sie?

Von 40 aufwärts.

Das würde vermutlich auch eine höhere Stückzahl mit sich bringen. Sie sprachen mal von 50.000 verkauften Macan pro Jahr. Stimmt die Zahl noch?

Ja, die Zahl ist leicht konservativ gerechnet. Ich weiß, dass Sie wahrscheinlich gleich die Zahl von 200.000 verkauften Stück aller Porsche pro Jahr nennen werden. Andere sprechen über uns bereits vom sogenannten Vollsortimenter - so als hätten wir in jedem Autosegment einen Porsche. Wir wollen aber gar nicht unbedingt so viele Autos wie möglich verkaufen. Wir würden das Unternehmen und die Marke überfordern, hätten wir allein die Verkaufszahl im Blick. Hier geht es auch darum, darauf zu achten, dass Porsche niemals ein Massenprodukt werden darf. Ob es am Ende 10.000 Stück mehr oder weniger sind und ob das früher oder später der Fall sein wird, das spielt keine allzu große Rolle.

Sehen Sie eine Gefahr, die Marke Porsche mit zu vielen Modellen womöglich zu überdehnen?

Nein, die sehe ich nicht. Seit ich Porsche-Chef bin, werde ich mit dieser Frage konfrontiert. Mit dem Macan haben wir nun sechs Modellreihen. Und wir denken natürlich über weitere nach. So diskutieren wir derzeit an die zehn Perspektiven, unser Modellangebot auszubauen.

Einen kleinen Panamera?

Das ist eine Möglichkeit.

Einen Van etwa?

Nein, keinesfalls. Vielmehr wird es darum gehen, zu bestehenden Autos Varianten zu finden. Aber wir wollen, das möchte ich noch einmal betonen, kein Volumenhersteller werden. Bei uns steht immer die Frage ganz oben, den Wert der Marke zu erhalten. Alles andere hat sich unterzuordnen.

Das Brudermodell des Macan ist der Audi Q5. Wie viele Gleichteile gibt es?

Deutlich weniger als 50 Prozent. Wir sind im VW-Konzern kein Plattformnutzer, sondern ein Komponentennutzer. Das heißt, manche Teile haben wir aus dem Baukasten genommen, andere haben wir selbst entwickelt. Man darf sich das in der Praxis der Zusammenarbeit nicht so eng reglementiert vorstellen, wie es von außen zu sein scheint. Kürzlich hatte ich bei einem anderen Modell eine interessante Erfahrung gemacht. Ein kaputtes Bauteil lag auf meinem Tisch und ich fragte, woher das kommt. Es stellte sich heraus, dass es vom VW Up stammte. Also das kleinste Auto im Konzern liefert Teile für eines der teuersten Autos. Das begeistert mich.

Wann wird es einen Vierzylindermotor im Macan in Europa geben?

In China müssen wird den bringen, weil uns der Gesetzgeber dazu zwingt. In Amerika und Europa werden wir den Vierzylinder bis auf weiteres nicht anbieten. Wenn es allein nach mir ginge, dann nie. Wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Auch bei der Frage gilt: Nur um mehr Autos zu verkaufen, werden wir diesen Motor nicht generell einführen.

Kann man sich bei Porsche autonomes Fahren vorstellen, also dass der Computer übernimmt?

Da müssen wir nicht die Ersten sein. Ehrlich, dann kann ich gleich mit der Eisenbahn fahren. Wer einen Porsche kauft, will das Erlebnis des Selbstfahrens genießen. Wir beschäftigen uns natürlich damit, die Assistenzsysteme ständig zu verbessern, die dem Fahrer viel abnehmen, aber autonomes Fahren würde den Markenkern verletzen.

Treibt Sie das Thema Pkw-Maut um?

Weniger als Porschemann, sondern als Bürger Deutschlands und Europas. Eine Maut nur für Ausländer ist doch eine Entscheidung gegen Europa.

Interview: Harald Kaiser
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